Plakatmotiv: Das war der Wilde Westen (1962)
Ein großer Bilderbogen
für den Nationalstolz
Titel Das war der Wilde Westen
(How the West was won)
Drehbuch James R. Webb
inspiriert durch die gleichnamige Artikelserie im LIFE magazine
Regie John Ford („Der Bürgerkrieg“) & Henry Hathaway („Der Fluss“, „Der Planwagen“, „Die Desperados“) & George Marshall („Die Eisenbahn“) & Richard Thorpe (Übergangssequenzen), USA 1962
Darsteller Carroll Baker, Lee J. Cobb, Henry Fonda, Carolyn Jones, Karl Malden, Gregory Peck, George Peppard, Robert Preston, Debbie Reynolds, James Stewart, Eli Wallach, John Wayne, Richard Widmark, Brigid Bazlen, Walter Brennan, David Brian, Andy Devine, Raymond Massey, Agnes Moorehead, Harry Morgan, Thelma Ritter, Mickey Shaughnessy, Russ Tamblyn, Spencer Tracy (Erzähler), Rodolfo Acosta, Mark Allen, Beulah Archuletta, Robert Banas, Willis Bouchey, John Breen, Charlie Briggs, Paul Bryar, Walter Burke, Polly Burson, Kim Charney, Ken Curtis, John Damler u.a.
Genre Western
Filmlänge 164 Minuten
Deutschlandstart
1. Februar 1963
Inhalt

Ein filmische Enzyklopädie über die teils heroisierte, teils romantisierte, aber insgesamt historische Episoden der Erschließung des amerikanischen Westens von den ersten Trecks bis zur ersten Eisenbahn, 1840–1890, erzählt über mehrere Generationen der Siedlerfamilie Prescott-Rawlings:

Der Fluss (1830er Jahre)

Der Trapper Linus Rawlings (James Stewart) kehrt in die Zivilisation zurück, um mit Fellen zu handeln. Er trifft auf eine Gruppe Siedler, die nach Westen ziehen und von Zebulon Prescott angeführt werden. Dessen Tochter Eve (Carroll Baker) fühlt sich zu Linus hingezogen, doch er ist nicht bereit, sich niederzulassen, und zieht weiter.

Linus hält an einem isoliert gelegen Handelsposten an, der von einer Gruppe Banditen mit dem Anführer „Colonel“ Hawkins (Walter Brennan) geführt wird. Der Trapper bemerkt zu spät, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Colonel Hawkins Tochter führt ihn unter Vorwand in einen tiefer gelegenen Tunnel, sticht ihm von hinten ein Messer in den Rücken und stößt ihn in eine Grube. Die Bande raubt Linus’ Boot und wartet auf weitere Opfer. Glücklicherweise kann er sich nur leicht verletzt retten und die Prescott-Gruppe vor einem ähnlichen Schicksal bewahren. Die auflauernden Diebe werden in roher Justiz abgefertigt.

Die Siedler fahren den Fluss hinunter, biegen jedoch in den falschen Flussarm ab. Dadurch gerät ihr Floß in Stromschnellen und starkes Wildwasser, wobei Zebulon und seine Frau Rebecca ertrinken. Als Linus herausfindet, dass die Siedler wohl den falschen Weg gewählt haben und er ohne Eve nicht leben kann, kehrt er zurück und heiratet sie. Er gibt seine Freiheit auf und lässt sich mit ihr an dem Platz nieder, wo ihre Eltern gestorben sind. Dort gründen sie eine Farm, weil Eve diesen Platz nie mehr verlassen will.

Der Planwagen (1840er Jahre)

Eves Schwester Lily (Debbie Reynolds) fasst den Entschluss, nach St. Louis zu gehen, wo sie Arbeit als Tänzerin in einem Nachtclub findet. Dort zieht sie die Aufmerksamkeit des professionellen Spielers Cleve Van Valen (Gregory Peck) auf sich. Nachdem er mitbekommen hat, dass sie vor Kurzem eine kalifornische Goldmine geerbt hat (und um zu vermeiden, seine Schulden zahlen zu müssen), schließt er sich einem Treck an, der sie dorthin bringen soll. Er und der Treckvorsteher Roger Morgan (Robert Preston) buhlen den ganzen Weg um ihre Gunst, doch sie weist beide ab, was bei ihrer neuen Freundin und Mitreisenden Agatha Clegg (Thelma Ritter) Bestürzung auslöst.

Nachdem sie einen Überfall der Arapaho überlebt haben, erreichen Lily und Cleve die Mine, um gleich danach herauszufinden, dass diese nun wertlos ist. Daraufhin verlässt Cleve Lily, woraufhin sie wieder einen Job in einem Nachtclub in einer buchstäblichen „Zeltstadt“ findet, wo sie in einem Planwagen lebt. Sie trifft Morgan wieder, und er schlägt ihr auf eine ziemlich unromantische Weise vor zu heiraten, was sie mit „Nein, niemals“ beantwortet.

Später singt Lily in einem Musiksalon auf einem Binnenschiff. Indessen hat Cleve seine erspielten Gewinne in Eisenbahnen und andere Geschäfte in Kalifornien investiert. Zufällig ist er Passagier auf dem Schiff. Als er Lilys unverwechselbare Stimme hört, verlässt er seine Pokerrunde, um sie zu finden. Er macht ihr einen Antrag, sie nimmt an, und sie lassen sich im schnell wachsenden San Francisco nieder.

Der Bürgerkrieg (1861–1865)

Eve hat ihren Mann Linus Rawlings im Sezessionskrieg verloren. Es wird kurz gezeigt, wie der Chirurg im Lazarett seinen Tod erklärt. Ungeachtet ihrer Wünsche tritt ihr gemeinsamer Sohn Zeb (George Peppard) ebenfalls der Armee der Union bei. Die blutige Schlacht von Shiloh zeigt ihm, dass Krieg nicht so ist, wie er es sich vorgestellt hat. Er begegnet einem konföderierten Soldaten, der ebenso desillusioniert ist und Zeb Fahnenflucht vorschlägt, was Zeb auch schon in Betracht gezogen hat.

Zufällig belauschen sie ein vertrauliches Gespräch zwischen den Generälen Ulysses S. Grant (Harrry Morgan) und William T. Sherman (John Wayne). Der Rebell erkennt, dass er die Gelegenheit hat, den Süden von zweien seiner größten Feinde zu befreien und versucht, sie zu erschießen. Das lässt Zeb keine andere Wahl, als ihn zu töten. Danach tritt Zeb wieder seinem Regiment bei.

Am Ende des Krieges kehrt er nach Hause zurück. Dort sieht er als erstes das Grab seiner Mutter. Sein Bruder erklärt ihm, dass ihre Mutter, nachdem sie vom Tod ihres geliebten Mannes Linus erfahren hatte und sie der Lebensmut verlassen hatte, ebenfalls gestorben ist. Zeb entgegnet daraufhin, dass er nur wegen der Mutter nach Hause zurückgekehrt sei und dass ihn hier ansonsten nichts bindet. Er gibt seinen Teil der Farm an seinen Bruder ab und reist nach Westen, um ein aktiveres Leben zu führen.

Plakatmotiv: Das war der Wilde Westen (1962)

Die Eisenbahn (1860er Jahre)

Den wagemutigen Reitern des Pony-Express und der transkontinentale Telegrafenleitung folgend bringen die beiden konkurrierenden Eisenbahnlinien, die Central Pacific Railroad und die Union Pacific Railroad, neue Siedler in das Territorium.

Zeb Rawlings (George Peppard) wird ein Lieutenant in der US-Kavallerie. Mit den Indianern versucht er, mithilfe des Büffeljägers Jethro Stuart (Henry Fonda), eines alten Freundes von Linus, Frieden zu halten. Als der skrupellose Eisenbahn-Angestellte Mike King (Richard Widmark) einen Vertrag verletzt, weil er auf indianischem Territorium baut, rächen sich die Sioux-Indianer, indem sie eine große Büffel-Herde durch sein Lager jagen. Empört gibt Zeb auf und zieht nach Arizona.

Die Desperados (1880er Jahre)

In San Francisco lässt die verwitwete Lily (Debbie Reynolds) das Eigentum ihres Mannes Cleve (Gregory Peck), der ein Eisenbahn-Manager war, versteigern, um die Schulden zu bezahlen. Sie entschließt sich, nach Arizona zu ziehen, in der Hoffnung, dass Zeb Rawlings und seine Familie ihr helfen, den verbliebenen Besitz, eine Ranch, zu übernehmen.

Lily findet ihren Neffen Zeb (nun ein Marshal), seine Frau Julie und ihre Kinder im Westen. Mit der Hilfe des Marshals Lou Ramsey kann Zeb den Überfall auf einen Eisenbahn-Zug durch seinen alten Feind Charlie Gant (Eli Walach) und dessen Bande abwehren. Schließlich reisen Lily und die Rawlings zu ihrem neuen Heim.

Was zu sagen wäre

Ein großangelegter Bilderbogen-Western mit Starbesetzung. Ein Familienalbum mit großem Erzählbogen. Produzent Bernard Smith will die große Bild malen. Deshalb holt er sich drei versierte Regisseure des Westerngenres, die die Siedlergeschichte an einer Familie entlang erzählen sollen. Kleine Spannungsbögen oder Thrillerelemente sind Smiths Vorstellung für diesen Western nicht. Der Film, gefilmt mit neuer Breitwand-Kameratechnik, feiert den Stolz der US-Männer und -Frauen auf das im vergangenen Jahrhundert Erreichte und, ja, auch Erkämpfte. Da passiert es schon mal, dass der freundliche Trapper Trickbetrügern auf den leim und in eine Höhle geschlossen wird. Aber aus der hat er sich binnen zwei Minuten schon wieder befreit und schnell liegen auch die Trickbetrüger tot in der Steppe. Komplexe Handlungselemente hat der Film nicht. Das Große Ganze ist sein Ziel – eine Art Readers Digest für den oberflächlich Interessierten an how the West was Won.

Im Intro erzählt Spencer Tracy aus den friedlichen Tagen des Westens, als die Weißen schon auf dem Kontinent unterwegs waren als Trapper und Fellhändler, die in friedlicher Koexistenz mit den Indianern lebten, „jenseits der unendlichen ebenen hatten sie die Bewohner der Ostküste zurückgelassen. Menschen, die auf eine andere Art ruhelos waren. Die einen Berg anschauen und eine Wasserscheide sehen. Die einen Wald anschauen und Holz für Häuser sehen. Die ein steiniges Feld anschauen und einen Acker sehen. Seit ihre Vorfahren auf dem neuen Kontinent Fuß gefasst hatten, gingen ihre Gedanken und Wünsche nach Westen. Dem Trapper genügte ein Wolfspfad. Er schreckte vor der unwegsamsten Schlucht nicht zurück. Doch für ganze Familien, die sich aufmachen wollten, mussten breitere Wege gefunden werden. (…) Da es eine Eigenheit der Amerikaner ist, ihre Träume zu verwirklichen, wurde dieser Träume Wirklichkeit: Der Erie-Kanal wurde gebaut. Er verband den Hudsonfluss bei Albany mit den großen Seen. Und die Menschen, die sich nach Neuland und einem neuen Leben sehnten, hatten jetzt einen Weg, der sie in den Westen führte. Und sie folgten ihm.

Dass für jene Träume, wie wir heute wissen, zigtausende Ureinwohner ihr Leben lassen mussten, die der amerikanische Volksmund schlicht Indianer nennt, wird nicht weiter thematisiert. Damit ist schon nach fünf Minuten klar: Wir hören die weiße Version der Legende, how the West was won – die Native Americans würden wahrscheinlich von The West Lost sprechen. Aber mit Henry Hathaway und John Ford sitzen mindestens zwei kernige Indianer-Basher auf dem Regiestuhl, die weiße Perspektetive muss man also im Kinoticket einpreisen.

Während des Intro-Monologs fährt die Kamera in einer langen Einstellung durch die Main Street einer Siedlung, die im Aufbruch ist. Und was das für eine Kamera ist. Es sind sogar drei, nebeneinander aufgebaut und miteinander synchronisiert, sodas die jeweils aufgenommenen Bilder nebeneinander projiziert werden können. Das ermöglicht ein viel breiteres Bild – nämlich 2,65:1 – als das herkömmliche Breitwandformat. Das Cinerama genannte System zeigt fantastische Weiten, wenn die Kamera fest steht; wenn sie vorwärts oder rückwärts bewegt wird, sind die Trennlinien zwischen Kamera 1, 2 und 3 deutlich sicht–, in der Breite des Bildes sogar spürbar, weil gerade Linien – also Zäune, Hauswände, Latten – an diesen Stellen des Bildes geknickt werden. Das Experiment, mit der 3-Kameratechnik der Konkurrenz des Fernsehens etwas entgegenzusetzen, ist bewundernswert und deshalb zu begrüßen; es gibt den Bildern etwas sehr plastisches – bisweilen droht das Filmprojekt, an der Schwergängigkeit der Kamera zu ersticken, aber wenn Henry Hathaway das Kamerasystem etwa auf einem Planwagen montiert, im Zentrum die Kutscher und links wie rechts Reiter und Siedler, entsteht eine beeindruckende Dynamik im Bild – ebenso bei einem Indianerangriff auf den Treck, der in gestricktem Galopp aufgeführt wird.

Die Cinerama-Technik irritiert zu Beginn den Sehgenuss, man muss sich erst dran gewöhnen. Aber die eingeschränkte Bewegung dieser Kameratechnik ermöglicht einen simplen, einfachen Blick auf das Geschenk, unverstellt durch Bewegungen und rassige Schnitte, ein Bilderbogen der Besiedlung des Westens zwischen den 30er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts inklusive der simplifizierten Aufdringlichkeiten, mit denen vermögende Männer um Frauen warben („Sie brauchen sich nur um unsere Kinder zu kümmern. Mehr verlange ich nicht.“), die schauspielerisch über das Prädikat holzschnittartig indes nicht hinauskommen. Die große alte Dame der Kodderschnauzen, Thelma Ritter (Der Gefangene von Alcatraz – 1962; „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“ – 1961; „Bettgeflüster“ – 1959; Das Fenster zum Hof – 1954; Alles über Eva – 1950), die hier die Siedlerin Agatha Clegg spielt, klagt an einer Stelle: „Ich habe gehofft, dass ich für diese Reise noch einen Mann abbekomme. Letzte Woche hätt's beinah geklappt.“ „Stellen Sie sich vor: Es heißt, in Kalifornien kommen auf jede Frau 40 Männer. Fräulein Clegg, ich bezahle Sie.“ „Das nützt mir nichts. Ich brauche kein Geld, ich brauche einen Mann! irgendeinen Mann!“) – als das Fernsehen – trotz neuer Cinerama-Kamera-Erfindungen fürs Kino – seinen Siegeszug fortsetzte, machte es das in seinen Serien wie „Bonanza“, „Big Valley“ oder „Rauchende Colts“ mit exakt solchen Szenen, Geschichten und Dialogen.

Die erste Episode zeigt das Pioniervolk als eine große Familie, bei der sich entfernte Verwandte Wiedertreffen und sich rasch verbrüdern – oder gleich küssen. Für romantische Verwicklungen längerwieriger Art ist in diesem historischen Bilderbogen trotz der überlangen Laufzeit kein Platz. Es ist die Zeit, als Weiße auf dem Kontinent noch Trapper waren, heimatfreie Fellhändler, die in den Bergen umherzogen und in der Prairie ihrem Geschäft und Handel nachgingen und die nun, ähnlich wie die Indianer, wenn auch nicht so tödlich, dem modernen Siedlertum weichen sollten. „Ich habe mich einmal für ein Jahr niedergelassen“, sagt Trapper Jethro Stuart – Henry Fonda in ungewohnt verwahrloster Trappermontur („Der längste Tag“ – 1962; „Die zwölf Geschworenen“ – 1957; Der falsche Mann – 1956; „Krieg und Frieden“ – 1956; „Bis zum letzten Mann“ – 1948; „Früchte des Zorns“ – 1940; Der junge Mr. Lincoln – 1939) – „Das hat mich zehn Jahre meines Lebens gekostet. Ihre Mutter muss etwas ganz Besonderes gewesen sein, sonst hätte der alte Linus niemals das Jagen aufgegeben. (…) Ihr Vater und ich wurden aus einem Gebiet in das andere gejagt von Menschen, die nach Westen zogen. Die das Wild töteten und Städte aufbauten. Das hat noch nicht aufgehört! Alle werden sie ihre Versprechen brechen.“, raunt der alte Trapper, bevor er „zurück in die Berge, in die einsamen Berge“ reitet, „wo es keine Menschen gibt, noch nicht!“ Aber es wird sie bald geben, de Eroberung dieses weiten landes durch einfache Siedler, die in friedlicher Koexistenz miteinander leben und arbeiten und etwas aufbauen wollen, ist nicht mehr zu stoppen. Und mit diesem friedliebenden Menschen kommt auch das Böse in Form von Dieben, Mördern und Verführern in den Westen. Glücksspieler, Betrüger, Landräuber und Killer, euphemistisch Revolverhelden gerufern. Nachdem sie in den vorherigen Episoden am Rand immer mal auftauchten, stehen sie in der letzten Episode im Mittelpunkt, sozusagen als letztes Hindernis vor dem Bau eines demokratischen Staatsgebildes.

John Ford hat sich die dankbarste Aufgabe geholt – oder vielleicht habe die Produzenten auch nur Ford diese Episode zugetraut (Der letzte Befehl – 1959; Der schwarze Falke – 1956; Rio Grande – 1950; Der Teufelshauptmann – 1949; Der junge Mr. Lincoln – 1939; Ringo – 1939). Seine Geschichte ist die des Bürgerkriegs, und wie wir aus seinen Kavallerie-Western und aus seinem (einzigen) Bürgerkriegsfilm Der letzte Befehl wissen, kann Ford dem Sezessionskrieg nicht viel abgewinnen. Unmittelbar wird aus dem bisherigen Bilderbogen des Siedlerfilms ein Drama: „Ich hatte mir den Krieg anders vorgestellt. Und ich hatte einen Verwundeten, dem die Gedärme heraushängen, noch nie gesehen.“ Und dann verbünden sich Süd- und Nordstaatler – „Kommst Du mit? Ich weiß nicht, was wir hier noch sollen. (…) Warum überlassen wir den Krieg nicht denen, die ihn haben wollen?“ – fürs gemeinsame Überleben.

In George Marshalls Episode „Die Eisenbahn“ bringt ein Gespräch zwischen Richard Widmark (als Eisenbahnmanager Mike King) und George Peppard, als Sohn des Dynastiegründers James Stewart die Siedlungsproblematik gegen die Indianer auf den Punkt: „Was ist die Eisenbahn überhaupt? Zwei Schienen und eine Pfeife!“ „Es sind nicht die Schienen. Angst haben sie vor etwas anderem. Es ist das, was die Schienen bringen: die Büffeljäger, die rücksichtslos ihre Herden abschlachten. Und dann die Siedler, die kommen werden.“ „Wann wird das sein? In 20, 30 Jahren oder noch später vielleicht. Bis dahin sind wir tot. Was geht uns das an? Wir tun nichts anderes als Schienen durch das Land zu legen. Durch ein Land, das keiner den Ajapachos wegnimmt. Jedenfalls nicht, solange wir leben!“ Für die Sünden der Nachkommen wollen wir ebensowenig verantwortlich gemacht werden wie für die Sünden der Väter. Wir tun doch nur Gutes. Was die anderen daraus machen ist nicht mein Bier.

Marshall inszeniert dann eine Büffelstampede durch das Eisenbahner-Lager, die sehr plastisch über die breite Cinerama-Leinwand donnert und in einer für die Ureinwohner bitteren Erkenntnis gipfelt: „Die Ajapachos kommen bald wieder. Ihren ersten Angriff haben sie mit ihren Tieren geführt, um ein anderes Tier umzubringen, sie nennen es das Eisenpferd.“ „Doch das Tier steht noch da! Unverletzt! Und den zeigen Sie mir, der es umbringt.“ Darin liegt die Bitterkeit der ganzen, zweieinhalbstündigen Siedlergeschichte, die Richard Widmark angesichts eines durch kriegerische Schrecken in Tränen aufgelöstes Kind so zusammenfasst: „Werden Sie nicht sentimental Für die neuen Generationen bauen wir ja!“ Und die Indianer? Für sie hält der weiße Mann in freidlicher Absicht Reservate und Alkohol bereit, sodass der Schlussmonolog dann jubilieren darf: „Aus kleinen Siedlungen und Handelsstützpunkten wurden Städte, die sich mit den größten der Erde messen können. Der Stolz dieses Volkes ist seine Freiheit! Die Freiheit zu träumen, zu handeln und das eigene Schicksal zu gestalten!

Wertung: 3 von 6 D-Mark