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Plakatmotiv: Die glorreichen Sieben (1960)
Treffsicher schießen ist gut.
Land bewirtschaften ist besser.
Titel Die glorreichen Sieben
(The Magnificent Seven)
Drehbuch William Roberts
Regie John Sturges, USA 1960
Darsteller Yul Brynner, Eli Wallach, Steve McQueen, Horst Buchholz, Charles Bronson, Robert Vaughn, Brad Dexter, James Coburn, Jorge Martínez de Hoyos, Vladimir Sokoloff, Rosenda Monteros, Rico Alaniz, Pepe Hern, Natividad Vacío, Mario Navarro u.a
Genre Western
Filmlänge 128 Minuten
Deutschlandstart
24. Februar 1961
Inhalt

Ein bettelarmes mexikanisches Dorf wird regelmäßig von Banditen bedroht und ausgeraubt. Einige der Dorfbewohner suchen eine Grenzstadt zu den USA auf, um Gewehre für die Verteidigung zu kaufen. Sie erfahren dort von Chris, einem Revolvermann, dass ihnen ohne Kampferfahrung Gewehre nichts nutzen. Er rät ihnen, sich Männer mit Gewehren für eine bestimmte Zeit zu mieten.

Da die Zeiten wirtschaftlich schlecht sind, reicht die geringe Geldmenge der Dörfler aus, Chris zu engagieren. Dieser wiederum schafft es, fünf abgebrannte, aber fähige Revolvermänner für den Kampf zu gewinnen. Ihnen schließt sich ein jugendlicher Heißsporn an. Das Unterfangen erweist sich zunächst als Fehlschlag, da die Reserven der Bauern ebenso begrenzt sind wie der Idealismus ihrer Helfer. Als dann aber einige Gringos doch noch ihr Herz für die Landbevölkerung entdecken und die Söldnermentalität über Bord werfen, geht es den Banditen an den Kragen …

Plakatmotiv: Die glorreichen Sieben (1960)

Was zu sagen wäre

Die Welt der Gunslinger geht zu Ende. In John Sturges' Western sind die Männer mit dem einstigen Ruf wie Donnerhall Typen, die in kleinen Städtchen lungern und auf Aufträge hoffen, die nicht mehr kommen. Der wilde Westen hat seine Wildheit ans Gesetz verloren. Zu holen ist noch drüben in Mexiko der ein oder andere Peso.

Woher kommst Du?“ Der Mann unter dem schwarzen Hut deutet hinter sich. „Wo willst du hin?“ Der Mann, der auch ein schwarzes Hemd und schwarze Hosen trägt, deutet vor sich. Die Männer unter John Sturges' Regie reden nicht viel. Sie haben zu viel gesehen, um noch reden zu wollen. Und sie wissen, dass es mehr zu sehen und mehr zu sagen nicht mehr gibt. Sie verkaufen sich für 20 Dollar, ein bisschen aus Mitleid, vor allem aber, weil sie irgendwo dazu gehören wollen. „Nach einer Weile“, sagt Vin, dem Steve McQueen seinen stoischen Gesichtsausdruck leiht, über ein Leben als Revolvermann, „kennst Du die Barkeeper mit Vornamen. Vielleicht 200. Zimmer, in denen du gepennt hast: 500. Mahlzeiten in Garküchen: 1.000. Haus: keins. Frau: keine. Kinder: keine. Aussichten: null!

Diese „Glorreichen Sieben“ sind am Ende ihres Weges angekommen, eine Zukunft sehen sie nicht mehr. Das heißt: Für wenigstens sechs von ihnen. Der siebte, ein junger Typ, schnell mit dem Colt, heißblütig, hat schon noch eine Zukunft. Er personifiziert das Missing Link in der mexikanischen Dorfgemeinschaft, die um Hilfe und Gerechtigkeit bettelt, aber zu feige ist, aufzustehen und die Dinge selbst zu regeln.

Und darum geht es im Kern dieser Männeroper: Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott. 15 Jahre nach Ende von Weltkrieg II, noch traumatisiert vom Korekrieg, geschüttelt vom Krieg in Vietnam ist der Film so eine Art Wehrertüchtigung für den ermatteten US-Bürger mitten im Kalten Krieg. Die mexikanischen Banditen – die 40 Räuber –  unter Führung von Eli Wallach stehen allegorisch für die Kommunisten, die sich nehmen, was ihnen der schwächliche, unbewaffnete Bauer nicht verwehren kann; bis dieser Bauer aufrüstet und Yul Brunner, Steve McQueen, Charles Bronson und James Coburn holt. Die Message ist klar: Wir müssen wachsam bleiben. Wir müssen wehrhaft sein. Wir dürfen nicht verweichlichen.

Aber die Message ist nicht so einfach, so simpel gestrickt sind Sturges' Männer nicht: Die Revolvermänner sind längst keine unschlagbaren Helden mehr. Sie mögen jeden Gegner aus Fleisch und Blut niederstrecken; aber den Lauf der Welt besiegen sie nicht. Während sie noch mexikanische Banditen erschießen, wissen sie längst, dass ihre Zeit abgelaufen ist, schwärmen vom Segen des eigenen Stücks Land und der Familie, die man ernähren möchte. In einem bewegenden Monolog staucht Charles Bronson als Bernardo drei Kinder zurecht, die sich ihn als eine Art Adoptivonkel ausgesucht haben und nun erklären, ihre Väter wären Feiglinge. Bernardo macht ihnen klar, dass es viel größeren Mutes bedarf, eine Farm zu bewirtschaften, von der man nie weiß, ob es reichen wird, für Frau und drei Kinder zu sorgen, nicht, weil man gezwungen wird, „sondern nur aus Liebe“.

Während die Kugeln sirren und nicht alle durchkommen werden, erziehen sie Horst Buchholz noch, den Heißsporn, den sich gleich eine für diesen Landstrich erstaunlich selbständige Dorfbewohnerin ausgeguckt hat, um ihm das Haus sauber zu halten, zum besseren, weil gleichzeitig treffsicheren und fürsorglichen Farmer.

Den übrigen Männern bleibt nur, einsam in ihre jeweiligen Sonnenuntergänge zu reiten, die Sturges und sein Kameramann Charles Lang mit weiten, beeindruckenden Landschaftsbildern versehen.

Wertung: 6 von 7 D-Mark
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