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Kinoplakat: Men in Black III
Die 10 Jahre Pause haben
gut getan - Sehr lustig!
Titel Men in Black 3
(Men in Black III)
Drehbuch Etan Cohen
nach dem MARVEL-Comic von Lowell Cunningham
Regie Barry Sonnenfeld, USA 2012
Darsteller Will Smith, Tommy Lee Jones, Josh Brolin, Emma Thompson, Alice Eve, Jemaine Clement, Michael Stuhlbarg, Mike Colter, Nicole Scherzinger, Michael Chernu, David Rasche, Keone Young, Bill Hader, Cayen Martin, Clarke Thorell u.a.
Genre Comedy
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
24. Mai 2012
Website meninblack.com
Inhalt

Eigentlich erleben die Men in Black einen Arbeitstag wie jeden anderen: Sie bekämpfen Aliens, vorwiegend schleimige Aliens. Aber irgendwie … Agent J. und Agent K. leben nebeneinander her auf ihren Missionen wie ein altes Ehepaar, das nicht mehr miteinander spricht. Wobei Agent J. ja sogar darunter leidet, dass Agent K. eigentlich nie mit ihm viele Worte gemacht hat. Vor allem hätte J. gerne mal gewusst, warum eigentlich K. immer so mürrisch ist. Aber nach der Zerblasterung einiger schleimiger Aliens in einem China-Restaurant lässt K. ihn, J., wieder mal abblitzen.

Und am nächsten Tag ist alles anders.

Im MIB-Hauptquartier hat J. vergeblich nach K. gesucht. Hallo? K. hat noch nie gefehlt. „K ist seit 40 Jahren tot!”, eröffnet ihm Agent O.. Das ist dann doch zu viel. Sogar für J.. Tot? Irgendwie muss der Lauf der Geschichte verändert worden sein – und in der Tat hat Boris das Biest es geschafft, seine Gefängniszelle auf dem Mond zu verlassen und ein bisschen im Zeitfluss zu spielen, aber das weiß J. natürlich nicht und K. hat das auch nur geahnt, aber da war es dann natürlich schon zu spät; jetzt jedenfalls ist K. erst einmal weg und J. hat sehr schnell raus, dass er ins Jahr 1969 katapultiert worden ist und dort offenbar ums Leben kommen soll, bzw. – aus heutiger Sicht – gekommen ist und alles hängt mit Boris zusammen, den K. damals festgenommen hatte – eigentlich festgenommen hatte. Jetzt natürlich nicht, weil jetzt scheint sich das ja alles zu verändern – und der Tod von K. scheint eine zentrale Rolle für die Pläne einer außerirdischen Invasion zu spielen.

Also reist Agent J. in die Vergangenheit. Ins New York der 1960er Jahre, um dort eine jüngere Version von Agent K. vor seinem Tod zu retten und somit das drohende Ende der Welt abzuwenden. Erreicht er sein Ziel nicht binnen 24 Stunden, kann er nie wieder in die Gegenwart zurückkehren …

Was zu sagen wäre

"It's good, to be back!", ruft Robert Downey Jr. in „Iron Man 2”. Das hat zwar so direkt mit diesem Film nichts zu tun (außer, dass beide aus dem Comic-Hause MARVEL stammen), aber der Satz ging mir mitten im Film durch den Kopf. Schön, dass sie wieder da sind, schön, dass die Pause von zehn Jahren wirklich kreativ genutzt worden ist und schön auch, dass Autoren und Regisseur sehr misstrauisch sind, wann immer es in ein chinesisches Restaurant geht. Nach MIB III ist die Lust, außerhalb Chinas ein chinesisches Restaurant zu besuchen, gleich Null. Aber die wortintensive und schleimhaltige Schlachtplatte dort ist ausgesprochen vergnüglich.

Gut. Phantasievoll. Vergnüglich.

Überhaupt strotzt der Film vor guten, phantasievollen, überraschenden Bildern. Es geht dafür verloren ein wenig die coole, anarchische Atmosphäre des Originals aus dem Jahr 1997 mit seinen nonchalant präsentierten Frechheiten. Aber wir schreiben nicht mehr das Jahr 1997. Was damals cool war, wirkt heute – bei Menschen, die mit MIB erwachsen wurden und Sonnenbrillen immer noch für ein Statement des Cool halten – ein wenig bemüht. Richtig also, dass das Konzept ausgeschüttelt, entstaubt und neu zusammengebaut wurde. Kino im Jahr 2012 sieht so aus wie Men in Black III – manches ist da auch vorhersehbar. Und manches wird auf dem Altar der Logik geopfert. Aber das ist bei Filmen, die mit Zeitreisen spielen, nahezu unvermeidbar.

Wenn ich den generellen Aspekt beiseite lasse – die sehr dürftig erklärte Tatsache, dass alle plötzlich Agent K. für „seit 40 Jahren tot” halten, nur Agent J. nicht, weil der offenbar von der veränderten Zeit nichts mitbekommen hat – dann bleibt ein Punkt, an dem ich mich frage „Geht denn das?”. Kann man sich niederschießen lassen, dabei zählen, wo die Pfeile im Körper einschlagen („links, rechts, links, rechts, rechts, links”), dann zurückreisen, sich wieder niederschießen lassen, nur dieses Mal wissen, wo die Pfeile hinfliegen und diesen also ausweichen? So kompliziert, wie dieser Satz, ist das darüber-nachdenken. Wahrscheinlich ist es nicht möglich. Ist aber egal, weil das zu einer Zeit im Film passiert, da bin ich längst völlig gefangen. Von Will Smith zum Beispiel und von diesem Zeitsprung vom Chrysler-Building, New York, der ein echter Sprung wird aus lichter Höhe und soviel historischen, slapstickigen, actionreichen Ideenreichtum entfaltet, dass man beim ersten Mal Sehen gar nicht alles erfassen kann. Und die Frage „Geht denn das” ist in einem Film, der von Männern in schwarzen Anzügen handelt, die auf der Erde lebende Aliens überwachen, natürlich auch eine, mit der man vorsichtg haushalten muss

Wunderschöne Bildideen

Eine andere schön gelöste Storyline ist das Verschwinden K's aus der Zeitleiste; wie sich erst Möbel verändern, dann die ganze Wohnung bis hin zu einem geisterhaften Wesen, das, wie ein darauf folgender harter Schnitt zeigt, die neue – oder alte? – Bewohnerin des Apartments zeigt. Auch, dass der Film uns nach 20 Minuten mit einem gigantischen Alienangriff verwöhnt, ist schön, weil … die monströsen Geißeltierchen in ihrer Letalität etwas sehr Elegantes haben.
Außerdem findet der Showdown rund um eine Saturn-V-Rakete statt – eigentlich die berühmteste Saturn-V-Rakete der Raumfahrt-Geschichte und die gehört zu den Spielzeugen meinen großäugigen Kindheit

Dann ist da Griffin. Griffin lernen wir in Andy Warhols (!!) Factory kennen. Ein scheinbar harmloser Nerd, der allerdings in der Zeit lebt, im Zeitstrom, für den immer Jetzt ist. Egal, ob es sich um historische Ereignisse, zukünftige Begebenheiten oder … eben den Moment jetzt handelt. Griffin sieht alles gleichzeitig und wägt ununterbrochen ab, in welche Richtung die Zukunft jetzt gerade abbiegt. Und natürlich erlaubt uns Regisseur Bary Sonnenfeld später einen Blick aus Griffins Perspektive. Herrlich! Und erschreckend.

Schrille Popstars kommen generell from Outer Space

Noch ein schöner Twist: Am Anfang sieht der Film aus, wie seine Vorgänger. Da gibt es die schmuddeligen kleinen Elektroläden, die Chinarestaurants, in denen man besser nicht isst, die MIB-Basis mit ihren gelangweilten Portiers. Aber dann ändert der Film seine Tonart und landet im eher juvenil fröhlichen Kinojahr 2012, in dem auch Lady Gaga keine von uns ist. So wie ja auch Michael Jackson von einem anderen Planaten kam – bei der Einschätzung schriller Musiker und Sängerdarsteller bleiben sich die Filmemacher treu.

Erstaunlich auch, dass Will Smith nach knapp 20 Jahren im Kinogeschäft nichts von seinem Strahle-Charme verloren hat – wenn ich da beispielsweise an Eddie Murphys kurze Karriere denke, die, auch wenn Murphy nie gerappt hat, ganz ähnlich startete – mit „Nur 48 Stunden”, „Beverly Hills Cop” und „Die Glücksritter” – und dann versandete in lancierten Skandälchen und Sexgeschichtchen und „Dr. Doolittle”. Als dann Jim Carrey als Grimmassen schneidender Chaot soweit war („Ace Ventura”, „Die Maske”), wurde Murphy bei den C-Filmen abgelegt („Pluto Nash”, „Norbit”, „Mensch Dave” usw.). Will Smith hingegen ist immer noch A-Klasse in Hollywood und auf der Leinwand.

Kurz: Men in Black III ist große Unterhaltung. Kein Problem. Aber … kann mir einer sagen, was es nun war, dass Agent K. in seinem früheren Leben zu solch einem Griesgram gemacht hat?

Wertung: 7 von 7 €uro
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