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Kinoplakat: Hafen des Lasters – Gangster in Key Largo
Abwechslungsreiches Kammerspiel
für ambitionierte Schauspieler
Titel Gangster in Key Largo (aka: Hafen des Lasters)
(Key Largo)
Drehbuch Richard Brooks + John Huston
nach dem Theaterstück „Key Largo“ von Maxwell Anderson
Regie John Huston, USA 1948
Darsteller
Humphrey Bogart, Edward G. Robinson, Lauren Bacall, Lionel Barrymore, Claire Trevor, Thomas Gomez, Harry Lewis, John Rodney, Marc Lawrence, Dan Seymour, Monte Blue, William Haade u.a.
Genre Drama, Thriller, Crime
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
6. April 1950
Inhalt

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges besucht US-Offizier Frank McCloud James und Nora Temple, den Vater und die junge Witwe eines gefallenen Soldaten aus seiner Einheit. Nora und ihr Schwiegervater betreiben ein Hotel auf der Florida vorgelagerten Insel Key Largo.

Das Hotel wurde von einer Gruppe von Gästen in Beschlag genommen, die sich als der ehemalige Gangsterboss Johnny Rocco und seine Handlanger entpuppen. Rocco wartet auf das Eintreffen eines Geschäftspartners, um anschließend nach Kuba zurückzukehren, da er vor Jahren als „unerwünschte Person“ aus den USA ausgewiesen wurde. Trotzdem plant er, erneut in den USA eine Organisation wie vor dem Weltkrieg aufzubauen.

Während ein Hurrikan aufzieht, schikaniert Rocco sowohl die Temples und McCloud als auch seine eigene alkoholkranke Geliebte Gaye, und erschießt einen Hilfssheriff, der auf der Suche nach zwei aus dem Gefängnis ausgebrochenen Indianern war. Nach Abwicklung des Geschäfts zwingt Rocco McCloud, ihn und seine Begleiter mit einem Boot zurück nach Kuba zu bringen …

Was zu sagen wäre

Zwielichte Menschen, eingesperrt auf paradiesischer Insel während eines Hurrikans. John Huston (Der Schatz der Sierra Madre – 1948; Abenteuer in Panama – 1942; Die Spur des Falken – 1941) macht aus dem Theaterstück mit versierter Hand und einem großartigen Cast einen spannnenden Film, der im letzten Drittel abflacht, wenn das Drama mit Action zu Ende gebracht werden muss.

Lauren Bacall spielt zum vierten Mal an der Seite Humphrey Bogarts (Dark Passage/Die schwarze Natter – 1947; Tote schlafen fest – 1946; Haben und Nichthaben – 1944). Und auch in diesem vierten Film steht sie souverän ihre Frau neben dem Star, und John Hustons Kameramann Karl Freund lässt sie schöner aussehen denn je. Bacall hat eine für ihren Typus undankbare Rolle: Sie ist erst die bangende (noch nicht offizielle) Witwe, sie ist sehnsüchtiges Love interest für Bogart und dann pflegt sie noch ihren Vater, der im Rollstuhl sitzt und managt das kleine Hotel. Wären die letzten beiden Aspekte nicht, wäre Lauren Bacall auf Bangen und Schmachten reduziert, wäre das wohl schief gegangen. Aber mit dem Unterfutter der taffen Macherin ist Bacall ein Gewinn für die Leinwand.

Humphrey Bogart beherrscht mittlerweile ein breites Spektrum an Figuren (s.u.). Das reicht vom kalten Killer bis zum verlassenen Liebhaber, vom zynischen Privatdetektiv bis zum lustigen Onkel und Bogart bedient sich sich aus diesem Reservoir und fügt diesen Figuren im neuen Film dann nich was hinzu. Dieser Frank McCloud ist ein bisschen Rick Blaine, ein bisschen Harry Morgan und Philip Marlowe grüßt auch. Aber hier kommt ein beamtiges Element hinzu. Bogart ist geradezu bemüht neutral distanziert, als er auftritt; dieser McCloud ist eben auch Offizier in Uniform.

Und die Gegenseite dominiert der große Edward G. Robinson als Johnny Rocco („The Red House“ – 1947; „Frau ohne Gewissen“ – 1944; „Der Seewolf“ – 1941; Orchid, der Gangsterbruder – 1940; Kid Galahad – Mit harten Fäusten – 1937; Wem gehört die Stadt – 1936; Der kleine Caesar – 1931). Robinson und Bogart gelten als Traumpaar fürs Kino, die beiden haben sich auf der Leinwand so oft erschossen, mal Bogart Robinson, mal Robinson Bogart, dass es schwierig werden könnte, der Beziehung der beiden neue Töne zu entlocken – wer will schon immer dieselben beiden Typen immer dieselben Sachen machen sehen? Huston löst das Dilemma, indem er Bogart und Robinson nur wenige Situationen gemeinsam gibt und um Robinson rum eine superbe Clique von Schmarotzern, Debilen und Schwätzern installiert hat, mit denen sich Bogart, Bacall und – last but not least – der auch in den Rollstuhl gepresst nichts von seiner Präsenz einbüßende Lionel Barrymore (Ist das Leben nicht schön? – 1946) herumärgern müssen.

 

Der Stoff ist ein dankbares Stück für ambitionierte, experimentierfreudige, talentierte Schauspieler. John Huston hat die richtigen zusammengestellt.

Wertung: 4 von 6 D-Mark
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