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Plakatmotiv: Peter's Friends (1992)
Albern Laut. Tragisch. Lustig.
Der Film ist wie das reale Leben.
Titel Peter's Friends – Freunde sind die besten Feinde
(Peter's Friends)
Drehbuch Rita Rudner + Martin Bergman
Regie Kenneth Branagh, UK 1992
Darsteller Hugh Laurie, Kenneth Branagh, Stephen Fry, Alphonsia Emmanuel, Emma Thompson, Imelda Staunton, Richard Briers, Phyllida Law, Alex Scott, Edward Jewesbury, Hetta Charnley, Rita Rudner, Bill Parfitt, Ruby May Musto, Ann Davies u.a.
Genre Komödie, Drama
Filmlänge 101 Minuten
Deutschlandstart
29. April 1993
Inhalt

Am Neujahrswochenende versammeln sich Peters Freunde in seinem kürzlich geerbten Landsitz. Vor zehn Jahren traten sie alle zusammen in einer Comedy-Truppe der Universität Cambridge auf, danach gingen ihre Wege auseinander.

Andrew wurde Drehbuchautor in Hollywood und heiratete die Sitcom-Darstellerin Carol, die er zum Treffen der Freunde mitbringt. Roger und Mary haben geheiratet und arbeiten erfolgreich als Jingle-Schreiber. Die attraktive Kostümdesignerin Sarah bringt ihren neuen Freund Brian mit. Die exzentrische Maggie, die im Verlagsgeschäft arbeitet, kommt allein. Die beiden „Außenseiter“ des Treffens, Carol und der etwas flegelhafte Brian, bilden einen starken Kontrast zu den Cambridge-Absolventen.

Nach dem Tod seines Vaters weiß Peter nicht, was er mit dem geerbten Haus machen soll. Er trägt bis zuletzt seinen HIV-positiven Befund mit sich herum, bis er schließlich kurz nach Mitternacht am Neujahrstag seinen Freunden die Wahrheit erzählt. Die Haushälterin Vera steht sowohl Peter als auch seinen Freunden zurückhaltend bis ablehnend gegenüber, reagiert aber auf die Nachricht von Peters HIV-Infektion mit freundschaftlicher Geste und moralischer Unterstützung.

Plakatmotiv (UK): Peter's Friends (1992)Die einsame Maggie will Peter davon überzeugen, dass er sie heiraten sollte. Carol tröstet sie und versucht ihre äußere Erscheinung aufzubessern. Die neue Maggie verführt den siebzehnjährigen Paul, Veras Sohn.

Andrew und Carol sind anonyme Alkoholiker, ihre dreijährige Ehe steckt in einer Krise. Carol reist alleine zu einem kurzfristigen Filmangebot ab, was Andrew dazu veranlasst, wieder zum Alkohol zu greifen. Sarahs Freund Brian hat seine Frau verlassen, revidiert seine Entscheidung jedoch – auch aufgrund von Sarahs ablehnender Reaktion – und wird von seiner Frau abgeholt. Roger und Mary verarbeiten eine persönliche Tragödie, den Tod eines ihrer Zwillinge, die aufgrund von Marys irrationaler Angst um den überlebenden Zwilling beginnt ihre Ehe zu gefährden. Sie finden jedoch wieder zueinander.

Was zu sagen wäre

Das schönste, das einem Film passieren kann, ist, wenn der Zuschauer vergisst, dass er einer Inszenierung folgt; dass das, was er sieht, jemand vorher aufgeschrieben hat und was die Personen vor ihm dann auswendig gelernt haben. Kenneth Branagh ist das gelungen. Nachdem er im vergangenen Jahr mit Schatten der Vergangenheit einen Film Noir gedreht hat, lässt der versierte Shakespeare-Mime und -Dramaturg hier jetzt seiner Lust an der Macht der Wörter freien Lauf.

Sein als Komödie getarntes Drama um das Älterwerden, um geplatzte Träume und das Leben mit der Lebenslüge schwebt manchmal über so Dingen wie Regie oder Drehbuch. Zwischendrin beißt sich die Kamera in einer Einstellung fest und verliert scheinbar das Zentrum aus dem Fokus, während die Figuren wie echte Freunde miteinander umgehen – nicht wie Schauspieler, die eine Rolle spielen.

Die meisten Schauspieler waren auch tatsächlich einst Kommilitonen, damals, als sie die Universität Cambridge besuchten. Hugh Laurie, Stephen Fry, Emma Thompson und Tony Slattery waren Mitglieder der Cambridge Footlights, einer studentischen Comedy-Truppe, ähnlich der, die zu Beginn des Films zu sehen ist. Martin Bergman, Drehbuchautor und Ehemann der Darstellerin und Drehbuchautorin Rita Rudner, war ebenfalls Mitglied der Footlights. Rita Rudners lieferte, gemeinsam mit Martin Bergman, mit „Peter’s Friends“ ihr erstes Drehbuch. Kenneth Branagh ist mit Emma Thompson verheiratet, die damals an der Universität eine Beziehung zu Hugh Laurie hatte. Phyllida Law, die die Hausdame Vera spielt, ist die Mutter von Emma Thompson.

So schwebt tatsächlich ein sehr familiärer Geist über dieser Produktion, die in ihrer Machart an Ensemblefilme wie „Der große Frust“ (1983) oder Grand Canyon (1991) erinnert: Eine definierte Gruppe von Menschen trifft sich nach vielen Jahren wieder, freuen sich und schleudern sich dann gegenseitig ihre Enttäuschungen vor die Füße. Das ist manchmal vorhersehbar, manchmal auch schon etwas abgenutzt. Aber die Spielfreude des Ensembles, die in ihrer Defokussion wunderbare Kamera und das altehrwürdige Setting geben dem Film einen Charme, der über alle Hürden hinweg hilft – wie im richtigen Leben, in dem auch mancher Mist von Charme überdeckt wird.

Wertung: 8 von 10 D-Mark
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