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Plakatmotiv (US): Brother Orchid – Orchid, der Gangsterbruder (1940)
Edward G. Robinson sucht den
Wechsel in neues Charakterfach
Titel Orchid, der Gangsterbruder
(Brother Orchid)
Drehbuch Earl Baldwin
nach einer Erzählung von Richard Connell
Regie Lloyd Bacon, USA 1940
Darsteller
Edward G. Robinson, Ann Sothern, Humphrey Bogart, Donald Crisp, Ralph Bellamy, Allen Jenkins, Charles D. Brown, Cecil Kellaway, Morgan Conway, Richard Lane, Paul Guilfoyle, John Ridgely, Joseph Crehan, Wilfred Lucas, Tom Tyler u.a.
Genre Komödie, Crime
Filmlänge 88 Minuten
Deutschlandstart
26. Januar 1982 (TV-Premiere)
Inhalt
Gangsterboss John Sarto zieht sich aus dem Geschäft zurück, verlässt seine Freundin Flo Addams und bereist die Welt. Doch nach fünf Jahren kehrt er wieder in sein altes Revier zurück, um seine alte Gang wieder zu leiten.

Doch die Gang wird nun von Jack Buck geführt. Zudem hat Flo ihre eigenen Geschäfte mit dem texanischen Rancher Clarence Fletcher laufen. Bald hat Sarto eine neue Gang aufgebaut und drängt mit Kraft in sein altes Revier vor. Bucks Männer verüben einen Anschlag auf Sarto, den er schwer verletzt überlebt. Er kann in ein Kloster flüchten, wo er nicht nur gesundgepflegt wird, sondern auch unter dem Einfluss der Mönche seine Weltanschauung ändert …

Was zu sagen wäre

Genau genommen muss der deutsche Titel des Films „Orchidee, der Gangsterbruder“ heißen, denn so wird Edward G. Robinsons Charakter im Kloster gerufen. Dann ist aber wahrscheinlich der Vorzimmerassistentin des Verleihs an einem Freitagabend aufgefallen, dass das ja richtig dann „Orchidee, die Gangsterschwester“ lauten müsste und weil von den Chefs keiner mehr aufzutreiben war – Freitagabend – hat sie das halt eigenmächtig rasch in „Orchid“ geändert – so heißt der Brother ja auch im Originaltitel.

Mehr als solche Nebensächlichkeiten lässt sich über „Brother Orchid“ eigentlich nicht sagen. Zunächst ist alles so wie immer: Edward G. Robinson führt das große Wort, ist der Boss, Humphrey Bogart intrigiert und wenn der Boss nicht plötzlich Lust auf die fünf Jahre lange Sause durch Europas Casinos hätte und er nicht auf dem Plakat als Brother Orchid bezeichnet würde, dann bliebe auch alles wie immer. Aber „Brother Orchid“ will eine Komödie sein. Und dafür braucht es komödiantische Elemente. Also konkurriert der immer auf Hochtouren quirlende Edward G. Robinson in Liebesdingen mit einem betont langsam sprechenden Texaner (Texaner haben in Hollywood einen ähnlich bäuerlichen Ruf wie bei uns die Bayern) um die blonde Nachtclubbesitzerin; und dieser Texaner kann von Kühen überhaupt nicht genug kriegen – „Du weißt doch, Liebes, wenn irgendwo eine Kuh ist, muss ich da hin, hehe“ – und perfekt allerlei Vogelstimmen pfeifen. Zu einer Art von Komödie wird der Film erst, wenn Edward G. Robinson, der Große Gangster, das Leben hinter Klostermauern lernt – eine klassische fish-out-of-water-Situation: „Die Blödmänner, die den Schuppen führen, sind Einfaltspinsel“, raunt er über das wirtschaftlich defizitäre Gebaren der Mönche. Das bleibt natürlich nicht so.

Natürlich kann auch die Welt der Mönche ein wenig Street Smartness gebrauchen, gerade jetzt, wo findige Geschäftsleute dem Kloster seinen Blumenhandel wegnehmen wollen. Und dass ausgerechnet eine Klostergesellschaft, eine Gesellschaft geistlicher Brüder, die ähnlich verschwiegen, männerbündlerisch und straff organisiert ist wie das organisierte Verbrechen, den Traviatus auf den rechten Pfad zurückbringt, ist ein charmanter Gedanke. Robinson ging es weniger um den komödiantischen Aspekt der Rolle. Eigentlich wollte er sie gar nicht spielen, James Cagney (Die wilden Zwanziger – 1939; Oklahoma Kid – 1939; Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern – 1938) war vom Studio vorgesehen.

Robinson, der durch seine Gangsterrollen zum Star geworden ist (Kid Galahad – Mit harten Fäusten – 1937; Wem gehört die Stadt – 1936; Der kleine Caesar – 1931), wollte sein Repertoire erweitern und befürchtete, die Rolle des Sarto würde ihn nicht weiterbringen. Erst als Warner Bros. ihn auch als Kapitän Larsen in der Verfilmung von „Der Seewolf“ besetzte, sagte Robinson zu. Und drückte, Stichwort: Imagewandel, im Schlussakkord des Films vor den Mönchen mächtig auf die Drüse. „Durch Euch wurden mir die Augen geöffnet. Heute weiß ich, das wirklich gute Leben lebt Ihr. Lasst mich Euer Bruder sein. Heute und Immer!“

Und für den langsamen Texaner hält der Film genreüblich auch eine zünftige Schlägerei bereit – keine im Sallon, aber immerhin eine ordentliche.

Wertung: 3 von 6 D-Mark
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