Kinoplakat: Knight and Day
Ein Actionfilm der 80er-Jahre-Schule
Flotte Action, Coole Sprüche, kein Inhalt
Titel Knight and Day
(Knight and Day)
Drehbuch Patrick O'Neill
Regie James Mangold, USA 2010
Darsteller Tom Cruise, Cameron Diaz, Peter Sarsgaard, Jordi Mollà, Viola Davis,Paul Dano, Falk Hentschel, Marc Bluca, Lennie Loftin, Maggie Grace, Rich Craig, Dale Dye, Celia Weston, Gal Gadot, Jack O'Connell u.a.
Genre Action
Filmlänge 109 Minuten
Deutschlandstart
22. Juli 2010
Inhalt

June Havens – blond und hübsch, Typ chaotisch-liebenswerte Nervensäge. Sie reist zur Hochzeit ihrer Schwester. Am Flughafen stolpert sie in Roy Miller – arrogant mit Charme, Zahnpastalächeln, geheimnisvoll. Man tauscht Freundlichkeiten aus; nur um ein paar Minuten später wieder ineinanderzustolpern.

Endlich im Flugzeug macht sich June gerade auf der Bordtoilette frisch, als Roy schon alle Passagiere an Bord – es sind interessanterweise nur acht oder neun – getötet hat, nachdem die sich als auf ihn angesetzte Killer entpuppt haben. Auch die Flugbegleiter und die Piloten wollten Roy töten. Jetzt leben die auch nicht mehr und June, die sich mittlerweile genug frisch gemacht hat, fragt sich großäugig kreischend, was das denn jetzt sei und wer denn jetzt das Flugzeug landen solle. Roy natürlich.

Roy behauptet später, er sei ein Geheimagent der Regierung, der einen Chip sichern soll. Es geht im Großen und Ganzen um internationale, natürlich illegale, Waffengeschäfte. Seine Jäger behaupten später, Roy sei ein abtrünniger Agent der Regierung, ein Verräter, und man selber, die Jäger also, seien die guten Agenten, während Roy sein Land gerade Richtung Abgrund treibe.

Während diese Diskussionen hin und her wogen, befinden sich June und Roy auf der Flucht – im Flugzeug, im Diner, im Auto, auf dem Motorrad. Die Kugeln fliegen enger und June lernt sich schnell ein in die Disziplinen „Kleinkaliber” und „Maschinenpistole”. Stellt sich nur noch die Frage, wer nun eigentlich wer ist und warum das alles. Aber das erklärt sich dann …

Was zu sagen wäre

„Knight & Day” ist der erste von vier Filmen, die den Action-Kinosommer 2010 füllen; dieser Sommer war ein Sommer der Rückbesinnung auf das Kino der 1980er Jahre. Vier High-Potentials buhlten um den Kinozuschauer, die ordentlich Augenfutter – schöne Menschen, gewaltige Explosionen, kräftige Autos – versprachen, ohne das durch Unnötiges wie eine Handlung stören zu wollen. Was Lethal Weapon Ende der 80er war, ist heute A-Team. Stirb Langsam heißt heute „Knight and Day” und was Angelina Jolie im Sommer 2010 in Salt ist, war damals Arnold Schwarzenegger in „Raw Deal” (Der City Hai – USA 1986).

Kinoplakat (US): Knight and DayUnter all den Epigonen ein echter 1980er-Kracher

Freundlicherweise hat Sylvester Stallone für diesen Sommer seine Action-Konkurrenten von einst zusammengetrommelt, um mit „The Expendables” gleich einen Film aus den 1980ern zu drehen – einen schlichten, geraden Action-Film, wie man das früher gemacht hat. Früher, in den 80ern, als die Muskeln eines Mannes noch was zählten in der Actionwelt. Nichts beschwert diese Filme, keine Generationen-von-Jungs-haben-mit-ihnen-gespielt-Erwartung wie bei Transformers, keine Marvel-Superhelden-Historie, kein mitteleuropäischer Esoterik-Ballast, wie ihn Roland Emmerich vor sich herschiebt. Nichts, nada, just Fun!

Die Handlung in „Knight and Day” ist zu vernachlässigen. James Mangold hat sich einen MacGuffin ausgedacht, der klein genug ist, um überall gut versteckt werden zu können und dabei sehr leicht zu verlieren ist. Um dieses Döschen-mit-Chip lässt er seine SFX-Crew und seine Stuntleute ein schön anzusehendes Feuerwerk abfeuern. Da geht es nicht mehr um die Größe einer Spektakelszene – wer den Trailer des Films gesehen hatte, konnte etwa die Hälfte des Films ohne weitere Hilfe erzählen, hatte die wichtigsten Schauwerte gesehen und konnte den Rest ziemlich zielsicher erraten – es geht um die möglichst smarte Aneinanderreihung solcher Spektakelszenen.

Regisseur als Dirigent

Der Regisseur fungiert in all dem Crash-Boum-Bang nur noch als Taktgeber. Er selbst kann sich auf seine Stars konzentrieren. Das ist ganz gut, denn James Mangold ist in erster Linie kein Action-Mann. Er guckt sich aber gerne Paare mit Gegensätzen in abenteuerlicher Umgebung an. In Cop Land (1997) waren das Robert DeNiro und Sylvester Stallone, in „Durchgeknallt” zwei Jahre später Winona Ryder und Angelina Jolie, in „Walk the Line” 2005 River Phoenix als Johnny Cash und Reese Witherspoon als June Carter und in dem Western „Todeszug nach Yuma” schließlich waren's 2007 Russel Crowe und Christian Bale. Seine Schauspieler danken ihm diese hohe Aufmerksamkeit mit guter Laune und Klasseleistung.

Tom Cruise („Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat” – USA, Deutschland 2008; Tropic Thunder – USA 2008; Mission: Impossible III – USA 2006; „Krieg der Welten” – USA 2005; Last Samurai – USA 2003; Minority Report – USA 2002; Vanilla Sky – USA 2001) ist hingebungsvoll charmant, sein Lächeln könte kein Computer besser designen. Cameron Diaz („The Box” – USA 2009; Vanilla Sky – USA 2001; „3 Engel für Charlie” – USA 2000; „An jedem verdammten Sonntag” – USA 1999; Very Bad Things – USA 1998; Verrückt nach Mary – USA 1998) ist süß. Das ist ihre Aufgabe in diesem Film und das Fach beherrscht sie perfekt. Im vorliegenden Fall fügt sie ihrem Zucki-Schnuti-Image die Beherrschung diverser Schusswaffen sowie das behende Wechseln der Sitzposition auf einem durch enge Gassen rasenden Motorrad hinzu.

Wie ging der Film noch aus? Egal. Vergessen. Aber die Stiere-jagen-Motorrad-Szene war schick und es gab so ein zwei Verfolgungsjagden, die an die Qualität von John Frankenheimers Ronin heranreichen.

Wertung: 4 von 7 €uro