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Kinoplakat: Killing Season

Zwei Männer, eine Vergangenheit
eine eine missratene Rache

Titel Killing Season
(Killing Season)
Drehbuch Evan Daugherty
Regie Mark Steven Johnson, USA, Belgien, Bulgarien 2013
Darsteller

Robert De Niro, John Travolta, Milo Ventimiglia, Elizabeth Olin, Diana Lyubenova, Kalin Sarmenov, Stefan Shterev u.a.

Genre Drama, Action
Filmlänge 91 Minuten
Deutschlandstart
29. November 2013 (DVD-/Blu-ray-Release)
Inhalt

Benjamin Ford ist ein ehemaliger amerikanischer Soldat. Er hat in Bosnien, im Rahmen eines NATO-Einsatzes, gekämpft. Dort hatte seine Einheit Mitglieder einer serbischen Sondereinheit festgenommen, die Kriegsverbrechen begangen hatten. Als die Serben nicht bestraft, sondern nach wenigen Tagen wieder freigelassen wurden, haben Ford und seine Kameraden die Serben hingerichtet.

18 Jahre später lebt Ford in einer abgelegenen Hütte der Rocky Mountains; er hat sich zurückgezogen, um die schmerzhaften Erinnerungen an den Kriegseinsatz in Bosnien zu vergessen.

Alles ist harmonisch bis eines Tages Emil Kovac auftaucht. Der ehemalige serbische Soldat hat Ford ausfindig gemacht, um eine alte Rechnung zu begleichen. Der ehemalige Elitesoldat war einer der damals Hingerichteten, überlebte aber den Schuss ins Genick. Lange hat es gedauert, bis er wieder Gehen und Sprechen gelernt hat, doch nun ist er bereit, seinem Peiniger von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten. Es beginnt eine mörderische Jagd, in deren Verlauf die Rolle von Jäger und Gejagtem mehrfach wechselt …

Was zu sagen wäre

Warum beginnen Kriege? Besser: Warum hören sie nie wieder auf? Das ist eine interessante Frage, der die Besten im Regiefach schon nachgegangen sind. Oliver Stone in seinen Vietnam-Filmen, Michael Cimino in „The Deer Hunter“ (1978), Francis Ford Coppola in „Apocalypse now“ (1979). Das sind Klassiker des filmischen Erzählens, in denen der Mensch zur Bestie wird, traumatisiert aus Straflagern kommen, in der Einsamkeit der Schützengräben verzweifeln. Der Zuschauer bekommt einen ungefähren Eindruck, was das ist – Krieg! Und kann sich ein Bild machen.

Statt Kriegs-Drama ein Kriegs-Comic

Von den Verherungen, die ein Krieg schlägt, erzählen auch Mark Steven Johnson und sein Autor Evan Daugherty im vorliegenden „Killing Season“ und es ist ernüchternd, dass da von einem anderen Krieg, einem jüngeren die Rede ist, der viele Jahre nach dem Krieg in Vietnam stattfand und der aber offensichtlich genauso brutal, genauso grausam, von gleichen Rachegefühlen beseelt geführt wurde, wie jene, über die schon Stone, Coppola und Cimino und vor diesen viele andere erzählten – der Mensch hat offensichtlich nichts dazu gelernt. Diesen Menschen verkörpern im vorliegenden Film „Deer Hunter“-Veteran Robert De Niro (Silver Linings – 2012; Happy New Year – 2011; Ohne Limit – 2011; Heat – 1995; Der Pate II – 1974) und John Travolta (Savages – 2012; Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3 – 2009; Lovesong für Bobby Long – 2004; The Punisher – 2004; Passwort: Swordfish – 2001).

Aber „Killing Season“ bleibt weit weg von der Qualität der oben genannten Filme. Für Mark Steven Johnson (Ghost Rider– 2007; Daredevil – 2003) ist das Topos eines, das es ihm ermöglicht, Brutalität zu zeigen. Es geht mit einem heftigen Auto-stürzt-den-Abhang-runter-Unfall los, den der verunfallte Robert De Niro ohne weitere Kratzer übersteht. Später durchbohrt er Travoltas Wange und Oberkiefer mit einem Pfeil und gießt anschließend eine Lauge aus Zitronensaft und Salz in die Wunde. Aber anstatt, dass der so Maltraitierte von Schmerz paralysiert ist, steht der wenige Minuten später wieder stramm senkrecht und hat nun Robert De Niro in einer nicht minder schmerzhaften Folterzwinge.

Elitesoldaten als Teenager im Slasher

Zudem sollen Emil und Benjamin sollen angeblich Profis sein – trotzdem lassen sie sich, hat einmal einer die Oberhand gewonnen, wieder vom anderen übertölpeln: So dämlich verhalten sich keine Elitesoldaten, allenfalls Teenager in einem Slasherfilm. Zwischendrin ist immer mal Zeit für lange Dialoge über Gott, die Welt und das Wesen des Krieges und immer, wenn man denkt, jetzt müssten sie es doch beide begriffen haben, ist einer von beiden mit den Schatten seiner Vergangenheit doch noch nicht fertig.

Bis beide es dann irgendwann doch sind, ihren Privatkrieg beenden, Frieden schließen und von dannen ziehen. De Niro kehrt in die Zivilisation – hier: zu seinem Sohn und dessen Familie – zurück. Das ist ein dickes Brett, dass da alle Beteiligten bohren. Unterstellen wir ihnen – immerhin sind De Niro und Travolta ja nicht irgendwelche C-Schauspieler – dass sie die hehre Absicht hatten, das Drama des Krieges auf zwei Männer herunterzubrechen, an diesen beiden exemplarisch die Dilemmata aufzuzeigen. Das hat nicht geklappt.

Leere Figuren

Da ist nichts, was mich anzieht. Robert De Niro, der ein wenig lustlos durch den Wald stapft und sich mimisch nicht großartig anstrengt, ist ebenso wenig sympathisch wie John Travolta, der seine Rolle überdreht. Beiden Figuren fehlt eine Backstory, die sie zu plastischen Figuren macht – hätte „The Deer Hunter“ nicht ausführlich das private Umfeld der Figuren gezeigt, und wie dies auf die Kriegsheimkehrer reagiert, der Film wäre einer dieser längst vergessenen Folterfilme geworden.

In „Killing Season“ hat De Niro kaum mehr Kontakt zu seinem Sohn und Travolta regeneriert von seiner Verletzung. Mehr Leben-nach-dem-Krieg erfahren wir nicht. Das ist zu wenig.

Vielleicht hätte man doch auf Nicolas Cage warten sollen

Die De-Niro-Rolle war ursprünglich für Nicolas Cage vorgesehen; da hätte man wenigstens ein herrliches Feuerwerk an durchgeknalltem Overacting gesehen – hier Travolta mit lähmungsbedingtem Sprachfehler, einem interessanten Akzent, der mit etwas Phantasie als irgendwie ost-europäisch durchgeht und dem auffälligen Bart ordentlich, da Nicolas Cage als Einsiedler mit vor Wahnwitz rollenden augen – damit haben uns die beiden in Face/Off schon mächtig unterhalten. Statt dessen De Niro und der nimmt seine Rolle angemessen ernst. Mit Ausnahme des schauspielerisch amoklaufenden John Travolta nehmen die Macher ihren Film viel zu ernst, als dass das Publikum einfach nur Spaß haben könnte. Das ist schwierig, wenn man diesen Film an einem Videoaband mit Kumpels gucken will – und anders kann man ihn nicht gucken, weil ernst nehmen geht nicht; und damit ist De Niro die Leerstelle im Film, wo Cage/Travolta ein Spaß geworden wäre.

„Killing Season“ kam in Deutschland nur auf Blu-ray/DVD auf den Markt. Er ist einer dieser bald vergessenen Kriegsfolterfilme.

Wertung: 3 von 8 €uro
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