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Plakatmotiv: Wir sind keine Engel (1955)
Ein unglaublich lustiger Film!
Titel Wir sind keine Engel
(We're No Angels)
Drehbuch Ranald MacDougall
nach dem Bühnenstück „Eine schöne Bescherung“ („La cuisine des anges“) von Albert Husson
Regie Michael Curtiz, USA 1955
Darsteller Humphrey Bogart, Aldo Ray, Peter Ustinov, Joan Bennett, Basil Rathbone, Leo G. Carroll, John Baer, Gloria Talbott, Lea Penman, John Smith u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
25. November 1955
Inhalt
Die kurz vor Heiligabend aus ihrem Gefängnis auf der Teufelsinsel entflohenen Sträflinge Joseph, Albert und Julius wollen auf einem Dampfer von der Insel entkommen. Sie stehlen einen Brief, den sie dem Empfänger Felix Ducotel, einem Besitzer eines Kolonialwarenladens, überbringen. Diesem bieten sich die drei als Experten für Dachreparaturen an und erfahren bald, dass sich die Familie in einer schwierigen Situation befindet.

Grund dafür ist vor allem der Umstand, dass Felix den Laden nur im Auftrag seines Vetters André Trochard betreibt, der Felix immer mehr unter Druck setzt und Gewinne einfordert. Felix’ Frau Amelie hat Angst, dass André ihnen den Laden eines Tages wegnehmen könnte. Der von den Sträflingen überbrachte Brief kündigt Andrés baldigen Besuch an, der derzeit noch an Bord eines unter Quarantäne stehenden Dampfers zusammen mit seinem Neffen Paul festgehalten wird und über Weihnachten die Geschäftsbücher prüfen will.

Als Isabelle, die Tochter der Ducotels, die heimlich für Paul schwärmt, in Ohnmacht fällt, weil sie von Pauls Heiratsplänen erfährt, ergreifen die drei Sträflinge die Initiative. Sie freunden sich mit der Familie an und feiern mit ihnen den Weihnachtsabend, indem sie verschiedene Zutaten (Blumen, Puter, Weihnachtsbaum) „besorgen“ („So schöne Blumen gibt es sonst nur im Garten des Gouverneurs.“).

Als am Weihnachtsabend André und Paul vor der Tür stehen, werden sie von den Sträflingen eingelassen. Andrés Gefühlskälte macht ihn bei den dreien sofort unbeliebt – um die Ducotels zu schützen, planen sie zunächst Ducotels Geschäftsbücher zu „schönen“. Nachdem diese Pläne scheitern, planen sie André zu ermorden, sehen davon aber ab, um die Familie Ducotel nicht in Schwierigkeiten zu bringen.

Plakatmotiv: Wir sind keine Engel (1955)

André hat mittlerweile die Unzulänglichkeit der Geschäftsbücher festgestellt und wittert hinter allem Diebstahl, er konfisziert daher Alberts Kiste, die er stets bei sich trägt, ohne zu ahnen, dass der ständige Begleiter und „Freund“ des Trios, die Giftschlange Adolf, darin ist. Die drei Sträflinge sind hin und her gerissen zwischen der Möglichkeit, dass André von der Schlange gebissen wird und den damit verbundenen Schwierigkeiten.

Sie entschließen sich daher, André zu warnen, ziehen die Entscheidung darüber aber so sehr in die Länge, dass André selber feststellt, dass eine Giftschlange in der Kiste ist …

Was zu sagen wäre
Auf den ersten Blick passt an dieser Besetzung gar nichts – und schon bin ich neugierig: Humphrey Bogart, der harte Hund, in einer herzigen Weihnachtskomödie? Und dann spielt sich Peter Ustinov unwiderstehlich charmant in den Vordergrund? Was kann das überhaupt für ein Trio sein – Bogart, Ray, Ustinov? Und die Toten werden nicht erschossen, sondern von einer Viper gebissen? Ja, das passt. Dies und ein paar weitere Faktoren machen diesen Film so unwiderstehlich. Hier kann man nichts Neues lernen über den Einsatz der Kamera, virtuos geschnitten ist der Film auch nicht. Aber er lebt und atmet, hat gute Figuren, die lustige Hinhörer sagen. Der Film sitzt auf einem intelligenten, das Image seiner Protagonisten karikierenden, gut geschriebenen Drehbuch und auf drei sehr gut gelaunten Schauspielern, die ganz offensichtlich viel Spaß daran haben, aus der Rolle zu fallen.

Aldo Ray, der Hühne mit dem imposanten Oberkörper, hat die undankbare Aufgabe, den etwas tumben, aber herzensguten Schürzenjäger Albert zu spielen. Das wäre unter anderen Umständen etwas viel fürs Klischee – je mehr Muskeln, desto dumm – aber in dieser wunderbaren Komödie passen Ray und seine Rolle bemerkenswert gut. Auf der Teufelsinsel sitzt er, genau wie die anderen beiden, nach damaliger Strafordnung zurecht. Albert hat wenigstens eine, wahrscheinlich mehrere Frauen getötet. Jules hat seine Frau mit einem anderen Mann im gemeinsamen Schlafzimmer erwischt – Mord aus Leidenschaft. Joseph, ausgerechnet Humphrey Bogart, hat nicht getötet, sondern nur Papiere gefälscht und Rechnungen manipuliert.

Plakatmotiv (US): Wir sind keine Engel (1955)

Mit Lust macht Bogart sich zum Kasper, ohne sich lächerlich zu machen. Wenn einer wie Bogart komische Sachen sagt, lustigen Unsinn redet, wirkt das doppelt herzlich. Dass er Talent zum Komödiantischen hat, hat er vergangenes Jahr in Sabrina gezeigt, als er sich unter Billy Wilders Regie in Audrey Hepbrn verlieben musste. Er kann all seine Erfahrung aus 20 Filmjahren ausspielen (s.u.). In seinem Joseph blitzt der Gangsterboss ein bisschen auf, ebenso wie der romantische Liebhaber aus seinen Anfängen; auch Duke Mantee aus dem „Petrified Forest“ (1936) sagt mal kurz Hallo. Und der kühle Stratege, den er so häufig gespielt hat, bietet den Rahmen für all die Figuren. Bogart macht daraus eine ganz neue, eigenständige Figur. Dieser Joseph ist mit wirklich gar keiner vorherigen Bogart-Figur zu vergleichen.

Bogart hat offenbar Spaß an Peter Ustinovs Auftritten („Sinuhe der Ägypter“ – 1954; „Quo Vadis“ – 1951; „Odette“ – 1950; „Private Angelo“ – 1949). Mehrfach spielt sich der Brite umwerfend komisch nach vorne in die erste Reihe (in der eigentlich Bogart steht) und der Mann, der Sam Spade und Philip Marlowe war, kann sich das Lachen kaum verkneifen. Die komische Bühne ist Ustinovs Habitat, sein Timing, seine Mimik, seine Ideen sind ein Fest. Seit ich gesehen habe, wie elegant er jedes Schloss knackt, kann ich bei keiner Tresorknackerszene im Kino mehr ernst bleiben. Ustinov ist in diesem Film ein andauernder Magic Moment.

Um die drei dominanten Hauptfiguren gruppieren sich ausgleichend ein paar charakterstarke Schauspieler, unter denen Leo G. Carroll („Rogue's March“ – 1953; „Stadt der Illusionen“ – 1952; „Schnee am Kilimandscharo“ – 1952; „Der Fremde im Zug“ – 1951; „Vater der Braut“ – 1950; Der Fall Paradin – 1947; Ich kämpfe um Dich – 1945; Verdacht – 1941; „Rebecca“ – 1940) als leicht überforderter Ehemann, Vater und Geschäftsführer, ähnlich überraschend hervorlugt, wie Bogart. Carroll spielt herrlich. Joan Bennett als seine Frau Amelie wirkt ein wenig oversized in ihrer niemals versiegenden Eleganz und Grandezza („Die Autofalle von Las Vegas“ – 1954; „The Guy Who Came Back“ – 1951; „Ein Geschenk des Himmels“ – 1951; „Der Vater der Braut“ – 1950; „Schweigegeld für Liebesbriefe“ – 1949; „Die Frau am Strand“ – 1947), aus dieser Fallhöhe spielen sich die beiden gekonnt die Bälle zu.

Dieser Film markiert die letzte Zusammenarbeit von Michael Curtiz und Humphrey Bogart. Seit 1937, seit Kid Galahad – Mit harten Fäusten (1937) haben sie sechs Filme zusammen gemacht: Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern (1938), „Goldschmuggel nach Virginia“ (1940), Casablanca (1942) und Fahrkarte nach Marseille (1944).

Wertung: 7 von 7 D-Mark
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