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Kinoplakat: Maleficent - Die dunkle Fee
Jetzt dreht Disney den Spieß um
und rettet die Ehre der bösesten Fee
Titel Maleficent - Die dunkle Fee
(Maleficent)
Drehbuch Linda Woolverton
nach Charles Perraults Märchen „La Belle au bois dormant“
Regie Robert Stromberg, USA, UK 2014
Darsteller

Angelina Jolie, Elle Fanning, Sharlto Copley, Lesley Manville, Imelda Staunton, Juno Temple, Sam Riley, Brenton Thwaites, Kenneth Cranham, Sarah Flind, Hannah New, Isobelle Molloy, Michael Higgins, Ella Purnell, Jackson Bews u.a.

Genre Fantasy, Abenteuer
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
29. Mai 2014
Inhalt

Maleficent ist eine schöne, warmherzige junge Fee, die in einem friedvollen Waldkönigreich lebt. Eines Tages verirrt sich Stefan, ein Junge aus der benachbarten Menschenwelt, in der es weit weniger friedlich zugeht, in Maleficents Heimat. Die Fee und der Mensch werden Freunde; es keimt sogar Romantik.

Aber Stefan zieht es zurück in das Reich der Menschen. Dessen König Henry will die Feenwelt um jeden Preis erobern, doch gegen Maleficents magische Kräfte kommt er nicht an.

Als alle anderen Pläne versagen, verspricht er demjenigen Thron und Tochter, der es fertig bringt, die scheinbar unbesiegbare Fee in die Knie zu zwingen.

Stefan nimmt die Herausforderung an und begibt sich nach langer Abwesenheit wieder in die Wälder des Feenwelt. Er täuscht Maleficent Liebe vor und raubt ihr im Schlaf ihre imposanten Feenflügel.

Die so Betrogene ist tief traurig und verbittert, und als sie Jahre später die Gelegenheit bekommt, nimmt sie fürchterliche Rache. Sie verflucht Aurora, die Tochter des inzwischen zum König gekrönten Stefan: Das Mädchen soll am Tag nach seinem 16. Geburtstag in ewigen Schlaf fallen …

Kinoplakat: Maleficent – Die dunkle Fee

Was zu sagen wäre

Die dunkle Fee Maleficent gehört zu den bösesten Drachen/Stiefmüttern/Königinnen, die Walt Disney für seine Zeichentrickfilme je erdacht hat, 1955 für Dornröschen (in der deutschen Fassung hieß sie Malefiz). Mit „Maleficent“ drehen die Frauen und Männer in Burbank den Spieß um und erzählen die Dornröschen-Geschichte aus der Perspektive der vermeintlichen Schurkin und siehe: Es war der Mann, der alles kaputt gemacht hat. Das fügt sich in die Haltung vieler Filme aus Disneys „Classics/Meisterwerke“-Reihe, in denen es von jungen, unschuldigen Mädchen, die aber die spannenden Abenteuer durchleben nur so wimmelt, während die Männer zwar Prinzen und Könige, aber langweilig sind.

Die Männer sind simple Toren

Im vorliegenden Film hat der männliche Part ein paar Facetten mehr; er ist verschlagen und herrschsüchtig. Was ihm fehlt, jedenfalls in dem, was er uns zeigt, ist die Liebe zu seiner Tochter, die ja ganz am Anfang des Dramas steht. Da mangelt es Sharlto Copley (Elysium – 2013; Das A-Team – Der Film – 2010; District 9 – 2009), der diesen väterlichen König Stefan spielt, an mimischen Zwischentönen, um seine Liebe zur Tochter anders zu zeigen, als dass er die drei Feen anbrüllt, die nicht richtig aufgepasst haben. Da fehlen aber auch im Drehbuch zwei, drei Sätze, die die Sehnsucht des Königspaares nach einem Kind erklären (so wie das mit sehr einfachen Worten im Zeichentrick-Vorgänger von 1955 gelungen ist). Der zweite Mann im Drama ist der junge Prinz, der die Schlafende Schönheit durch den Kuss der Liebe zurück ins Leben holen soll; Brenton Thwaites darf dabei so einsilbig simpel sein, wie sein Zeichentrickvorgänger.

Kinoplakat: Maleficent – Die dunkle FeeSein Kuss bewirkt auch nichts. Das ist das Überraschende an dieser Verfilmung. Weil im Zentrum eine Figur steht, die zunächst mal etwas Böses tut, ganz egal, für wie gerechtfertigt wir ihren Zorn und ihre Rache halten, bekommt er eine leicht zynische Grundierung, damit wir der Boshaftigkeit der Fee leichter folgen. Also gilt: Es gibt den Kuss der wahren Liebe nicht, weil es diese wahre Liebe gar nicht gibt! Das ist zunächst mal eine Erkenntnis, die für einen Disney-Film überraschend ist. Natürlich ist die Schlafende Schöne am Ende wieder eine wache Schöne, weil diese wahre Liebe dann doch noch auftaucht, deren Herkunft dann wieder sehr Disney ist.

Eine bunte Extravaganza

Mit „Maleficent“ leistet sich Disney eine schöne Extravaganza: Üppige Bilder vor übersichtlicher Handlung, viel Oberfläche, wenig Substanz, kalorienreiches Eyecandy, während sich das Hirn zurücklehnt. Einerseits also ganz im Geister der 1955er-Vorlage, als Realfilm fürs 21. Jahrhundert aber fragwürdig. Einerseits ein 180-Millionen-Dollar-Produktionskosten-Statement für den traditionell umkämpften Kinosommer, dabei aber so simpel, wie ein Märchen nun mal ist – das ist schön; zumal an Schauwerten wahrlich nicht gespart wird.

Wenn sich Maleficent und König Stefan am Ende in brennendem Hass gegenüberstehen und sich mit Unterstützung von Eisen bewehrten Soldaten und Drachen prügeln, schließt das den Bogen zu den romantischen Bildern, die der Film zu Beginn für die beiden findet – die wahre Liebe existiert nicht? Wenn Liebe und Hass die zwei Seiten derselben Medaille sind, dann existiert sie laut diesem Film sehr wohl – auch zwischen Mann und Frau.

Angelina Jolie und Sam Riley – ein Traumpaar

Angelina Jolie (The Tourist – 2010; Salt – 2010; „Der fremde Sohn“ – 2008; Mr. & Mrs. Smith – 2005; Original Sin – 2001; Lara Croft: Tomb Raider – 2001; „Durchgeknallt“ – 1999; Der Knochenjäger – 1999) ist mimisch nicht herausgefordert. Unter ihrer gehörnten Maske mit den scharf konturierten Wangenknochen und hinter den gefärbten Kontaktlinsen bleibt ihr wenig mehr als der starre Blick. Ihr bleich geschminktes Elfenbeingesicht strahlt zwischen dem üppigen Grün der düsteren Moorlandschaften. Jolie hat den Film – offensichtlich mit Blick auf die Zielgruppe „eigene Kinder“ – co-produziert und ihr hat das sichtbar Spaß gemacht – manchmal ist wenig (Mimik) doch mehr.

An ihrer Seite spielt Sam Riley sowas wie den Mann an ihrer Seite, spielt den Raben Diaval, der sich in alle möglichen Lebewesen verwandeln kann (Gestaltwandler sind en vogue beim jugendlichen Publikum, das die Unverbindlichkeit, das sich-nicht-festlegen-wollen schätzt). Riley, den die Industry gerne ruft, wenn sie zwiespältige Jungs mit rauer Seele suchen („Das finstere Tal“ – 2014; „On the Road“ – 2012; Rubbeldiekatz – 2011; Brighton Rock – 2010), macht den Raben sympathisch – schafft sogar ein paar Grautöne in der holzschnittartigen Dramaturgie.

Das Lächeln der Elle Fanning

Das Herz der bösen Fee zu erobern fällt der blonden, schönen, sanften Aurora zu, die von der immer aufs Neue entzückenden Elle Fanning gespielt wird („Low Down“ – 2014; Ginger & Rosa – 2012; Wir kaufen einen Zoo – 2011; Super 8 – 2011; Somewhere – 2010; Der seltsame Fall des Benjamin Button – 2008). Die 16-Jährige, die mit drei Jahren neben Sean Penn und Michelle Pfeiffer in Ich bin Sam zum ersten vor der Kamera stand, spielt auch hier so natürlich, als wäre es einfach, in einer mit grünem Filz bespannten Halle zu stehen und nur so tun zu können, als schwebe man mit Elfen, Waldgeistern und Feen durch imaginäre Wälder. Um die reine Seele der Aurora zu verkörpern, reicht es, dass sie ihr Lächeln einschaltet; aber auch ohne dieses bezaubernde Tool zeigt sie in den dramatischen Momenten des Märchens Präsenz und Tiefe.

„Maleficent“ ist kein großes Kino, aber gute Unterhaltung. Ähnlich oberflächlich wie einst die Musicals erzählt es eine einfache Geschichte mit hohem optischen Aufwand und macht aus der bösesten Nemesis der „Classic“-Reihe nun auch die komplexeste. An den Kinokassen weltweit spielte diese Extravaganza 758,4 Millionen Dollar ein.

Wertung: 6 von 8 €uro
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