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Kinoplakat: Looper
Komplexes Zeitreise-Ding
Intelligent und Spannend
Titel Looper
(Looper)
Drehbuch Rian Johnson
Regie Rian Johnson, USA, China 2012
Darsteller Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Emily Blunt, Paul Dano, Noah Segan, Piper Perabo, Jeff Daniels, Pierce Gagnon, Qing Xu u.a.
Genre Action
Filmlänge 119 Minuten
Deutschlandstart
3. Oktober 2012
Inhalt

Kinoplakat: LooperKansas 2044. Die Vergangenheit. Joe arbeitet als Looper. Looper sind Attentäter mit speziellen Auftraggebern. Diese sitzen 30 Jahre in der Zukunft – im Jahr 2074. Dort ist Zeitreise möglich geworden, aber bei hohen Strafen verboten. Die organisierte Kriminalität hat sie für sich gefunden, denn Menschen, die man ermordet, können ja jederzeit gefunden, identifiziert und der Mörder damit überführt werden. Also schickt man die Todeskandidaten in die Vergangenheit ins Jahr 2044, wo ein Looper sie erschießt, die Leiche beseitigt, die – an das Opfer in Form von Silberbarren geschnürte – Belohnung kassiert und feiern geht.

Joe also ist ein Looper. Und er macht seine Sache gut. Sein Boss, Abe, selbst aus der Zukunft in diese Gegenwart versetzt worden, um die Geschäfte zu regeln, ist zufrieden mit ihm. Aber dann steht Joe plötzlich seinem jüngsten Opfer aus der Zukunft gegenüber – Joe selbst, 30 Jahre älter. Ein kurzes Zögern und die Liquidierung geht schief: Seine futuristische Version entkommt. Jetzt steckt der 2044er-Joe in Lebensgefahr, während der 2074er-Joe die Jagd auf den späteren Unterwelt-Oberboss eröffnet, den berüchtigten Regenmacher, der im Jahr 2044 noch ein kleiner Junge ist …

Was zu sagen wäre

Ui! Dieser Film erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Beim ersten Mal kämpfe ich mich gemeinsam mit dem Drehbuch durch die komplexe Materie der heute noch nicht erfundenen, zukünftig aber auch schon verbotenen Zeitreise mit Verbrecherorganisationen, die ihre Auftragsmorde in der Vergangenheit, der zukünftigen Gegenwart dieses Films ausführen lassen und Zeitreisenden, die auf sich selber treffen und Leuten, die irgendwie ein bisschen Telekinese beherrschen. Gar nicht zu reden davon, dass Looper, die in 30 Jahren auf ihre ehemaligen Auftraggeber aus der Zukunft stoßen, als eventuelle Zeugen ihres Tuns ebenfalls zurück geschickt werden, um ausgelöscht zu werden. Das ist dann in der Fachsprache dieser Gesellschaft ein closed Loop.

Kinoplakat (US): LooperDer Film braucht ungefähr eine dreiviertel Stunde, um all das zu erklären, angereichert mit spannenden Bildern und einer Folterszene, wie ich sie noch nie gesehen habe, auch erst nicht kapiert habe. Der closed Loop wird im Film am Beispiel des besten Freundes von Joe, Seth, durcherklärt. <Achtung SPOILER>Seth erkennt sein 30 Jahre älteres Ich, zögert und verliert – der ältere Seth entkommt. Auf der Flucht hat er plötzlich eine Narbe am Unterarm, die ihm sagt, er solle zu einer bestimmten Adresse kommen. Dann fehlt ihm plötzlich ein Finger, eine alte vernarbte Wunde bildet den Stumpf. Plötzlich ist ein zweiter Finger weg. Ebenfalls ersetzt durch einen vernarbten Stumpf. Plötzlich ist die Nase fort. Später fehlt ein Fuß, während sich der ältere Seth zu dieser Adresse kämpft, die als Narbe auf seinem Unterarm steht. Als er dort endlich ankriecht, öffnet sich die Tür, im Hintergrund eines dunklen Raumes sieht man kurz eine blutbeschmierte metallene Bahre. Dann fällt ein Schuss. Das Bild ist schwarz. Welche grauenvollen Qualen der junge Seth bei lebendigem Leib erlebt haben muss auf dieser Bahre – Finger, Finger, Nase, Fuß, Bein – erschließt sich mir erst viel später.<Spoiler AUS>

Hier offenbart sich große Lust am Erzählen durch kunstvolles weglassen. „Looper” ist ein intelligenter Thriller mit bizarrer Ausgangslage, die es dem Zuschauer und sich selbst nicht ganz einfach macht, der aber – bei besagtem zweiten Hinsehen – eine Doppelbödigkeit offenbart, die selten ist in diesem Genre.

Die Schauspieler sind okay. Es ist etwas albern, wie bemüht Joseph Gordon-Levitt (Premium Rush – USA 2012; The Dark Knight Rises – USA 2012; Inception – USA 2010) hingeschminkt wird, dass er als 30 Jahre jüngerer Bruce Willis durchgehen kann, Emily Blunt („Fast verheiratet“ – USA 2012; Die Muppets – USA 2011; Der Plan – USA 2012) ist ein klein wenig unterfordert, kommt aber gut durch und Bruce Willis („Fire with Fire“ – USA 2012; Moonrise Kingdom – USA 2012; The Cold Light of Day – USA 2012; R.E.D.: Älter. Härter. Besser. – USA 2010) muss nicht mehr machen, als wie Bruce Willis zu gucken und dann den Spiel-mir-das-Lied-vom-Tod-Henry-Fonda machen und Kinder erschießen. Als er damit anfängt, wie einst Herodes, der böse Jesus-Jäger, ist klar, dass die Geschichte in einem moralischen Hollywood-Universum kein gutes Ende für die Protagonisten nimmt.

Wertung: 6 von 7 €uro
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