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Plakatmotiv: Okinawa (1951)
Ein Kriegsfilm, der den Stolz, nicht
den Schrecken des Krieges betont
Titel Okinawa
(Halls of Montezuma)
Drehbuch Michael Blankfort
Regie Lewis Milestone, USA 1951
Darsteller
Richard Widmark, Jack Palance, Reginald Gardiner, Robert Wagner, Karl Malden, Richard Hylton, Richard Boone, Skip Homeier, Don Hicks, Jack Webb, Bert Freed, Neville Brand, Martin Milner, Philip Ahn u.a.
Genre Krieg, Drama
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
19. Juni 1952
Inhalt

Während des Zweiten Weltkrieges bereitet sich ein Marine-Bataillon vor, auf der noch von den Japanern gehaltenen Insel Okinawa zu landen. Lieutenant Colonel Gilfillan warnt seine Leute. Die Mission ist gefährlich und sie brauchen Gefangene, um Informationen über die gegnerische Verteidigung zu erhalten.

An Bord des Landungsschiffes spricht Lieutenant Anderson, ein Lehrer, mit seinem ehemaligen Schüler Corporal Conroy. Conroy fühlt sich krank und kampfunfähig. Anderson redet ihm gut zu. Im Landungsboot macht sich der Sanitäter Jones Sorgen um Anderson, der an psychosomatischen Kopfschmerzen leidet. Jones will Anderson dazu bewegen, sich in der Heimat behandeln zu lassen, doch Anderson will seine Männer nicht alleine lassen. Jones soll ihm Schmerzmittel geben.

Plakatmotiv (US): Halls of Montezuma – Okinawa (1951)Die Landung verläuft trotz anfänglichen Widerstands erfolgreich. Doch nach einigen Tagen sind die Männer von Andersons Gruppe durch die ständigen Angriffe japanischer Scharfschützen ermüdet. Der Angriff auf einen Höhenzug wird von den Japanern mit Raketenwerfern zurückgeschlagen. Dabei stirbt Coffman, was Anderson dazu veranlasst, mehr Schmerzmittel von Jones zu verlangen.

Im Hauptquartier berichtet Gilfillan von seinen Problemen, Gefangene zur Informationsgewinnung zu machen. Sergeant Johnson, ein Verhörspezialist, spricht mit einem japanischen Gefangenen, der Willie genannt wird. Gilfillan bekommt den Befehl, die japanischen Raketenstellungen innerhalb von neun Stunden vor dem nächsten Angriff der Amerikaner auszuschalten. Willie informiert Johnson, dass einige Japaner, die eine befestigte Höhle halten, bereit sind, sich zu ergeben.

Anderson macht sich mit Johnson und dem Kriegsberichterstatter Dickerman auf den Weg. Die Patrouille wird angegriffen. Die Amerikaner können die Japaner gefangen nehmen, unter ihnen Captain Makino und einen kriegsneurotischen Zivilisten. Anderson findet eine Karte und führt seine Truppe über einen Fluss in den Dschungel.

Anderson und der Rest der Truppe erreichen mit ihren Gefangenen das Hauptquartier. Makino begeht Selbstmord durch Harakiri mit einem Messer, das er Johnson gestohlen hat. Der Kartenexperte Lieutenant Butterfield studiert die erbeutete Karte. Anderson und Johnson finden derweil heraus, dass der Japaner Nomura in Wahrheit ein hoher Offizier ist, Major Matsuoda. Johnson folgert aus den Verhören und der Karte, wo die Raketenstellungen der Japaner sind. Die Amerikaner geben Sperrfeuer.

Anderson ist nahe dran, aufzugeben, doch Dickerman liest Jones’ Nachricht laut vor. Darin wird Anderson aufgefordert, stark zu sein, um den Schwachen in der Truppe Mut zu machen. Anderson wirft seine Schmerzmittel weg und führt seine Männer in die Schlacht …

Plakatmotiv: Okinawa (1951)

Was zu sagen wäre

Vor sechs Jahren ging der zweite Weltkrieg zuende. Erst vor sechs Jahren. Die traumata, die dieser Krieg hervorgerufen hat, werden noch lange nachklingen. Und in Korea sind die Vereinigten Staaten schon wieder in einem neuen Krieg engagiert. Es geht wieder gegen Menschen im fernen Asien. Und dafür müssen die Menschen in der Heimat, die wieder Väter, Geliebte und Söhne in die Schlacht schicken, begeistert werden.

Plakatmotiv: Okinawa (1951)Der Film legt mit der offiziellen, fröhlich voranschreitenden Hymne des US Marine Corps, die von der Tonspur jubiliert, während die Vorspanntitel über einem Abzeichen des USMC laufen – „E Pluribus Unum“. Wer wollte da nicht gleich aus dem Kinosessel springen und zum nächsten Navy-Büro laufen und sich freiwillig melden? Lewis Milestone vermeidet in seiner Nacherzählung der Eroberung Okinawas die ganz großen martialischen Töne, aber die Begeisterung für Heldenmut im Kanonendonner kann er nicht verhehlen. Das mag mit Major George A. Gilliland vom US Marine Corps zusammenhängen, der technischer und militärischer Berater des Films war.

Der Film schickt eine Gruppe Soldaten in die Schlacht gegen Japaner, die kaum zu sehen sind und wenn, dann als verschlagene oder intrigante oder blöde asiatische Typen. Die Soldaten aus den eigenen Reihen bekommen per Rückblende eine eigene Geschichte zuerkannt, die sie uns näher bringen sollen. Das gelingt nur mäßig, meist führen die Rückblenden eher zu Verwirrung – Wer war jetzt das nochmal?

Der Grund der Schlcht bleibt dem Zuschauer verborgen. Die einen werden sich an jene Tage erinnern und den Grund noch kennen, die anderen brauchen bloß zu wissen, dass es wichtig war, so viele Menschen in den Tod zu schicken. In der Folge stecken die Soldaten des USMC meist fest, müssen sich Höhlen verstecken, durch Raketenbeschuss einstürzende Höhlenwände überstehen und hoffen, dass sie irgendwie herausfinden, von wo aus die unsichtbaren Japaner ihre Raketen abfeuern. Kampfhandlungen, im Zweifelsfall als eine Kette von Heldentaten zu inszenieren, gibt es in diesem Kriegsfilm nicht – das ist schon bemerkenswert, immerhin.

Die wahren Schrecken dieser Schlacht aber, bei der an die 20.000 Japaner und etwa 7.000 US-Soldaten starben, bleiben unsichtbar. Wenn unter Lewis Milestones Regie ein Soldat stirbt, trauern die Kollegen kurz und machen dann weiter – er hätte es so gewollt. Dass aber die US-Militärs mit 100.000 Soldaten in diese Schlacht um das als Militärstützpunkt geeignete Okinawa zog, denen sich nur 20.000 Japaner entgegen stellten, denen noch dazu jede Luftunterstützung versagt blieb, weil die Japaner ihre Bomber an einem anderen Kriegsschauplatz brauchten, davon schweigt der Film.

Das ist aber vielleicht auch noch zu früh für all jene, deren Wunden aus Iwo Jima gerade erst beginnen zu vernarben sowie für jene, die mit der Hymne des USMC in die Schlachten nach Korea ziehen.

Wertung: 3 von 6 D-Mark
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