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Kinoplakat: Meerjungfrauen küssen besser
Charmante Figuren
in flacher Handlung
Titel Meerjungfrauen küssen besser
(Mermaids)
Drehbuch June Roberts
nach dem Roman „Mrs. Flax und ihre Töchter“ (Mermaids) von Patty Dann
Regie Richard Benjamin, USA 1990
Darsteller
Cher, Bob Hoskins, Winona Ryder, Michael Schoeffling, Christina Ricci, Caroline McWilliams, Jan Miner, Betsy Townsend, Richard McElvain, Paula Plum, Dossy Peabody, William Paul Steele, Rex Trailer, Pete Kovner, Patricia Madden u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
30. Mai 1991
Inhalt

Nach einer weiteren gescheiterten Beziehung zieht Rachel Flax mit ihren beiden Töchtern Charlotte und Kate ein weiteres Mal um – diesmal führt der Zufallsgenerator an die Ostküste.

Die Töchter haben sich ihre eigenen Fluchten aus der Realität geschaffen: Kate ist begeisterte Schwimmerin und fühlt sich unter Wasser am wohlsten, Charlotte zeigt ein großes Interesse an der katholischen Kirche, obwohl die ganze Familie jüdisch ist. In Neuengland stürzt sich Mrs. Flax in eine Beziehung mit dem von seiner Ehefrau verlassenen Schuhverkäufer Lou, der sich nicht nur um sie bemüht, sondern auch für Charlotte und Kate zu einem Ersatzvater wird. Zum ersten Mal entwickelt Mrs. Flax ernsthafte Gefühle für einen Mann.

Auch Charlotte entdeckt unerwartet die Liebe, was ihr streng religiöses Weltbild reichlich durcheinanderbringt. Der Mann ihrer Träume ist der junge schweigsame Schulbusfahrer Joe. Allmählich kommen sich beide näher. Eines Abends kommt es zu einem Unglück: Charlotte lässt ihre kleine Schwester allein am Fluss spielen, während sie mit Joe Zärtlichkeiten austauscht. Kate fällt ins Wasser und verliert das Bewusstsein …

Was zu sagen wäre

Eine exaltierte, allein erziehende Mutter zieht von Stadt zu Stadt und findet den Mann fürs (zweite) Leben. Der verkauft Schuhe, erinnert in seinem ungelenken Habitus an jenen Fleischer, Titelheld des Oscar-Gewinners Marty aus dem Jahr 1955. Bob Hoskins fügt seiner langen Liste schöner Rollen („Der Chaoten-Cop“ – 1990; Falsches Spiel mit Roger Rabbit – 1988; „Auf den Schwingen des Todes“ – 1987; „Mona Lisa“ – 1986; Brazil – 1985; „Cotton Club“ – 1984) einen charmant unaufgeregten Romantiker. Der Film, der aus der Perspektive der 15-jährigen, sehr religiösen Charlotte erzählt wird, funktioniert vor allem in der ersten Hälfte, wenn alles noch frisch und überraschend ist.

Aber dann stellt sich heraus, dass „Mermaids“ keinem rechten Konzept folgt, sich statt dessen in mal romantische, mal slapstickartige Momente verstolpert. Da sind die drei Frauen, die jeweils vor den eigenen Dämonen weglaufen. Die jüngste hat es noch am einfachsten; sie will einfach noch am verflucht längsten tauchen können. Charlotte trifft es am härtesten: Sie ist in der Pubertät. Die bezaubernde Winona Ryder (Edward mit den Scherenhänden – 1990; „Ein Mädchen namens Dinky“ – 1990; Great Balls of Fire – 1989; „Beetlejuice“ – 1988) macht aus dieser Charlotte ein tapsiges, unbedingt bewundernswertes Mädchen, das alles sein will, bloß nicht so wie Mutter. Die wird von Cher gespielt („Mondsüchtig“ – 1987; „Suspect – Unter Verdacht“ – 1987; Die Hexen von Eastwick – 1987; „Die Maske“ – 1985; „Silkwood“ – 1983); entspechend lebenslustig ist diese Mutter – abgeklärt, sarkastisch, und etwas langweilig in ihrer Rätsellosigkeit. Sie ist sowas wie eine Sekretärin – mit bunten Kleidern, Lust auf Männer und das war‘s.

Also ein bisschen komplexer hätte die Geschichte schon ausfallen dürfen. Es hat aber offenbar allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Das war dem Film nicht in die Wiege gelegt. Die Regisseure Lasse Halström und Frank Oz sollen wieder abgesprungen sein, weil sie sich nicht mit Cher verstanden; das klingt nach hitzigen Streitererein am Set. Mit Richard Benjamin scheint es besser funktioniert zu haben. Die vier Protagonisten haben Spaß am Albernen und heben die Story über cinephiles Allerlei hinaus.

 

Wertung: 7 von 10 D-Mark
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