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Plakatmotiv: Quo Vadis (1951)
Opulentes Schaustück mit
einem grandiosen Peter Ustinov
Titel Quo Vadis
(Quo Vadis)
Drehbuch John Lee Mahin + S.N. Behrman + Sonya Levien
nach dem Roman „Quo Vadis“ von Henryk Sienkiewicz
Regie Mervyn LeRoy, USA 1951
Darsteller Robert Taylor, Deborah Kerr, Leo Genn, Peter Ustinov, Patricia Laffan, Finlay Currie, Abraham Sofaer, Marina Berti, Buddy Baer, Felix Aylmer, Nora Swinburne, Ralph Truman, Norman Wooland, Peter Miles, Geoffrey Dunn, Nicholas Hannen, D.A. Clarke-Smith, Rosalie Crutchley, John Ruddock, Arthur Walge, Elspeth March, Strelsa Brown, Alfredo Varelli, Roberto Ottaviano, William Tubbs, Pietro Tordi, Marika Aba, Adriano Ambrogi, Anna Arena, Alfred Baillou, Giacomo Barnas, Scott R. Beal, John Binns u.a.
Genre Abenteuer, Historien
Filmlänge 171 Minuten
Deutschlandstart
13. August 1954
Inhalt

Im Jahr 64 nach Christus kehrt der römische Kommandeur Marcus Vinicius mit seinen Truppen siegreich von Britannien nach Rom zurück. Vor den Toren der Stadt erreicht ihn der Befehl Kaiser Neros, sein Lager aufzuschlagen und zu warten. Marcus sieht das nicht ein, zumal seine Leute von den Strapazen erschöpft sind und nach Hause wollen. Er fährt allein mit seinem Wagen zum Kaiser. Er trifft ihn in einer Runde, in der Nero gerade ein von ihm selbst verfasstes Lied zum Besten gibt und Petronius, den „arbiter elegantiae“, den Fachmann in Geschmacksfragen, um sein Urteil bittet.

Plakatmotiv: Quo Vadis (1951)Vom Kaiser erfährt Marcus nun den Grund der Verzögerung: dem Volk sollen „panem et circenses“, Brot und Spiele, geboten werden – dazu wäre ein späterer Einmarsch der Truppen genau das Richtige. Erst jetzt kann Petronius – er ist Marcus’ Onkel – seinen Neffen richtig begrüßen und ihn zum Übernachten in das Haus des Generals Plautius schicken. Dort begegnet er der lygischen Geisel Lygia, die von Plautius und seiner Frau als Tochter erzogen wurde. Er verliebt sich in Lygia und versucht, sie von Nero als Anerkennung für seine Siege geschenkt zu bekommen. Im Haus des Generals lernt er auch einen gewissen Paulus aus Tarsus kennen. Was Marcus noch nicht weiß, ist, dass Plautius, seine Familie und auch Lygia Anhänger der christlichen Religion sind.

Marcus’ Einzug mit seinen Legionen wird zu einem prachtvollen Ereignis. Zum anschließenden Festgelage wird Lygia gewaltsam abgeholt; der Kaiser hat sie an Marcus verschenkt. Poppaea, Neros Frau, sieht das nicht gerne, denn sie hat selber ein Auge auf den schönen Offizier geworfen. Nach der Feier soll Lygia in das Haus des Petronius gebracht werden, kommt aber nie an. Ursus, ihr hünenhafter Beschützer, befreit sie und versteckt sie in der Gemeinde. Sie bleibt verschwunden. Marcus sucht sie und erfährt bei dem Griechen Chilo von den geheimen Treffen der Christen in den Katakomben.

Nero hat inzwischen die fixe Idee, das alte Rom um der Kunst willen zu verbrennen und an seine Stelle eine neue Stadt mit Namen „Neropolis“ aufbauen zu lassen. Bald schon steht Rom in Flammen und der geistesgestörte Kaiser singt dazu: „Flammen, verzehrt es, wie im Feuerofen!“ Die Bevölkerung hat kein Verständnis für die wahnwitzigen Vorstellungen ihres Herrschers und versucht den Palast zu stürmen. Nero wiederum, feige und voller Angst um sein Leben, braucht jemanden, dem er die Schuld an der Brandkatastrophe zuschieben kann. Poppaea schlägt die Christen als Schuldige vor. So wäre sie ihre Rivalin bei Marcus los und Nero gerettet. Der greift gern nach dem rettenden Strohhalm, und alsbald sind die Gefängnisse voll von Christen, unter ihnen auch Lygia. Marcus, inzwischen in Ungnade gefallen, wird ebenfalls gefasst und landet in derselben Zelle.

Schließlich stehen Marcus und Lygia zusammen mit anderen Christen im Circus Maximus vor den Löwen …

Plakatmotiv: Quo Vadis (1951)

Was zu sagen wäre

Eine Gesellschaft unter dem Terror der Willkürherrschaft. An der Spitze ein Despot, der einzig Schmeichelei und Anhimmeln duldet, kleinste Verstöße mit grausamem Tod bestraft. Das Volk: rechtlos. Das Militär glaubt stolz an den weltweiten Herrschaftsanspruch des Reiches – und damit an dessen Herrscher und Gott. Es gibt keinen Widerstand, das Reich ist auf dem Höhepunkt seiner Macht. Aber der Spaltpilz gärt, ausgerechnet einer, der Gewaltlosigkeit predigt.

Den Film, den Hollywood als „The Big One“ anpreist, ist in der Tat groß. Der Niedergang des römischen Empires, ausgelöst durch die Diktatur Neros und die Botschaft des Christentums, erzählt in großartigen Kulissen, prachtvollen Gewändern, epischen Bildern, innovativen Spezialeffekten, ist ein hochpolitischer Film. Er feiert das freie Leben der westlichen Hemisphäre, die freie Welt nach US-Vorbild, indem er die Herrschaft des Despoten in schillernden Farben ausstaffiert und als sowjetische Gottlosigkeit inszeniert. An dessen Spitze steht nur nicht Stalin, sondern Peter Ustinov.

Plakatmotiv (US): Quo Vadis (1951)Ustinov spielt Nero als schmollenden Trotzkopf. Ein verzogener Junge, der schnell beleidigt ist, im nächsten Moment in glucksende Glückseligkeit ausbricht und in der nächsten Minute einen Störer zornentbrannt hinrichten lässt. Der vermeintliche Dichter und Sangeskünstler, der keinen Ton trifft und schreckliche Verse schmiedet ist eine Witzfigur. Wäre er nicht der Kaiser, der Gott. Peter Ustinov war für einen Supporting-Actor-Oscar nominiert. Völlig zu Unrecht: Es hätte ein Hauptrollen-Oscar sein müssen (den Humphrey Bogart für African Queen mit nach Hause nahm, während Karl Malden als Supporting Actor in „A Streetcar named Desire“ ausgezeichnet wurde). Ohne Ustinov und ohne Leo Genn, der Neros zynischen Schmeichler Petronius spielt – und ebenfalls als Supporting Actor nominiert war– gerät der Film trotz seiner großen Schauwerte, ins Wanken.

Dass die historischen Bezüge nicht stimmen, ist eher eine Marginalie. Mervyn LeRoy wollte keinen Dokumentarfilm drehen – Nero hat Rom zwar brennen lassen, konnte aber wohl kaum von seinem Palast das Feuer besingen, der bald Raub der Flammen wurde (woraufhin er sich sein Goldenes Haus bauen ließ). Er starb auch, anders als im Film, erst vier Jahre nach dem Brand Roms. Dass unter seiner Herrschaft die Christenverfolgung solche Ausmaße annahm, ist in der Forschung umstritten; und in einem Amphitheater wie das im Film gezeigte sicher nicht. Mit dem Bau des Collosseums wurde erst etwa zehn Jahre später begonnen.

Wenn die Christen aber schon als Opfer für den Film herhalten müssen, hätte man ihnen vielleicht etwas realistischere Züge geben können. Immer schauen sie andächtig, Choräle summen im Score des Films, sie breiten dauernd die Hände aus und ihre Dialoge sind von einem leicht predigenden Singsang geprägt – „Oh, Petrus …“, „Oh, Marcus …“. Mervyn LeRoy verwechselt Friedfertig offenbar mit Opferstatus; was in der oben angeführten politischen Dimension deses Films heißt, dass die Friedfertigen – also die Amerikaner – am Ende den Tyrannen – also Stalin – stürzen werden, dabei aber niemals Opfer sein dürfen, sprich: bis an die Zähne bewaffnet sein müssen.

Aus dem Ruder laufen die Schauspieler, die in der grandiosen Materialschlacht dieses Films Sätze sprechen müssen, die kein Mensch je gesprochen haben kann; die Charaktere wirken so künstlich wie manche Kulisse. Am schlimmsten hat es Robert Taylor erwischt, der sich zwei Drittel des Films mit Soldatensprüchen und Machogehabe als Arschloch durchkämpfen muss, bis ihm die schöne Lygia plötzlich um den Hals fällt, was kaum nachzuvollziehen ist. Erst beleidigt der Römer sie, stellt ihr gleich mal eine heiße Liebesnacht mit ihm in Aussicht, erklärt, Philosophie „solch tiefsinnigen Gedanken“, sei nichts für hübsche Frauenköpfe und als sie ihm nicht zu Willen ist, kauft er sie kurzerhand. Deborah Kerr ist hinreißend in ihrer Sanftmut, denkt man aber einen Moment darüber nach, meint man anhand ihrer meist nur gehauchten Sätze zu erkennen, dass sie selbst kaum glauben kann, was das Drehbuch sie da sprechen und tun lässt.

Der Film ist ein großartiges Schaustück, unter dessen Opulenz Geschichte und (die meisten) Figuren erdrückt werden. Er basiert auf dem Roman „Quo Vadis“ von Henryk Sienkiewicz, dessen Titelgebung wiederum die christliche Überlieferung von der Begegnung Christi und seinem Jünger Simon Petrus vor den Toren Roms (Quo vadis?) aufgreift. Erste Verfilmungen entstanden bereits in der Stummfilmzeit; am bedeutendsten davon ist die italienische Verfilmung aus dem Jahr 1913 von Enrico Guazzoni, die einer der ersten abendfüllenden Kinofilme war. Weitere Verfilmungen entstanden 1985 als Fernsehserie (mit Klaus Maria Brandauer als Nero) und 2001 (Regie: Jerzy Kawalerowicz).

Plakatmotiv (US): Quo Vadis (1951)

Wertung: 3 von 6 D-Mark
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