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Kinoplakat: Christine
Carpenter künstelt einen
Horror-Klassiker zu Boden
Titel Christine
(Christine)
Drehbuch Bill Phillips
nach der gleichnamigen Romanvorlage von Stephen King
Regie John Carpenter, USA 1983
Darsteller
Keith Gordon, John Stockwell, Alexandra Paul, Robert Prosky, Harry Dean Stanton, Christine Belford, Roberts Blossom, William Ostrander, David Spielberg, Malcolm Danare, Steven Tash, Stuart Charno, Kelly Preston, Marc Poppel, Robert Darnell u.a.
Genre Horror
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
16. März 1984
Website theofficialjohncarpenter.com
Inhalt

Ihre üppigen Rundungen provozieren begehrliche Blicke. Ihre knallrote Farbe signalisiert Sex. Sie hört auf den Namen Christine – und sie hat den Teufel im Chassis. Sie gehorcht nur dem, den sie in ihr kaltes Blechherz geschlossen hat. Und wehe denen, die sich ihr in den Weg stellen.

Arnie, kurzsichtig und verklemmt, liebt nur seinen 58er Plymouth Fury – seine Christine – und sie macht aus ihm einen arroganten Schnösel. Eine Kette unerklärlicher Todesfälle ruft bald die Polizei auf den Plan. Doch erst Dennis und Leigh erkennen, dass Christine hinter allem steckt.

Werden sie Christine zur Strecke bringen … oder ist Christine schneller?

Was zu sagen wäre

Nach 50 Minuten greift John Carpenter (s.u.) erstmals spürbar in die Tasten seines Synthesizers. Es folgt die erste emotionale Szene. Aber bis dahin dauert es eben 50 Minuten, in denen wenig geschieht. Nach einem fulminanten Einstieg, der die Geburt des unheimlichen Autos erzählt, nimmt Carpenter das Tempo raus – als wolle er mit den stummen Mitteln des europäischen Autorenfilms der 1960er Jahre einen US-Horrorfilm der 1980er Jahre designen.

In der Romanvorlage lässt sich Stephen King wortgewandt Zeit, bis Christine das erste Mal erkennbar allein handelt – da war bis dahin noch keine Seite langweilig. In dieser Zeit baut Carpenter sein Figurenkabinett rund um den PS-starken roten Plymouth auf, als besetze er eine 22-teilige TV-Serie; analog zu seiner Titelheldin könnte man sagen, der Film läuft 50 Minuten im Leerlauf.

Der Begriff Romanvorlage ist hier allerdings nur bedingt richtig. Roman und Filmscript entstanden zeitgleich. Und wie so oft in solchen Fällen wurden auch bei dem Drehbuch zu diesem Film einige Teile aus der Romanvorlage weggelassen oder verändert. Die Hauptarbeit machen sich Maske, SFX und die Techno-Crews drumherum. Carpenter setzt auf auf jugendliches Testosteron, Lack, Leder und Rock 'n' Roll-Musik. Aber wann immer er sein kunstvolles Thrillerhandwerk mit seiner Musik verknüpfen kann, nimmt der Film plötzlich Fahrt auf. Aber in seiner Hauptsache zeigt er exemplarisch die Grenzen auf zwischen Lesetext und Guckfilm.

Stephen King hat kaum eine Seite seines Romans langweilig erzählt. Die bedingungslose Liebe Arnies zu seiner Christine ist zu jeder Zeit zwingend. Da wirkt nichts gekünstelt. Im Film wirkt alles gekünstelt. Das Eigenleben, dass der Wagen besitzt, ist im Film entpersonifiziert, namenlos. Im Roman hatte der Geist ein Gesicht, zufällig das des toten Erstbesitzers des Wagens, der in der Lage ist, als Geist in seinem ehemaligen Auto fortzuleben und es auch zu steuern. Im Film kommt dieser Aspekt nicht vor. Jetzt könnte man sagen, auch Hitchcock hat seinen "Birds" kein Motiv gegeben, das hat wunderbar funktioniert. Bei Carpenter funktioniert es nicht, dafür sind die Figuren um das Auto herum zu uninteressant. King kann seine an sich krude Story kunstvoll mit Gesichtern, Individuen erzählen, Carpenter steht eine Gruppe hübscher, schnuckliger, letztlich aber austauschbarer Teenager zur Verfügung, die gar keinen Bezug zum Film herstellen.

Die Maske würdigt die Hauptakteure herab zu Abziehbildchen seliger, aber eben vergangener Grease-Zeiten. In einem entpersonifizierten Film aber wirkt eben auch ein brennendes, durch die Straßen fahrendes und Menschen mordendes Auto schnell schal. Die Szene, in der Christine sich selbst repariert, hat im ersten Moment viel Charme, ist dann aber rasch auch nur ein Special Effect, bei dem die reale Aufnahme rückwärts laufend projiziert wird, so what? Nur von der Geschichte bleibt eben nichts hängen bei diesem Film, weil die Figuren zweidimensional und durchsichtig sind … die meisten jedenfalls.

Einen wunderbaren Auftritt legt Harry Dean Stanton als Inspector hin. Eine in Filmen dieser Kategorie schmerzhaft vermisste Note Realismus. Stanton hatte einen historischen Auftritt als „Brain“ in Carpenters Die Klapperschlange (1981) und gilt spätestens seither als Kult. Er erdet diesen Film mit der dreidimensionalen Performance eines Mannes, der einfach nur seinen Job macht, aber den auch unbedingt.

Wertung: 3 von 9 D-Mark
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