Plakatmotiv (US): The Maltese Falcon
Hard-Boiled-Crime
trifft auf Märchenvogel
Titel Die Spur des Falken
(The Maltese Falcon)
Drehbuch John Huston
nach dem Roman „Der Malteser Falke“ von Dashiell Hammett
Regie John Huston, USA 1941
Darsteller Humphrey Bogart, Mary Astor, Gladys George, Peter Lorre, Barton MacLane, Lee Patrick, Sydney Greenstreet, Ward Bond, Jerome Cowan, Elisha Cook Jr., James Burke, Murray Alper, John Hamilton u.a.
Genre Crime, Film Noir
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
3. Mai 1946
Inhalt
In San Francisco betreiben Sam Spade und Miles Archer ein Detektivbüro. Dort erscheint eine junge Frau, die sich als Ruth Wonderly vorstellt.

Die Frau bittet Spade und Archer, ihre Schwester zu finden, die mit einem mysteriösen Mann namens Floyd Thursby durchgebrannt sei. Den einzigen Hinweis auf den Verbleib ihrer Schwester Corinne hätte Wonderly aus einem Brief, in dem ihre Schwester schrieb, sie halte sich in San Francisco auf. Der galante Archer ist angetan von der attraktiven Wonderly und sofort bereit, Thursby zu suchen und zu beschatten. Spade kommt die ganze Sache dagegen nicht geheuer vor.

An einer Straßenecke wird Archer von einem Unbekannten erschossen. Detektive Polhaus ruft Space an den Tatort und beide mutmaßen, dass Archer von jemandem umgebracht wurde, dem er vertraute. Auf die Frage des Polizisten, an welchem Fall Archer denn gearbeitet habe, antwortet Spade ausweichend.

Kurz darauf wird die Leiche Thursbys gefunden und Spade gerät in Verdacht, seinen Partner gerächt zu haben. Iva, die Frau seines Partners, mit der Spade ein Verhältnis hat, verdächtigt Spade des Mordes an ihrem Mann. Spades Sekretärin hingegen glaubt, Iva habe ihren Mann getötet, um Spade heiraten zu können.

Spade begibt sich zu Ruth Wonderly, die, wie sich herausstellt, in Wahrheit Brigid O’Shaughnessy heißt und auch sonst jede Menge Lügen erzählt hat. Als Spade sie zur Rede stellt und nun endlich die Wahrheit über Thursby erfahren will, antwortet O’Shaughnessy ausweichend und bittet Spade, sie zu beschützen. Obwohl der Detektiv ihr nicht über den Weg traut, werden die beiden Partner.

Eine weitere zwielichtige Figur taucht in Gestalt von Joel Cairo auf. Auch er will Spade engagieren und bietet dem Detektiv eine Menge Geld für die Beschaffung des Falken. Spade, der zum ersten Mal von der Statue hört, findet heraus, dass Cairo mit dem Revolvermann Wilmer Cook in Verbindung steht und der Chef der beiden wiederum Kasper Gutman ist – ein sinisterer Gangsterboss, genannt „Fatman“.

Die drei stehen mit O’Shaughnessy in Konkurrenz um den Besitz der wertvollen Statue. Bei einem Gespräch mit Gutman erfährt Spade die Geschichte des Falken, der als Tribut des Malteserordens für Karl V., den König von Spanien, gedacht war, aber seit dem Jahr 1539 verschollen ist. Seit Jahren schon verfolgt Gutman die Spur des Falken und hat ihn endlich in Hongkong gefunden.

Spade erhält die Statuette aus der Hand eines sterbenden Kapitäns, dessen Schiff gerade aus Hongkong in den Hafen von San Francisco eingelaufen ist. Bei einem Treffen in Spades Wohnung versammeln sich alle Beteiligten um den mysteriösen Schwarzen Falken …

Was zu sagen wäre

„Das“, sagt der Privatdetektiv, in der Hand die Figur des Falken, zu dem ratlosen Polizisten, „das ist der Stoff, aus dem Träume sind!" Und deswegen sind mehrere Menschen gestorben. Schon die Romanvorlage von Dashiell Hammett verknüpfte den Hard-Boiled-Private-Eye mit einer Sage, die aus 1001 Nacht stammen könnte. Es trifft der mit allen Wassern abgebrühte Privatdetektiv auf ein Trio verträumter Spinner, die ihren Lebensinhalt einer sagenhaften Figur widmen, von der niemand je etwas gehört hat, die aber irre wertvoill sein soll.

John Huston hat Hammetts einzigartigen Roman in einzigartige Biildsprache verwandelt. Häufig nutzt er extreme Kamerapositionen, schräge Winkel, um seine schräge Story zu unterstreichen. Er spielt mit Licht und Schatten und entwirft eine Gesellschaft aus lauter Menschen, die sich irgendwie durchschlagen. Sam Spade etwa verfällt nicht in bremsende Trauer, als sein Partner erschossen wird; flugs ändert er die Beschriftung an Fenstern und Bürotüren – aus „Spade and Archer“ wird „Samuel Spade - Privat Investigation“. In einer Szene hat er den fluiden Joel Cairo schon in die Ecke gedrängt, da zerrt er ein hämisches Grinsen in sein Gesicht und setzt noch einen Knockout-Schlag hinterher. Auch Frauen dürfen nicht auf männliche Milde hoffen, dieser Privatdetektiv nimmt sich, was er – mit halbwegs legalen Mitteln – kriegen kann. Das ist aber auch verständlich in einer Welt, die ausschließlich aus Halbwelt-Typen, Krimminellen und Frauen besteht. Und Frauen sind in dieser Sorte Krimi immer entweder trutschige Blondchen, Sekretärinnen-Buddies oder verschlagene Miststücke, die über Leichen gehen, wenn sie darin einen Vorteil für sich erkennen. In diesem Film tauchen alle drei Versionen auf.

John Huston erzählt seinen „The Maltese Falcon“ ganz ohne Zwischenton. Die Welt seines Films ist so schwarz-weiß wie sein Trägermedium, freudlos, trocken; da ist kein Platz für Vorgärten, gepflanzte Bäume oder andere Beispiele menschlicher Vorhandenheit, jede Frage eine Waffe, jeder Satz eine Bedrohung der Existenz, jede Forderung ein Ausloten der Möglichkeiten. Huston hat die Form des Film Noir auf die elementarsten Bestandteile reduziert. Und in Humphrey Bogart die perfekte Entsprechung seiner Welt gefunden. Obwohl eigentlich George Raft für die Sam-Spade-Rolle vorgesehen war, der Leading Man der damaligen Zeit. Aber Raft lehnte ab. Er wollte nicht unter einem unerfahrenen Regisseur arbeiten. Huston vergab dann die Rolle dann an seinen Freund Bogart, der einer der führenden Darsteller in Low-Budget-Produktionen war („The Wagons Roll at Night“ – 1941; „Entscheidung in der Sierra“ – 1941; „Nachts unterwegs“ – 1940; „Orchid, der Gangsterbruder“ – 1940; „Die wilden Zwanziger“ – 1939; „Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern – 1938; „Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse“ – 1938).

Bogart griff beherzt zu und enttäuschte nicht. Sein Sam Spade ist kein Sympathikus, keiner, mit dem man einen trinken gehen möchte; zwar einer, dessen Hartherzigkeit man den Umständen geschuldet akzeptiert, aber nett findet man so einen nicht. Spades noch am ehesten als Freund durchgehender Mensch ist Detective Polhaus von der LA-Police; aber auch die beiden sehen sich immer nur an Tatorten oder nachts vor der Zimmertür. Dieser Spade ist ein kaltschnäuziger Typ, der seinen Partner beinahe ablehnt, sogar ein Verhältnis mit dessen Frau hat, und sich ständig am Rande der Legalität bewegt. Dabei ist die Kamera immer nahe an ihm dran und die meisten Einstellungen vermitteln das Gefühl, das Geschehen aus seiner Sicht zu betrachten. Erst, als Spade in ein Netz aus Intrigen und Lügen gerät, gewinnt der Antiheld an Sympathie, zumal Spade bei allem, was er tut, sich und seinen Prinzipien treu bleibt. „The Maltese Falcon“ ist ein wunderbar geradlinig erzählter Film. Ein großartiges Regie-Debut für John Huston.

Huston hatte schon mehrere Drehbücher für die Warner Brothers geschrieben und erhielt bei diesem Film die Chance, zum ersten Mal Regie zu führen. Der 1930 erschienene Roman „Der Malteser Falke“ von Dashiell Hammett war bereits zweimal verfilmt worden, beide Versionen ließen sich aber viele Freiheiten mit dem Roman Hammetts und waren nicht sonderlich erfolgreich. Hustons vertrat die Auffassung, die früheren Drehbuchautoren und Regisseure hätten schlicht das Buch nicht verstanden. Huston schrieb den Roman beinahe Szene für Szene zum Drehbuch um, strich einige Charaktere, reduzierte die Schauplätze auf einige wenige Orte und schuf damit eine klaustrophobische Atmosphäre, die durch die Kameraführung und die Kameraeinstellungen, das Spiel von Licht und Schatten unterstützt wurde.

Es gibt den Film in mindestens zwei Soundtrackversionen, je nachdem, ob man die deutsche oder die US-Spur hört. Die deutsche Synchronfassung entstand unter Leitung von Wolfgang Schick, vermutlich in den 1960er-Jahren, und gibt dem Film einen anderen Charakter. Die Filmmusik wurde durch beschwingte Jazz-Themen ersetzt, die nicht in die Entstehungszeit des Films passen, sondern eher in die Nachkriegszeit, während die Dialoge in eine parodistische Richtung gehen, die das Original nicht hat. Die schmissigen (deutschen) Bläser tönen sich in den Vordergrund und begraben die Handlung unter sich, das US-Orchester dudelt vor sich hin, geht auf das, was im Bild passiert, ab er auch nicht ein. Ein (schönes) Beispiel, wie in den frühen Jahren des Kinos mit Musik umgegangen wurde.

Wertung: 6 von 6 D-Mark