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Kinoplakat: Katzenmenschen
Viel nackte Haut,
wenig harter Thrill
Titel Katzenmenschen
(Cat People)
Drehbuch DeWitt Bodeen + Alan Ormsby
Regie Paul Schrader, USA 1982
Darsteller
Nastassja Kinski, Malcolm McDowell, John Heard, Annette O'Toole, Ruby Dee, Ed Begley Jr., Scott Paulin, Frankie Faison, Ron Diamond, Lynn Lowry, John Larroquette, Tessa Richarde, Patricia Perkins, Berry Berenson, Fausto Barajas u.a.
Genre Horror
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
26. August 1982
Inhalt
Die junge Irena Gallier lebt nach dem Tod ihrer Eltern, zweier Zirkus-Dompteure, im Waisenhaus und anschließend bei verschiedenen Pflegefamilien. Erwachsen geworden kommt sie zu ihrem älteren Bruder Paul, der in New Orleans lebt. Pauls Haushälterin Female hilft Irena, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

Am nächsten Tag verschwindet Paul spurlos; gleichzeitig wird in einem Bordell eine Prostituierte von einem Schwarzen Panther angegriffen. Es gelingt, das Tier zu fangen und in den Zoo zu bringen, wo am nächsten Tag Irena auftaucht. Dort freundet sie sich mit dem Zoodirektor Oliver Yates an, der ihr einen Job im Souvenirshop des Zoos beschafft. Beide verlieben sich ineinander.

Der Panther tötet einen der Pfleger. Kurze Zeit später, nachdem Oliver ein Gewehr geholt hat, ist der Panther verschwunden. Paul erscheint zuhause, und offenbart seiner Schwester ein Familiengeheimnis: Die Angehörigen der Familie dürfen Sex nur mit den eigenen Geschwistern, Eltern oder Kindern haben, sonst verwandeln sie sich in einen Panther.

Die Rückumwandlung in einen Menschen kann erst dann erfolgen, wenn ein Mensch getötet wurde …

Was zu sagen wäre

Horror und Erotik spielen häufig in derselben Liga. Ob Graf Dracula einer jungen Maid in den Hals beißt, die ihn zuvor in ihr Gemach geladen haben muss, ob Baron Frankenstein seine eigene Genesis schreibt, ein bisschen Schöpfung in diesen alten Horrorgeschichten ist immer. Bei den „Katzenmenschen“ bilden Sex und Erotik die Auslöser der Fantasy. „Eine erotische Phantasie“, steht auf dem Filmplakat.

Eine schöne Maid mit unklarer Herkunft und ein junger Prinz, hier zweiter Geschäftsführer eines Zoos. Sie verlieben sich und dürfen einaander nicht haben. Sie weiß, warum, kann es ihm aber nicht erklären. Zwischen ihnen steht der Maid Bruder, der in den Jahren seiner Suche nach der Schwester seine Triebe befriedigte und folglich zahlreiche Menschen riss, gedeckt von einer alten Hausdame, die ihm die Wäsche macht – die Zwischenwesen brauchen folgsame eingeweihte, Graf Dracula hielt sich Renfield als Faktotum.

Die Besetzung ist nur an einer Position spektakulär. Tatsächlich in Nastassja Kinski. John Heard („Bis zum bitteren Ende“ – 1981; „Herzschläge“ – 1980; „Hals über Kopf“ – 1979) spielt seinen verliebten Zoologen mit gebügelter Jeans, wirkt aber in keiner Szene besonders. Es gibt Dutzende im amerikanischen Filmbusiness (Bruce Boxleitner, Richard Gere, Maxwell Caulfield, Robert Hayes), die die Rolle auch nicht anders gespielt hätten; in ihr steckt nicht viel. Malcolm McDowell (Caligula– 1979; „Reise der Verdammten“ – 1976; Uhrwerk Orange – 1971) ist offensichtlich nur wegen seiner irren Augen gecastet worden, er kann auch als Mensch aussehen wie ein wildes Tier. Auch er hat nichts überzeugendes. Nastassja Kinski indes („Einer mit Herz“ – 1981; „Tess“ – 1979; „Bleib wie Du bist“ – 1978; „Leidenschaftliche Blümchen“ – 1978), die zwar über Strecken des Films nackt durch Wälder oder Häuser streifen muss, langsam und zu den elektronischen Beats Giorgio Moroders, hat zunächst auch wenig mehr als ihre Schönheit und eine gewisse französische-Schulmädchen-Attitüde mit kleidchen und Strickjäckchen; als sie dann aber in einer etwas wirren Szene von ihren feliden Vorfahren eingenordet wird, wirkt sie plötzlich zehn Jahre erfahrener – ihr Blick härter, die Stimme tiefer. Da steckt Talent, das hier offenbar darunter leiden musste, dass Regsseur Paul Schrader (Ein Mann für gewisse Stunden – 1980; „Hardcore – Ein Vater sieht rot“ – 1979) in die 15 Jahre jüngere Kinski verliebt war; er slbst spricht von einer „obsessiven Beziehung zu Nastassja Kinski während der Dreharbeiten“. In der Tat wirken ihre Auftritte wie von einem säftelnden älteren Herrn inszeniert.

Darunter leidet die Dramaturgie des Films, die zusammenhangslos wirkt und sich vor allem in der ersten Hälfte zieht. Zoologe Oliver entdeckt, was in der Killerkatze steckt und taucht dann erst einmal nicht mehr im Film auf. Irina wandert seelenruhig zum Busbahnhof, verschwindet aus der Stadt, um dann in einem neblig-orangefarbenen Zwischenreich auszusteigen, in dem ihr vom toten Bruder und den zu Panthern mutierten Eltern ein paar letzte Wahrheiten mitgeteilt werden und dann ist sie auch schon zurück in New Orleans. Schrader gibt der Geschichte keine klare Richtung. Zwar sind seine Bilder hoch stilisiert, die Kamerabewegungen meisterhaft und wer mag, findet viel europäische Filmhistorie darin – aber bis auf wenige sehr blutge Szenen kaum Horror; der Thrill ist mäßig. Die ersten zwei Drittel des Films sind in ihren Stereotypen durchweg vorhersehbar; erst im Schlussdrittel kommt die Fahrt auf, die den Film in Erinnerung hält.

Wertung: 4 von 9 D-Mark
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