Kinoplakat: Moneyball - Die Kunst zu gewinnen
Die Erfindung von "Der
Star ist die Mannschaft"
Titel Die Kunst zu gewinnen - Moneyball
(Moneyball)
Drehbuch Steven Zaillian + Aaron Sorkin + Stan Chervin
nach dem Buch Moneyball: The Art of Winning an Unfair Game von Michael Lewis
Regie Bennett Miller, USA 2011
Darsteller Brad Pitt, Jonah Hill, Philip Seymour Hoffman, Robin Wright, Chris Pratt, Stephen Bishop, Brent Jennings, Ken Medlock, Tammy Blanchard, Jack McGee, Vyto Ruginis, Nick Searcy, Glenn Morshower u.a.
Genre Drama, Biographie
Filmlänge 133 Minuten
Deutschlandstart
2. Februar 2012
Inhalt

Die Oakland Athletics haben gerade die Baseball-Meisterschaft vergeigt, ihre besten Spieler werden weggekauft. Mit Geld kann dieser Verein nicht punkten. Manager Billy Beane muss andere Wege finden. Bei einem seiner erfolgreichen Einkaufsreisen durch andere Vereine trifft er auf Peter Brand, der in Harvard Wirtschaftswissenschaften studiert hat und gut mit Statistiken auf seinem Computer umgehen kann – von der „Seele des Spiels” versteht er wenig. Aber er macht Beane klar, dass nicht Multi-Millionen-Dollar-Stars Meisterschaften entscheiden, sondern eine klug zusammengebaute Mannschaft.

Da können ruhig Leute spielen, die dicklich sind, oder die seltsame Wurfarten pflegen. Hauptsache, sie schaffen bis zum Ende der Saison jene Anzahl an Bases, die ihre Statistik vorsagt. Beane und Brand machen sich rasch zum Gespött der Branche, ihr Verein verkommt zum Punktelieferant für die Konkurrenz.

Das liegt allerdings gar nicht am neuen System, sondern daran, dass der Trainer sich weigert, die Vorgaben des Managers umzusetzen – „Am Spielfeldrand beginnt meine Aufgabe!” Kurzerhand verkauft Beane alle Lieblinge des Trainers, sodass dem nichts anderes mehr übrig bleibt, als den Vorgaben zu folgen. Prompt stellen sich erste Erfolge ein …

Was zu sagen wäre

„Wir sind die Organbank der Liga”, schimpft Billy Beane zu Anfang, „wir werden ausgeschlachtet!” Da schwafeln die alten Herren, die sich stolz Scouts „mit jahrzehntelanger Branchenerfahrung” nennen, noch in gepflegter Altherren-Kneipenahnung darüber, dass der Spieler X aber eine nur mittelhübsche Freundin habe „Das zeugt von wenig Selbstvertrauen”. Mit solchen Kategorisierungen, das merkt Beane, kommt man im Baseball als Verein ohne Geld nicht weiter.

„Nach einer wahren Geschichte”, heißt es. Und man mag es fast nicht glauben: Die Geschichte ist erst zehn Jahre alt. Der Film spielt in der Saison 2002.

Für den mitteleuropäischen Duchschnittsgucker erfreulich: Der Film braucht nicht viele Spielszenen. Und die, die es gibt – meist über den Screen eines kleinen Fernsehgerätes zu sehen – erklären sich von alleine. Für den mitteleuropäischen Duchschnittsgucker weniger erfreulich: Die Fachbegriffe, die den einen Spieler qualifizieren und den anderen nicht, sind hier nicht immer nachvollziehbar: Was heißt „Er ist gut an der First Base”? Das wird das erste Kissen sein im Wurffeld. Aber was ist da der entscheidende Spielfaktor? Da kann man sich als Ahnungsloser einfach nur mittreiben lassen in dem Gefühl „Es wird schon nicht Filmentscheidend sein!” Die Base ist quasi der „rote Bereich” im Actionfilm, wenn erklärt wird, wann die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten ist: „Wenn der Zeiger ins rote Feld geht, ist es zu spät!”

Der Film hat eine außergewöhnliche Struktur. Er ist linear erzählt – aber eine, zunächst rätselhafte Nebenhandlung stellt sich später als Flashback heraus. Der Film scheint nicht interessiert an Spannungsbögen im Spannungsbogen. Da ist er gebaut, wie ein Baseballmatch – wo es ja auch nicht auf ein 90-Minuten-Zeitlimit ankommt, in das alle Action gepackt sein muss. Der Film variiert in Tempo, in Pausen, mit Rückschlägen und lauter Talking Heads, die „das Spiel lieben” und die es dabei schaffen, dass wir sie dafür lieben.

Brad Pitt („Inglourious Basterds” – USA 2009; Der seltsame Fall des Benjamin Button – USA 2008; „Burn After Reading” – USA 2008; Mr. & Mrs. Smith – USA 2005; Troja – USA 2004; Ocean's Eleven – USA 2001) ist der eine, der sich alles traut aus Leidenschaft, der sich aber den letzten Schritt nicht zu gehen wagt, der ein Angebot der Boston Red Sox über 12.500.000 Dollar Jahresgehalt ausschlägt, weil er erfahren hat, was es heißt, wegen eines vermeintlich guten Angebotes auf das Fundament eines Lebens zu verzichten. Lieber bleibt er in seinem – handfesten – Klitschenverein der Manager auf Distanz zum Menschen im Spieler und lässt sich für seine Ideen prügeln. Ein Privatleben abseits der geschiedenen Ehe scheint ihm nicht gegeben – die zweite Ehe des echten Billy Beane (die es im echten Leben gibt) fiel dem Final Cut zum Opfer – nur ein Ehering an Beanes/Pitts Hand zeugt noch von der neuen Frau.

Und am Ende ist es keiner dieser plumpen Gewinnerfilme. Sondern einer über Leidenschaft mit einem sehr überzeugenden Brad Pitt, einem klasse Philip Seymore Hoffman („The Ides of March - Tage des Verrats” – USA 2011; Mission: Impossible III – USA 2006) als glatzköpfigem Trainer und einem sympathischen Jonah Hill (Männertrip – USA 2010), der sich, ebenso wie Pitt für seine Hauptrolle über eine Oscar-Nominierung 2012 als bester Nebendarsteller freuen darf.

Wertung: 7 von 7 €uro