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Plakatmotiv: Kopfüber in die Nacht (1985)
Eine Thriller-Comedy feiert das Kino
Titel Kopfüber in die Nacht
(Into the Night)
Drehbuch Ron Koslow
Regie John Landis, USA 1985
Darsteller Jeff Goldblum, Michelle Pfeiffer, Stacey Pickren, Carmen Argenziano, Andrew Marton, Sue Dugan, Elizabeth Solorzano, Dan Aykroyd, David Cronenberg, Robert Moberly, John Hostetter, Dick Balduzzi, Richard Franklin, Cal Worthington, Wes Dawn, Christopher Dunn George, Ali Madani, Michael Zand, Hadi Sadjadi, Beruce Gramian, John Landis, Hope Clarke, Eric Lee, Jake Steinfeld, Sue Bowser, Waldo Salt, Viola Kates Stimpson, Bruce McGill, Jon Stephen Fink, Dedee Pfeiffer, Rick Baker, Colin Higgins, Kathryn Harrold, Daniel Petrie, David Sosna, Mark L. Levine, William B. Kaplan, Jonathan Kaufer, Paul Mazursky, Saul Kahan, Rory Barish, Jean Pelton, Jonathan Lynn, Paul Bartel, Bill Taylor, Jim Bentley, Houshang Touzie, Slavka, Erica Sakai, Carl Perkins, Don Siegel, Peggy McIntaggart, Jim Henson, David Bowie, Robert Traynor, Art Evans, Bud Abbott, Chick Young, Lou Costello, Bela Lugosi, Lon Chaney Jr., Jack Arnold, Pete Ellis, Domingo Ambriz, Amy Heckerling, Robert La Bassiere, Yacub Salih, Roger Vadim, John Roberts, Diane Roberts, Reid Smith, Rusdi Lane, Lawrence Kasdan, Richard Farnsworth, Vera Miles, Irene Papas, Hassan Ildari, Zoreh Ramsey, Beulah Quo, Patricia Gaul, Clu Gulager, Jonathan Demme, Tracy Hutchinson, Gene Whittington,Eddy Donno, Carl Gottlieb, Alma Beltran, Ava Cadell, Reed Armstrong, Cynthia Lea Clark, Veronica Gamba, Michael George, Marianne Gravatte, Lesa Ann Pedriana, Carina Persson, John Richard Petersen, Susie Scott, Heidi Sorenson, Dona Speir u.a.
Genre Komödie, Drama
Filmlänge 115 Minuten
Deutschlandstart
24. Mai 1985
Inhalt

Ed Okin ist ein verheirateter Mitarbeiter einer Satellitenfirma, der in seinem Privatleben nicht glücklich ist, was ihm schlaflose Nächte bereitet. Seine Frau scheint sich nur oberflächlich für ihn zu interessieren. Durch den Schlafmangel ist er bei der Arbeit nicht immer aufmerksam, was bald auffällt, sodass er eines Tages früher nach Hause geht, um Schlaf nachzuholen. Vor dem Haus sieht er einen Wagen stehen, und aus dem Schlafzimmerfenster hört er eindeutige Geräusche: Seine Frau betrügt ihn.

Er lässt sich später am Abend gegenüber seiner Frau nichts anmerken, und er kann wieder einmal nicht einschlafen. Er beschließt spontan, zum Flughafen zu fahren. Im Parkhaus wird ein Paar von vier Persern überfallen und der Mann dabei erstochen; dessen Frau Diana kann sich jedoch losreißen und fliehen. Sie springt in Eds Auto, und er flieht mit ihr. Als er einer Polizistin von dem Überfall erzählen will, wiegelt Diana ab und bittet ihn, sie zum Boot eines Freundes namens Jack zu fahren. Diana wird jedoch nicht an Bord gelassen – der Leibwächter lässt sie draußen stehen. Als sie gerade weg sind, bekommt dieser Besuch von den Persern, die die Kajüte komplett verwüsten, weil sie etwas suchen. Diana lässt sich von Ed zu ihrem Bruder, einem Elvis-Imitator fahren. Dieser ist auch nicht erfreut, sie zu sehen, und schmeißt sie raus. Zwischenzeitlich wurde Eds Auto von der Polizei abgeschleppt, und sie „leihen“ sich das Auto ihres Bruders.

Diana überredet Ed wiederholt, sie weiter zu chauffieren. Sie besuchen eine Freundin von ihr bei einem Filmdreh. Dabei gibt Diana ihr sechs Smaragde, die diese in ihrem Mantel für sie versteckt. Es stellt sich heraus, dass Diana diese Smaragde, die zum Kronschatz des abgesetzten Schahs von Persien gehörten, für ihren Bekannten, der am Flughafen getötet wurde, in die USA einschmuggelte.

Plakatmotiv (US): Into the Night – Kopfüber in die Nacht (1985)Mittlerweile werden Diana und Ed von den früheren Mitarbeitern des persischen Geheimdienstes und von französischen Gangstern gejagt …

Was zu sagen wäre

Die schönsten Geschichten schreibt das Kino. Weil sie so herrlich überdreht sind. Weil Dinge passieren können, von denen wir zwar bisweilen träumen, die wir aber dann lieber doch nicht erleben wollen – schon, weil wildgewordene Perser im richtigen Leben wohl eher nicht so konsequent daneben schießen würden. Dieser Ed Okin, der einfach keinen Schlaf findet und dann durch seinen lahmen Alltag schlurft, der besteht aus öden Netzwerkberechnungen, Kollegen, die für jedes Problem „eine Spitzen-Maus namens Melissa“ haben, die einem für 200 Dollar die Stunde eine schöne Zeit macht und einer Ehefrau, die ihm „einen schönen Tag“ wünscht und dann ihren Chef vögelt, ist so nah an der beigen Resopaltisch-Realität der Zuschauer im Kinosaal, dass er uns sofort nahe ist – weit weg vom Bigger than Life, das uns im zeitgenössischen Kino so oft gezeigt wird.

Und dann taucht diese Frau auf – blond, blaue Augen, glatte Haut, nicht schüchtern „Ich heiße Diana … wie in Prinzessin Diana!“ Hier übernimmt das Kino. Okins Leben verwandelt sich – bisweilen buchstäblich – in eine Filmkulisse. Diese Diana ist von seinem Leben so weit weg wie das Leben zwischen Halbwelt und lüsternen Kinoproduzenten, das sie führt. Plötzlich ist alles Bigger than Life in Ed Okins Leben. Das Märchen um die Prinzessin in den Krallen fauchender Drachen – persischen Killern, französischen Geheimdienstlern, amerikanischen Cops – nimmt seinen Lauf.

John Landis ist vernarrt in das Kino (Unheimliche Schattenlichter – 1983; Die Glücksritter – 1983; „American Werewolf“ – 1981; Blues Brothers – 1980; Ich glaub', mich tritt ein Pferd – 1978; Kentucky Fried Movie – 1977; Schlock – Das Bananenmonster – 1973). Er ist ein manischer Reproduzent vergangener und zeitgenössischer Kinoherrlichkeit, seine Filme strotzen vor Zitaten und Anspielungen, sind selbstreferenziell und aus der Haltung eines Kinozuschauers erzählt. Als Regisseur weiter weg vom Auteur eigener Lebensumstände als Landis ist kaum möglich.

Deswegen greifen die Codes, die bei Filmen von Fassbinder, Scorsese, Wenders oder sogar Spielberg funktionieren, hier nicht – Landis ist ein Film-im-Film-Regisseur; dass in „Into the Night“ eine Filmdreh-Szene vorkommt, gespickt mit Requisiten-Gags, überrascht nicht. David Bowie, der im Film einen Kurzauftritt hat französischer Killer hat, erklärt „Ich arbeite für Monsieur Melville.“, ist also eine Art Eiskalter Engel – Regie: Jean Pierre Melville. Oder: Diana und Ed dringen durch einen Tunnel auf ein Privatgelände vor. Sie sagt: „Das einzige, was ich nicht ausstehen kann, sind Schlangen.“ „Im Augenblick fände ich eine Schlange direkt beruhigend!“ Ein Zitat aus Spielbergs Indiana Jones-Figur. Landis jongliert mit diesen Zitaten, dreht sie auf links, stellt sie auf den Kopf, spielt mit den Erwartungen seiner Zuschauer, die glauben, die Erzählcodes längst alle zu kennen.

Als Jeff Goldblum etwa (Buckaroo Banzai – Die 8. Dimension – 1984; „Der große Frust“ – 1983; Der Stadtneurotiker – 1977; „Nashville“ – 1975; Ein Mann sieht rot – 1974) Michelle Pfeiffer kennenlernt, dreht Landis die oft gesehene Wagen-springt-im-entscheidenden-Moment-nicht-an-Szene rum, in dem sein Wagen solange nicht anspringt, wie keine Gefahr droht; aber als Pfeiffer in seinem Wagen springt und gleichzeitig der Killer auf seiner Motorhaube hockt, da springt der Wagen sofort an.

Es ist wohl kein Zufall, dass das persische Killerkommando, um dessen Entmenschlichung zu demonstrieren, nicht davor zurückschreckt, in der Strandvilla des angesagten Filmproduzenten Bud Herman selbst so wertvolle, ja unbezahlbare Figuren wie den Oscar, den Golden Globe und andere Filmpreise achtlos zu zerschmettern. Diese Liebe zum Filmzitat macht Landis' Filme amüsant. Und lässt sie schnell altern – nichts ist so alt, wie die Parodie auf einen Filmgag. <Nachtrag2008>Das zeigt sich vor allem bei Filmen aus den 1980er Jahren, die mit ihrem Rock-Pop-Gitarrensound und den Neonlicht-Bildern ihr Geburtsjahrzehnt deutlicher herzeigen, als die Filme aus anderen Dekaden. Das fällt vor allem auf, wenn wir einen Klassiker wie Charade (1963) daneben legen, an dem sich Landis bei vertauschter Geschlechterrolle, ein wenig orientiert. Charade könnte aus den 40er oder 50er Jahren stammen; er ist zeitlos. „Into the Night“ mit seinem Nächtlicher-Anflug-auf-Los-Angeles-Opening, während B.B. King den Titelsong schmettert, das funktioniert nur in den 80er Jahren.</Nachtrag2008>

Adäquat zur künstlichen Welt, aus der Landis erzählt, hat er seine Hauptrollen besetzt. Orientierungsloser als Jeff Goldblum kann man sich einen Menschen nicht vorstellen. In seiner Schlaflosigkeit hilflos, seiner privaten Verzweiflung rettungslos ausgesetzt ist Goldblum die 1:1-Besetzung eines Mannes mit dem langweilen Namen Ed Okin. Landis setzt indirekt auf die schauspielerischen Fähigkeiten des 33-Jährigen. Aber vor allem setzte er auf dessen Talent zur Projektionsfläche. Dasselbe gilt für Michelle Pfeiffer. Erst Landis hat ihre besonderen Vorzüge zu nutzen gewusst. In Brian DePalmas Scarface (1983) war sie schöne Elvira, gelangweiltes Trophy Wife der jeweils Mächtigen. Danach kamen keine Angebote. Unter John Landis' Regie ist sie nun die Femme Fatale, die in enger Blue Jeans, knallroter Lederjacke und dezent ungeschminktem Gesicht zur Fantasy-Prinzessin wird, zur Projektionsfläche vieler Millionen Jungs im Kinosessel, die uns um ihren Finger wickelt – Ed Okin lässt sich auf ein Abenteuer ein, das anders nicht motiviert ist als durch das Holder-Held-und-charmante-Prinzessin-Ding („Wie Prinzessin Diana“), die ihn dann bei erster Gelegenheit stehen lässt – „Fragen Sie sich durch. Hier muss es irgendwie ein Telefon geben.

Dass am Ende dieser Kino-im-Kino-Festspiele zentrale Fragen unbeantwortet bleiben – Was wurde aus Dianas Bruder, dem lustigen Elvis-Imitator Charlie? Ed Okins fremd vögelnde Ehefrau, ja das ganze bisherige Ed-Okin-Leben verschwindet einfach aus dem Film – ist verschmerzbar. John Landis hat Comedy und Thriller zu einem bunten Abenteuer vermischt – das trifft im aktuellen Kino ins Schwarze.

Wertung: 7 von 10 D-Mark
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