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Plakatmotiv: Moby Dick (1956)
Ein Film, an dem Farbgebung und Typen
interessanter sind als die Geschichte
Titel Moby Dick
(Moby Dick)
Drehbuch Ray Bradbury + John Huston
nach dem gleichnamigen Roman von Herman Melville
Regie John Huston, UK, USA 1956
Darsteller Gregory Peck, Richard Basehart, Leo Genn, James Robertson Justice, Harry Andrews, Bernard Miles, Noel Purcell, Edric Connor, Mervyn Johns, Joseph Tomelty, Francis De Wolff, Philip Stainton, Royal Dano, Seamus Kelly, Friedrich von Ledebur u.a.
Genre Abenteuer
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
17. Oktober 1956
Inhalt

Kapitän Ahab ist besessen von einem einzigen Gedanken: Er will Rache üben an Moby Dick – dem riesigen weißen Wal, der ihn zum Krüppel gemacht hat.

Um ihn zu finden, ist Ahab kein Weg zu weit und kein Opfer zu groß. Mit der Mannschaft seines Walfängers durchsegelt er die Weltmeere. Tropische Hitze und heftige Stürme machen den Seeleuten zu schaffen, immer wieder kommt es zu unerträglichen Spannungen an Bord.

Plakatmotiv (US / Wiederaufführung): Moby Dick (1956)Und dann bläst er am Horizont, der weiße Wal …

Was zu sagen wäre

Eine epische Geschichte über einen Kampf zwischen Mann und Biest mit Ausflügen ins Philosophische und ausführlicher Darstellung des Walfang-Einmaleins'. Das ist das Buch von Herman Mellville, das er 1851 geschrieben hat und als Vorlage für diesen Film von John Huston dient („Schach dem Teufel“ – 1953; African Queen – 1951; „Asphalt-Dschungel“ – 1950; Gangster in Key Largo – 1948; Der Schatz der Sierra Madre – 1948; Abenteuer in Panama – 1942; Die Spur des Falken – 1941). Auf den Film trifft all das nicht zu. Die Geschichte zieht sich hin, der Film lebt über seine Typen – der Südseeinsulaner Queequeg mit den beeindruckenden Tätowierungen, der Harpunier Stubb mit seinem losen, aber fröhlichen Mundwerk – und stolpert über seine Hauptfigur Ahab.

Der verbitterte, hassgetriebene Kapitän wird gespielt von Gregory Peck, den wir als sanftmütigen Liebhaber oder als schneidig aufrechten Offizier im Kino kennen („Flammen über Fernost“ – 1954; Ein Herz und eine Krone – 1953; „Schnee am Kilimandscharo“ – 1952; Der Scharfschütze – 1950; Der Fall Paradin – 1947; Ich kämpfe um dich – 1945). Nun haben die Maskenbildner ihm eine große Narbe ins Gesicht geschminkt, bei der ich mich frage, wieso sein Auge noch heil ist, wenn die Narbe, offenbar Resultat eines Messer- oder Harpunenhiebs, quer durch dieses Auge geht, und einen Ziegenbart angeklebt, der Peck aussehen lässt wie Abraham Lincoln. So ist Peck äußerlich ein passabler Ahab, inklusive des künstlichen Beins aus Elfenbein. Er strahlt Ahab aber nicht aus. Wenn er versucht, bedrohlich seinen ersten Offizier zusammenzustauchen, als der leise Zweifel an der Mission anmeldet, hat Peck kaum mehr Werkzeug, als laut zu werden und seine Augen zusammenzukneifen.

Huston und Ray Bradbury haben Peck einen ordentlichen ersten Auftritt ins Drehbuch geschrieben, bei dem Ahab seine Besessenheit auf den Weißen Wal seinen Männern in einem langen Eröffnungsappell eintrichtern kann. Dabei wird klar: Der Mann will den Wal; aber eigentlich habe ich Gregory Peck zugeschaut, wie der augenrollend und wild gestikulierend starke Abneigung gegen einen Wal spielt, der dem Kapitän streng genommen nichts getan hat – hätte Ahab ihn nicht zum Zwecke des Tötens gejagt, hätte der Wal ihm nicht sein Bein genommen. Mit seiner ultimativen Fixierung auf den einen Wal wird dieser Weiße zum ultimativen Antichrist stilisiert, dem der Besessene in blinder Wut nachjagt. Es steht Gold gegen Vernunft, Rationalität gegen Rache.

Das Bedrohlichste an Ahab erledigt die Kamera. Oswald Morris liefert seinem Regisseur entsättigte Farben und grokörnige Bilder, die dem düsteren Ton der Buchvorlage nahekommen und Hustons Wunsch nach Bildern, die an die Sepiatöne von Walfangstichen aus dem 19. Jahrhundert erinnern. Dazu hat Huston viel an realen Schauplätzen gedreht; in Youghal, einem südirischen Hafenstädtchen, wurden extra allerlei Fernsehantennen voin Dächern abmontiert. Das macht den Film sehenswert wegen seiner Bilder, was ja nicht das Schlechteste für einen Kinofilm ist. Aber etwas mehr Drama hätte sein dürfen, aber viel zu erzählen abseits der Wal-Fixierung hat der Film nicht.

Damit der Zuschauer im Kinosessel, der des Walfangs und seiner rauen Männerwelt nicht nahesteht, in ebendiese Welt hineinfindet, spielt Leo Genn (Quo Vadis – 1951) den Ersten Offizier Mr. Starbuck. Er ist das moralische Gewissen an Bord, über den der nachkriegsgebeutelte Mitteleuropäer sich in den Film hineinhangeln kann, bis er sich an Bord der beeindruckend gebauten „Pequod“ zurechtfindet und auf das Finale wartet. Das fällt dann kurz aus.

Der Film „Moby Dick“ ist ein Drama, das dauernd auf seine große Erfüllung wartet, Monologe shakespearschen Ausmaßes formulieren lässt. Aber die Erfüllung des Dramas gerinnt letztlich zu einem kurzen Schlusspunkt mit kurzer Weiß-Wal-Harpunierung, spritzender Gischt, kurzem Aufbäumen des Wals und Versenken der Mannschaft – ein Finale Grande bleibt aus.

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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