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Kinoplakat: Malavita – The Family
Eine Mafia-Posse
und Rohrkrepierer
Titel Malavita – The Family
(The Family)
Drehbuch Luc Besson + Michael Caleo
nach dem gleichnamigen Roman von Tonino Benacquista
Regie Luc Besson, USA, Frankreich 2013
Darsteller

Robert De Niro, Michelle Pfeiffer, Dianna Agron, John D'Leo, Tommy Lee Jones, Jimmy Palumbo, Domenick Lombardozzi, Stan Carp, Vincent Pastore, Jon Freda, Michael J. Panichelli Jr., Paul Borghese, Anthony Desio, Ted Arcidi, David Belle u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 111 Minuten
Deutschlandstart
21. November 2013
Inhalt

Er war einer der mächtigsten Männer der USA: Giovanni Manzoni, einst gefürchteter Pate in New York, hat durch seine Aussagen eine ganze Reihe einflussreicher Mafiosi hinter Gitter gebracht. Nun lebt er mit seiner Frau Maggi und den beiden Kindern Belle und Warren im Zeugenschutzprogramm in der Normandie – unter dem wachsamen Auge des FBI-Agenten Stansfield.

Ziel ist es, sich unauffällig zu verhalten und unter allen Umständen unter dem Radar zu bleiben – nicht so einfach, denn Freds aufbrausendes Temperament geht gerne mit ihm durch. In der Schule setzen sich Sohn Warren und Tochter Blake mit Prügel gegen Mitschüler zur Wehr. Während sich Giovanni als Schriftsteller tarnt, suchen die Mafiosi, die er hintergangen hat, nach ihm. Ein skrupelloser Killer hat seine Spur in dem vorherigen Wohnort der Familie aufgenommen.

Als Warren ein Gedicht für die Schülerzeitung schreiben muss, nutzte er eine alte Geschichte von den Mafiafreunden seines Vaters. Durch Zufall landet eines der Zeitungsexemplare in der amerikanischen Gefängniszelle des Mafiabosses Don Luchese, der Manzoni tot sehen will. Don Luchese sieht einen Zusammenhang zwischen dem Gedicht und Manzoni und beauftragt seine Untergebenen, nach Frankreich zu reisen.

Ein schwerbewaffnetes Killerkommando macht sich also auf den Weg in die Normandie, während sich die Manzonis mit anderen Sorgen beschäftigen. Warren wird vor den Lehrerrat zitiert, da er etliche Delikte begangen hat, Vater Manzoni verprügelt einen lokalen Chemiefabrikanten, da er mit der Wasserqualität im Ort nicht zufrieden ist und die Tochter trauert dem jungen Mathenachhilfelehrer nach, in den sie sich verliebt hat und dem sie ihre Jungfräulichkeit geopfert hat. Aber dafür ist jetzt gerade keine Zeit; draußen fallen die ersten Schüsse …

Was zu sagen wäre

Ein Rohrkrepierer. Ein Blindgänger. Der Film zündet einfach nicht. Manchmal ist zuviel Liebe ans Vorbild vielleicht auch schädlich; hier jedenfalls ist Luc Besson seine Liebe und Verehrung des amerikanischen Kinos – hier die Spielart des Gangsterfilms oder der „Mafia-Oper“ – nicht gut bekommen. Je länger der Film dauert, desto verzweifelter fragt sich der Zuschauer, was das Ganze soll. Eine Zitatensammlung? Ein Best-of Luc Bessons Favorites? Man weiß es nicht. Und schlimmer: Man erfährt es auch nicht!

Kein Anfang, kein Ende

Der Film hat kein Anfang und kein Ende, ist aber auch nicht der Mittelteil einer Trilogie. Wir erleben die Manzoni-Familie bei einem offenbar vertrauten Ritual: wieder beziehen sie ein neues Heim irgendwo in der Provinz. Da passieren dann erst ein paar lustige Sachen, Mutter verwüstet aus Frust über die arroganten Franzosen einen Supermarkt, die Kinder spielen ihre anerzogene Skrupellosigkeit auf dem Schulhof gegen die Provinzkinder aus und der Vater bringt noch ein paar Leute um.

Jetzt müsste dann langsam eine Geschichte losgehen. Statt dessen suchen die Vertreter der verratenen Mafia-Familien weiter die Verräter, die Verräter schaffen es nicht, so richtig in Deckung zu bleiben, dann gibt es eine wilde Schießerei in dörflichem Normandie-Ambiente – wo einst die US-Truppen die Invasion starteten, stolpern jetzt ein paar Mafiosi durchs Gras, HaHa – und dann geht die Story wieder von vorne los, während bei uns der Abspann anläuft. Das einzige, was sich tut: Vater Manzoni stellt lakonisch fest, die Familie sei nun enger zusammengerückt; dafür gibt es zwar keinen erzählerischen Beleg, aber es wurde wenigstens angesprochen.

Franzosenklischees und unzusammenhängende Streiche

Zwischen Vor- und Abspann werden Franzosen-contra-USA-Klischeehäppchen serviert. Manzonis Nachbar möchte sich dauernd über die Hintergründe der Invasion mit Manzoni austauschen, der vorgibt, als Autor zu dem Thema zu recherchieren; der örtliche Filmclub will ihn für einen Vortrag gewinnen – gezeigt wird „Good Fellas“ (mit Robert De Niro, hihi). Und zwischendrin taucht immer FBI-Mann Stansfield auf und knurrt, man soll gefälligst unter dem Radar bleiben.

In diesem langweiligen Sammelsurium unzusammenhängender Streiche schafft es dann die Sequenz, in der Warren seinen Schülerzeitungstext schreibt und veröffentlicht, zum visuellen Highlight des ganzen Films; dass Luc Besson mit Bildgestaltung und Filmschnitt umzugehen weiß, ist ja an sich nichts Neues, aber wenn der Wendepunkt des Dramas das einzige Highlight ist, hat er was nicht verstanden.

Oscar-Preisträger suchen ihre Rollen

Drei Schauspielschwergewichte stehen vor der Kamera und von denen bietet nur Michelle Pfeiffer (Dark Shadows – 2012; Happy New Year – 2011; Personal Effects – 2009; Schatten der Wahrheit – 2000; An deiner Seite – 1999; Tage wie dieser … – 1996; Aus nächster Nähe – 1996; Dangerous Minds – 1995; Batmans Rückkehr – 1992; Frankie und Johnny – 1991; Das Russland-Haus – 1990; „Die fabelhaften Baker Boys“ – 1989; Tequila Sunrise – 1988; Die Mafiosi-Braut – 1988; „Die Hexen von Eastwick“ – 1987; Kopfüber in die Nacht – 1985; Scarface – 1983) ein bisschen was Neues – ein bisschen was, was nicht sofort an ihre „Hexe von Eastwick“ (1987) erinnert; aber im Grunde betritt sie heimisches Terrain. In gewisser Weise ist ihre Maggie eine Hardcore-Version ihrer Mafiosi-Braut von 1988.

Mit Frauen, auch das ist ein alter Hut, arbeitet Luc Besson besser zusammen (Johanna von Orleans – 1999; Das fünfte Element – 1997; Léon – Der Profi – 1994; Subway – 1985). Robert De Niro lässt er dagegen so freie Hand, dass der, ratlos, halt ein Best-of-Robert-De-Niro-in-Gangsterpose herunterspielt („Killing Season“ – 2013; Ohne Limit – 2011; „Reine Nervensache“ – 1999; Casino – 1995; „Sein Name ist Mad Dog“ – 1993; „GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“ – 1990; Die Unbestechlichen – 1987; Es war einmal in Amerika – 1984; Der Pate II – 1974); Tommy Lee Jones gibt eine knurrige Variante seiner knurrigen Grumpy-Old-Men-Rollen (Captain America: The First Avenger – 2011; „No Country for Old Men“ – 2007; Men in Black – 1997; Auf der Flucht – 1993). Das ist natürlich hübsch anzusehen – immerhin ist es ja ein Best-of der Auftritte der beiden Oscar-Preisträger – aber es führt genauso zu nichts, wie der Invasionsbegeisterte Nachbar und der Filmclub und das Lehrerkollegium. Sie alle sind nur Pausenfüller in einem Film ohne Story.

Und zwischendrin läuft der deutsche Schäferhund der Familie durchs Bild. Luc Besson hatte angesichts der Großmächte vor seiner Kamera einen mittelfristige Black-Out; kann ja mal passieren.

Wertung: 2 von 8 €uro
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