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Plakatmotiv: Gesprengte Ketten (1963)
Ein großer Abenteuerfilm
mit großer Besetzung
Titel Gesprengte Ketten
(The great Escape)
Drehbuch James Clavell + W.R. Burnett
nach dem Buch „The Great Escape“ von Paul Brickhill
Regie John Sturges, USA 1963
Darsteller Steve McQueen, James Garner, Richard Attenborough, James Donald, Charles Bronson, Donald Pleasence, James Coburn, Hannes Messemer, David McCallum, Gordon Jackson, John Leyton, Angus Lennie, Nigel Stock, Robert Graf, Jud Taylor, Hans Reiser, Harry Riebauer, William Russell, Robert Freitag u.a.
Genre Abenteuer, Drama, Action
Filmlänge 172 Minuten
Deutschlandstart
29. August 1963
Inhalt

Eine Gruppe alliierter Kriegsgefangener – vorwiegend Offiziere der Luftstreitkräfte, die wiederholt Ausbruchsversuche unternommen hatten – wird 1944 ins Stammlager (Stalag) Luft III, ein neues und als besonders ausbruchssicher geltendes Lager eingeliefert.

Kaum angekommen, versuchen sich die „Profis“ bereits wieder in neuen Fluchtversuchen, die jedoch alle misslingen. So beschließen Amerikaner und Briten zusammen und unter Führung des Briten Roger Bartlett, genannt Big X, eine groß angelegte Flucht durch selbstgegrabene Tunnel. Insgesamt werden drei Tunnel gegraben – für den Fall, dass einer entdeckt werden sollte – und taufen sie auf „Tom“, „Dick“ und „Harry“. Die Gruppe wird von mehreren Spezialisten unterstützt.

  • Flight Lieutenant Bob Hendley – „der Schnorrer“ – besorgt die gewünschten Gegenstände, egal ob Kamera, Textilien oder offizielle Papiere.
  • Officer Louis Sedgwick – „der Handwerker“ – stellt mehrere Grabwerkzeuge sowie ein Belüftungssystem für die Tunnel her.
  • Die beiden Flight Lieutenants Danny Valinski und William Dickes – „die Tunnelkönige“ – sind für das Graben der Tunnel verantwortlich.
  • Lieutenant Sandy MacDonald – „das Gehirn“ – überwacht das Lager, beschafft Informationen und fungiert als Bartletts Berater.
  • Lieutenant Commander Eric Ashley-Pitt – „der Verteiler“ – von der Royal Navy erarbeitet ein Verfahren den Erdschutt aus den Tunnelgrabungen heimlich auf dem Lagergelände zu verstreuen.
  • Flight Lieutenant Griffith fungiert als „der Schneider“ und stellt aus den ergatterten Textilien zivile und militärische Kleidungsstücke her.
  • Flight Lieutenant Dennis Cavendish – „der Vermesser“ – ist für die Karten und Vermessung verantwortlich.
  • Haynes und Nimmo sind für die Ablenkungen verantwortlich.
  • Lieutenant Colin Blythe – „der Fälscher“ – fälscht Dokumente und Ausweise. Wegen der schwierigen Arbeiten bei Kerzenlicht erblindet er fast durch eine fortschreitende Kurzsichtigkeit.
  • USAAF Captain Virgil Hilts – „der Bunkerkönig“ – verärgert die Wachen mit häufigen Fluchtversuchen und allgemeiner Respektlosigkeit.

Plakatmotiv: Gesprengte Ketten (1963)Auf Befehl Bartletts werden die Arbeiten beim Tunnel „Dick“ und „Harry“ vorübergehend geschlossen. Durch Zufall wird der dritte angelegte Tunnel bei einer Barackendurchsuchung am amerikanischen Unabhängigkeitstag von der Lagerleitung entdeckt. Die Gefangenen planen daher nach Fertigstellung gefälschter Dokumente sowie ziviler Kleidung die Flucht durch den zweiten Tunnel „Harry“. Hilts verpflichtet sich, die Umgebung des Lagers zu erkunden und stellt sich danach freiwillig den deutschen Soldaten.

Die Informationen, die er erlangt, werden für benötigten Fluchtkarten verwendet. Der Tunnel „Harry“ erweist sich bei der Flucht jedoch als zu kurz, so dass die Flüchtlinge etwa sechs Meter über eine vom Wachturm beleuchtete Wiesenfläche fliehen müssen. Als der Ausbruch schon in vollem Gange ist, werden die Wärter afmerksam und beginnen zu schießen …

Was zu sagen wäre

Ein großer Abeneteurfilm. John Sturges (Die glorreichen Sieben – 1960; „Der letzte Zug von Gun Hill“ – 1959; „Der alte Mann und das Meer“ – 1958; „Stadt in Angst“ – 1955) versammelt ein Dutzend Filmstars mit Weltstar-Status vor der Kamera und erzählt eine Ausbrechergeschichte als Kriegslist. Die gefangenen Offiziere sehen es als ihre Pflicht an, diue deutschen Wachsoldaten auf Trabn zu halten, mit ausbruchsversuchen abzulenken, damit sie nicht an irgende3iner Front gegen Landsleute eingesetzt werden können.

Der Plan hier: 275 Männer sollen fliehen. Der Ausbruch soll so groß sein, dass er dazu führt, dass noch mehr deutsche Soldaten als Gefängniswärter gebunden werden. Die vage auf historischen Begebenheiten basierende Geschichte dauert im Kino knapp drei Stunden – die allein deshalb notwendig sind, um jedem der A-Klasse-Stars gebührend Leinwandpräsenz zu verschaffen. Aber der Effekt verpufft nicht. Langweilig wird es nie.

Plakatmotiv: Gesprengte Ketten (1963)Und als wir uns daran gewöhnt haben wollen, dass das Gefängnisleben vor allem ein großer Abenteuerspielplatz ist, auf dem man die Deutschen verarscht, schlägt der Film zurück. Kurz vor der Pause des Films, in einem Sehr-gute-Laune-Moment, kippt die Stimmung, entdeckt das Wachpersonal den ersten Tunnel, gibt es die ersten Toten. Die Dramaturgie ist geschict getacktet.  Haben wir in den ersten 90 Minuten, der Abenteuerspielplatzphase, alle Männer mit ihren Schwächen und – vor allem Stärken – kennenlernen können, beginnen wir nun, nachdem die Pause im Kino vorbei ist, uns um sie zu sorgen: Wer wird es schaffen? Werden mehr Männer sterben?

Der Feind sind – nein, nicht die Deutschen. Lagerkommandant von Luger, ein Luftwaffen-Oberst, legt Wert auf humanistische Umgangsformen, darauf, die festgehaltenen Offiziere gut behandelt werden. Einer der Wachsoldaten, Werner, freundet sich sogar mit einigen Gefangenen an. Der Feind ist die SS, die allein gnadenlos dargestellt wird, was auch manche deutsche Offiziere erkennbar nicht schätzen, aber auch nichts tun können.

Filme, in denen keine Frauen vorkommen, haben es naturgemäß schwer, für Sentiment zu sorgen. James Clavell und W.R. Burnett, die Autoren des Drehbuchs, machen das Beste draus und erzählen fürsorgliche Männerfreundschaften. Als Colin, der britische Fälscher, sein Augenlicht wegen der anstrengenden Arbeit im Halbdunkel verliert, nimmt sich der Amerikaner Bob seiner an und weicht ihm während der gesamten Flucht nicht mehr von der Seite. Donald Pleasance spielt den Fälscher Colin, dessen Liebe zum Tee so groß ist, dass er die einzigen Blätter die er noch besitzt, immer und immer wieder aufgießt. James Garner spielt Captain Bob Hendley, den Amerikaner, als schlitzohrigen No-Problem-Mann, der alles besorgen kann und, wo nötig, auch mal Wachsoldaten mit seinem Charme umgarnt.

Ein anderes dieser Männerbünde sind die Flight Lieutenants Danny Valinski und William Dickes, die Tunnelgräber. Als Valinski, dem Charles Bronson (Die glorreichen Sieben – 1960) seine stoische Ruhe und seinen Prachtkörper leiht, am Tag vor der großen Flucht alleine über den Zaun fliehen will, erklärt er das damit, dass er in engen Schächten Platzangst bekomme; er könne das beim Graben ausblenden, aber mit so vielen Männern da unten gefangen zu sein, das ginge nicht. Dickes verhindert Valinskis einsame Flucht und auch er weicht ihm fortan nicht mehr von der Seite. Diese beiden Geschichten in der großen Geschichte sind die Romanzen, die das virile Abenteuer nicht erzählen kann.

Plakatmotiv: Gesprengte Ketten (1963)Dannn ist da Steve McQueen, der auf dem Plakat als Erster genannt wird, aber nie in die Mannschaft findet (Die glorreichen Sieben – 1960; „Blob – Schrecken ohne Namen“ – 1958; „Der Gangsterkönig von New York“ – 1958). Er ist der Solitair des Films, der Einzelkämpfer, der sich irgrndwann zwar in den Dienst der Sache stellt, im Grunde aber der große Junge bleibt. McQueen, der leidenschaftliche Motorsportler, kann auf einem Motorad bei der flucht ein paar imosante Stunts vorführen. Den Gruppendrill verinnerlicht haben die Briten im Camp, angeführt von Richard Attenborrough, James Donald und Gordon Jackson. Sie erarbeiten den Fluchtplan und achten darauf, dass alles planmäßig verläuft. Ihnen zuzuschauen, wie sie in der Gefängniswelt die Gegenoffensive orchestrieren, ist ein großer Spaß.

<Nachtrag 2012>Die Produktionskosten betrugen 4 Millionen US-Dollar. Der Film spielte allein in den USA rund 11,7 Millionen US-Dollar ein und wurde zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres 1963. Er gilt bis heute als einer der bedeutendsten Kriegsfilme.</Nachtrag 2012>

Wertung: 6 von 6 D-Mark
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