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Kinoplakat: Kein Ort ohne Dich
Zum Heulen schön
Titel Kein Ort ohne Dich
(The Longest Ride)
Drehbuch Craig Bolotin
nach dem gleichnamigen Roman von Nicholas Sparks
Regie George Tillman Jr., USA 2015
Darsteller
Britt Robertson, Scott Eastwood, Alan Alda, Jack Huston, Oona Chaplin, Melissa Benoist, Lolita Davidovich, Elea Oberon, Kate Forbes, Tiago Riani, Danny Vinson, Hayley Lovitt, Tracey Bonner, Jaret Sears, Hunter Burke u.a.
Genre Romanze
Filmlänge 128 Minuten
Deutschlandstart
30. April 2015
Website foxmovies.com/movies/the-longest-ride
Inhalt
Luke, Rodeo-Champion, plant sein Comeback, als er die College Studentin Sophia kennen lernt. Ihre Liebe steht unter keinem guten Stern, denn die Kunsthistorikerin hat ein Angebot, für ihren Traumjob nach New York zu gehen. Abends auf der Rückfahrt von ihrem gemeinsamen Date sehen beide einen Autounfall am Straßenrand. Aus dem Fahrzeug rettet Luke den eingeklemmten Ira. Sophia läuft noch einmal zurück und holt eine Kiste, die Ira unbedingt bei sich haben möchte.

Ira Levinson, 90 Jahre alt, hat vor einigen Jahren seine Frau verloren. Im Krankenhaus, nach dem Unfall, lernt er Sophia kennen, die ihm die Kiste bringt, die ihm so wichtig war, dass er, schwer verletzt im Auto, stets wiederholte „The Box! Bring the Box“. Ihr erzählt Ira sein Leben mit der Kunsthistorikerin Ruth. Sie war Iras große Liebe, die sogar eine schwere Verletzung überstand, die sich Ira als Soldat im Zweiten Weltkrieg zuzog; seither kann er keine Kinder mehr zeugen – und Ruth wollte immer unbedingt ganz viele Kinder. Sophia verbringt viel Zeit mit Ira und liest ihm die Briefe vor, in denen Ira seine Beziehung zu Ruth beschreibt. Die romantischen Briefe, die Ira ein Leben lang seiner Frau schrieb, verändern Sophia und Luke.

Das junge Liebespaar steht vor großen Herausforderungen. Luke möchte nach dem Rodeo-Unfall wieder zurück an die Spitze und kämpft sich von Wettkampf zu Wettkampf. Die ehrgeizige Sophia nutzt ihr Praktikum, um ihre Karriere voranzutreiben. Während die Liebe zwischen beiden aufblüht, stellen sie fest, dass sie im Leben unterschiedliche Ziele haben. Das führt dazu, dass Luke ohne Sophias Unterstützung im Finale steht. Sophia wendet sich während dessen auch zielstrebig ihrer Karriere zu.

Beide treffen sich bei der Versteigerung von Iras Erbe wieder. Ergriffen von der großen Liebesgeschichte von Ira und Ruth, ersteigert Luke das Portrait von Ruth …

Was zu sagen wäre

Eine grandiose Schnulze. Perfekt choreografiert, um der Taschentuchindustrie erhöhte Umsätze zu spendieren. Ein Film, der uns glauben machen will, dass die Welt sich schon in unsere, Ihre, meine Richtung entwickeln wird, wenn wir, Sie, ich nur fest genug an unsere, Ihre, meine Liebe glauben. Das geht natürlich im aufegklärten, realistischen 21. Jahrhundert gar nicht. Schließlich wissen wir alle, wie scheiße das Leben manchmal ist und wie oft wir schon gescheitert sind, als wir unseren Träumen gefolgt sind. „Na ja“, trösten wir oder andere uns und, „war halt der falsche Traum!“ … und weiter im Text.

Ein Spezialist fürs Tränen ziehen

„The Longest Ride“, der Film nach dem Roman von Tränenzieher-Spezialist Nicholas Sparks (Safe Haven – 2013; The Lucky One – 2012; Das Leuchten der Stille – 2010; Das Lächeln der Sterne – 2008; Message in a Bottle – 1999), ist beste Industrieware: What You see is what You get. Oder: Schöne Menschen tun schöne Dinge in schöner Umgebung – hier ist es die Landschaft North Carolinas für die Romantikerinnen und das Bullriding für die Kerle – und Scott Eastwood, bekannt als Sohn von Clint. Britt Robertson (Cake – 2014; Der Lieferheld – 2013; Scream 4 – 2011), die Sophie an seiner Seite, die in der TV-Serie „The Dome“ (nach dem Stephen-King-Roman Die Arena) auf sich aufmerksam machte, zeigt in diesem Film, dass sie eben dort hingehört, ins TV. Mit ihrem hübschen Charme erweicht sie jede Couchpotatoe zum eingebildeten Leben; auf der Leinwand, wo sie auf Menschen trifft, die die Couch verlassen haben, um gegen Eintrittsgeld die GROSSE ROMANTIK zu erleben, ist sie zu klein – hübsch anzuschauen, aber ohne Boost, der die Grenze der leinwand überschretet.

Damit ist sie nicht alleine, auch Scott Eastwood (Herz aus Stahl – 2014; „Die perfekte Welle“ – 2014; Back in the Game – 2012; „Farben der Liebe“ – 2012; Gran Torino – 2008) ist zunächst einmal vor allem finger lickin‘ good looking; und dann auch sehr charming. Aber es ist auch nicht beider Aufgabe, herausragend zu spielen. Dafür haben die Filmemacher ja Alan Alda und Oona Chaplin. Eastwood und Robertson sollen sich der Optik des Films anpassen und also gut aussehen.

Eine Klasse für sich

In der Reihe großer Kinoromanzen beackert Nicholas Sparks ein eigenes Genre; man kann es der Einfachheit halber das Nicholas-Sparks-Genre nennen. Nicht nur sehen sich die Plakate zu den Buchverfilmungen zum Verwechseln ähnlich, auch nährt sich Sparks aus den immer gleichen dramaturgischen Kniffen – große Liebe, zwei Welten, Trennung, Drama, Tränen … und dann wahlweise Tod oder Küsse im Regen und all das romantisch schön fotografiert. Deswegen gucken wir solche Filme. Oder eben nicht. Das Sparks-Genre liegt qualitativ unter den britischen Klassikern wie Tatsächlich… Liebe oder Notting Hill, aber weit über den Romanzen, die Hollywood eine Weile am Fließband produziert hat – mit Sandra Bullock, Drew Barrymore, Jennifer Aniston  oder Rachel McAdams. Innerhalb seines Genres gehört „The Longest Ride“ zu den Topfilmen, denn er bricht mit der gewohnten Dramaturgie.

Black Rain-Autor Craig Bolotin hat Sparks' Vorlage zeitlich verschachtelt, sodass wir zwei Liebesegschichten zum Preis von einer bekommen, ähnlich wie Sparks das schon in „Wie ein einziger Tag“ gemacht hat. Immer wieder kreuzen sich die beiden Liebesgeschichten inhaltlich, Regisseur George Tillman Jr. („Faster“ – 2010; „Notorious B.I.G.“ – 2009; Men of Honor – 2000; „Soul Food“ – 1997) inszeniert zentrale Handlungselemente wie erste Küsse, Trennungen, Streit damals und heute in nahezu identischen Einstellungen in sich ähnelnden Settings; das gibt dem Film eine Komplexität, die die Liebesgeschichten alleine nicht ausfüllen könnten.

Große Schauspieler, schön fotografiert

Die Hauptgeschichte, die zwischen dem Cowboy und der angehenden Kunstmanagerin, über die auch das Plakat den Film verkauft, läuft angenehm romantisch glatt (mit ein paar mittelkleinen Problemen); die Sparks-typischen Dramen spielen sich in der Vergangenheit ab, in der Liebe zwischen Ira und Ruth mit ihrem zerplatzten Kindertraum. Sie ist auch die rundere Geschichte, was viel mit dem Produktionsdesign zu tun hat, das in den Formen und Farben der 1930er bis 1950er Jahre schwelgt; und natürlich mit den großen Schauspielern.

Alan Alda spielt den alten Ira, der das Drama erzählt, und Alda („Aviator“ – 2004; Was Frauen wollen – 2000; Mad City – 1997; Alle sagen: I love you – 1996; ...und das Leben geht weiter – 1993) ist auch hier wieder großartig. Sein junges Ich spielt Jack Huston (American Hustle – 2013; „Nachtzug nach Lissabon“ – 2013; „Kill Your Darlings - Junge Wilde“ – 2013), der demnächst in der Neuverfilmung von „Ben-Hur“ den Titelpart übernimmt. Hier spielt er auffallend zurückhaltend den schüchtern Verliebten, der seiner Ruth schon verfallen ist, bevor die ganz den Raum betreten hat. Und das kann ich gut verstehen.

Ein neuer Stern für die Leinwand?

Oona Chaplin, die viel im Fernsehen gemacht hat, u.a. in der Erfolgsserie „Game of Thrones“ spielt, verleiht dieser Ruth eine strahlende, energiegeladene Schönheit, in die man(n) sich verlieben muss. Die Filmindustrie weiß schon, was sie tut und wie sie es richtig tut. Bei einem Industrieprodukt wieder dieser Romanze gehört die perfekte Besetzung zum kleinen Einmaleins. Chaplin ist es, die diesem Produkt bleibenden Wert verschafft.

Wertung: 5 von 8 €uro
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