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Plakatmotiv: Mel Brooks' Die verrückte Geschichte der Welt (1981)

Das Furzkissen unter
den Geschichtsbüchern

Titel Die verrückte Geschichte der Welt
(History of the World: Part I)
Drehbuch Mel Brooks
Regie Mel Brooks, USA 1981
Darsteller Mel Brooks, Dom DeLuise, Madeline Kahn, Harvey Korman, Cloris Leachman, Ron Carey, Gregory Hines, Pamela Stephenson, Shecky Greene, Sid Caesar, Mary-Margaret Humes, Orson Welles, Rudy De Luca, Leigh French, Richard Karron u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 92 Minuten
Deutschlandstart
11. Februar 1982
Inhalt
Die Weltgeschichte als bunter Reigen von ihren Anfängen bis zur Zukunft, wobei konsequent mit bislang herrschenden falschen Vorstellungen aufgeräumt wird: zeitgenössische Kritik an Höhlenmalerei in der Steinzeit, Moses ungeschickter Umgang mit den Gebotstafeln, der erste Auftritt des Stand-up-Philosophen Comicus in Caesars Palast, die Wahrheit über das letzte Abendmahl, die spanische Inquisition als Musical-Nummer und obszöne Spielchen zur Zeit der Französischen Revolution …
Was zu sagen wäre

Der Film ist ein gutes Beispiel, weshalb Mel Brooks' Comedy außerhalb des englischsprachigen Raums nicht gut funktioniert – in den Synchronisationen bleibt immer nur der Brachialhumor übrig; der feinsinnig formulierte Sprachwitz, der nur mit englischer Wortwahl, Grammmatik und mit US-Bezügen funktioniert, geht in der Synchro zwangsläufig verloren.

Im Deutschen beherrschen die Flatulenz- und Witze, die eine Penis-Andeutung beinhalten den Plot – da wird der gefürchtete Nero zum „Monarsch über die Welt!“ Das ist anstrengend. In der Französischen Revolution gehen die Herrschenden buchstäblich über das Volk hinweg (das unter dem Roten Teppich begraben liegt) – „Ihr werdet mir langsam zu soßig, Bernaise!

Zwischendurch hilft Moses (einer von mehreren Zeitsprung-Gags aus dem Film) den aus Rom vor Neros Schergen Fliehenden, wenn er mit weit ausgestreckten Armen das Meer teilt, woraufhin er von einem Straßenräuber überfallen wird – „lass die Arme genau das wo sie sind“ – und in jüdische Flüche ausbricht – hier, im jüdischen Witz, ist Brooks (Höhenkoller – 1977; „Silent Movie“ – 1976; Frankenstein Junior – 1974; „Der wilde wilde Westen“ – 1974; „Zwölf Stühle“ – 1970; Frühling für Hitler – 1967) sogar in der deutschen Synchro lustig. Immerhin: Als Moses mit Jehovah, dem brennenden Dornbusch spricht, hören wir in der deutschen Synchronfassung die deutsche Stimme Charlton Hestons, was auf der Meta-Ebene eine schöner Einfall ist.

Eine Sondernummer bietet Brooks' Musicalversion der spanischen Inquisition – „The Inquisition, what a show! The Inquisition, here we go!“ – die den tatsächlichen Zynismus der real existierenden Folterkeller sehr genau auf den schmerzhaften Punkt bringt – inklusive Wasserballett mit Nonnen; was war denn die Inquisition anderes als der präpotente Traum einzelner Kirchenmänner?

Der Film besteht aus mehreren Abschnitten, die in unterschiedlichen Episoden der Weltgeschichte stattfinden und – natürlich – unterschiedliche Klassiker der Filmgeschichte hops nehmen:

  • In der Steinzeit ist es öde und langweilig (2001 – A Space Odyssey – 1968), bis der Humor und die Musik entdeckt werden. Die Entdeckung der Musik ist da eher zufällig: Bei der Arbeit fällt ein Stein auf den Fuß eines Urmenschen, woraufhin dieser schreit. Das Schlagen auf unterschiedliche Füße bringt unterschiedliche Laute: Eine Melodie.
  • In der Rolle von Moses nimmt Brooks von Jehovah 15 Gebote in Empfang. Als er seine Ansprache an das jüdische Volk hält, rutscht ihm eine der drei Tafeln aus der Hand und zerbricht. So werden dem jüdischen Volk nur zehn Gebote präsentiert (Die Zehn Gebote – 1956).
  • Im Römischen Imperium mimt Brooks den „Stammtischphilosophen“ (im Original: „Stand-up philosopher“) Comicus. Gerade als er sich sein Arbeitslosengeld abholen will, erscheint sein Agent und erzählt ihm, dass er ein Engagement im „Caesars Palace“, also in Cäsars Palast, habe, welches er auch annimmt (Quo Vadis – 1951). Dann trifft Comicus auf eine Jungfrau vom kaiserlichen Palast und einen Sklaven aus Äthiopien. Im Kaiserpalast kommen seine politischen Witze über den dicklichen Kaiser schlecht an und er muss fliehen. Zusammen mit seinem äthiopischen Freund verschwindet er aus der Stadt. Ihre Verfolger werden von einem riesigen Joint eingenebelt, den der Äthiopier aus einer Schriftrolle und am Straßenrand gepflücktem Marihuana anfertigt.
  • Unter dem blauweiß gestreiften Segel des Schiffes „El Al“ erreichen die Freunde Judäa, wo Comicus eine Stelle als Aushilfskellner annimmt und dabei als erstes einem „jungen Herrn von großer Sanftmut“ und seinen zwölf Freunden die übrig gebliebene Tagessuppe aufzuschwatzen versucht (Wortspiel mit dem englischen Ausdruck last supper für das letzte Abendmahl).
  • Kurz gestreift wird die spanische Inquisition, in der Brooks den Großinquisitor Torquemada in einer Art Musical spielt.
  • Im letzten Kapitel geht es um den Vorabend der französischen Revolution. Während sich König Ludwig XVI. und der Adel der Dekadenz hingibt, hungert das Volk. Es ist sogar so arm, dass es nicht mal eine eigene Sprache, sondern nur einen „Akzent wie Maurice Chevalier“ besitzt. Um den König zu schützen, beschließen Graf de Monet und sein Begleiter Bernaise den König zu ersetzen. Zufällig ähnelt dieser einem Abtrittanbieter (ein „Piss-Page“) am Hofe und prompt werden die Rollen getauscht. Der „Piss-Page“ sollte nun anstelle des Königs von den Revolutionären mit der Guillotine hingerichtet werden. Er entkommt aber wieder durch die Hilfe des Äthiopiers (aus dem Römischen Imperium; vom Anfang des Films) aus der Stadt.
  • Es erscheint eine Vorschau zum Film „Die verrückte Geschichte der Welt, Teil II“, der nie erscheinen wird: Adolf Hitler als Eiskunstläufer, ein Wikingerbegräbnis und Juden im Weltraum.

Für Liebhaber monumentaler Sandalenfilme hält der Film ein paar Grinser bereit. Der brachiale Breitmaul-Humor, der den schlechten Geschmack eher sucht als vermeidet, ist insgesamt aber eher für anspruchsarme Teenager lustig.

Wertung: 3 von 9 D-Mark
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