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Plakatmotiv: Point Blank (1967)
Ein britisch kalter Blick auf
die sonnige Kalifornia-Welt
Titel Point Blank
(Point Blank)
Drehbuch Alexander Jacobs + David Newhouse + Rafe Newhouse
nach dem Roman „Jetzt sind wir quitt“ („The Hunter“) von Donald E. Westlake
Regie John Boorman, USA 1967
Darsteller

Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, Carroll O'Connor, Lloyd Bochner, Michael Strong, John Vernon, Sharon Acker, James Sikking, Sandra Warner, Roberta Haynes, Kathleen Freeman, Victor Creatore, Lawrence Hauben, Susan Holloway u.a.

Genre Thriller
Filmlänge 92 Minuten
Deutschlandstart
1. März 1968
Inhalt

Sie haben Walker übers Ohr gehauen, haben sich seinen Anteil von 93.000 Dollar unter den Nagel gerissen. Und ihn ließen sie liegen, weil sie ihn für tot hielten.

Aber sie haben ihren Job nicht gründlich gemacht. Ihr Pech. Walker gelingt die Flucht und verfolgt von nun an nur ein Ziel: sich zu rächen und sein Geld wiederzubeschaffen. Als Walker seine Ex, Lynne, ausfindig macht, begeht diese Selbstmord. Reese ist durch das Geld in einer Verbrecherorganisation, die nur „die Organisation“ genannt wird, aufgestiegen.

Plakatmotiv (US): Point Blank (1967)Lynnes Schwester Chris hilft Walker, in das schwer bewachte Penthouse von Reese vorzudringen. Reese nennt Walker die Namen der Anführer der Organisation, die seinen Anteil beschaffen könnten.

Walker macht sich auf die Suche nach den Anführern, verfolgt von einem Auftragskiller. Schließlich bietet ihm die Organisation eine Geldübergabe an, wieder im verlassenen Alcatraz. Einer der Anführer, Fairfax, nutzt die Gelegenheit, sich seiner Konkurrenz zu entledigen …

Was zu sagen wäre

John Boorman ist Brite. Ein erfahrener Regisseur von TV-Serien und -Dokumentationen. Eine Art Forscher also. Sein jüngstes Objekt – und erst zweiter Kinofilm – ist eine Rachegeschichte, die in den USA spielt, in Los Angeles, dem dunklen Melting Pot, in dem man die US-Gesellschaft wie durch ein Brennglas erforschen kann. Das tut Boorman dann 90 Minuten lang, mit einem kantigen, wortkargen Lee Marvin in der Hauptrolle, der als verratener Walker keinerlei Skrupel kennt.

Boorman schenkt Marvin zwei bemerkenswerte Szenen, einmal, wenn Marvin hinter seiner Ex-Frau ins Schlafzimmer stürmt und wie wild das leere Bett zerschießt. Und später, als Angie Dickinson ihn in stummer Wut schlägt und schubst und schlägt, und Marvin sich davon nullkommanull beeindrucken lässt.

Boorman inszeniert diese Vereinigten Staaten, die ja immer auch so etwas wie die geile kleine Schwester Großbritanniens ist, die es mit Gewalt und Gitzer weiter gebracht hat, als das Königreich auf der Insel fern im Osten, als neonbuntes Fantasyland mit schönen Prinzessinnen und bösen Drachen, die dieses begatten wollen und von den stärkeren unter den Prinzessinnen am Nasenring durch die Manege geführt werden. Erstaunlich, wie selbst eiskalte Killer angesichts einer Frau wie Angie Dickinson sofort alles Misstrauen fahren und sich vom Balkon werfen lassen.

Boormans Neo-Noir-Krimi ist eine kalte Betrachtung einer Welt, in der sich alles um Geld dreht, innerhalb einer „Organisation“, deren Geschäftszweck – „Wir sind eine Kapitalgesellschaft!“ – über das Geld machen hinaus im Dunkeln bleibt; ein Schelm, wer dem Briten unterstellt, bei dieser Los-Angeles-Organisation, die für Geld über Frauen und Tote geht, gefilmt im bunten New-Wave-Stil, könne es sich auf der Metaebene um eine Spitze gegen die Filmindustrie handeln. „Wenn man die Leute hier mit was beauftragt, passiert genau nichts!“, klagt ein hohes Tier aus der „Organisation“.

Der auf den ersten Blick erwartbar harte Actioner erweist sich als stille Begleitung eines wortkargen Hafenarbeiters, der sein Recht will – und 93.000 Dollar. Abgesehen von einigen Ausbrüchen von Gewalt bleibt der bunte Film sowas wie ein Stummfilm. In Kalifornien scheint zwar dauernd die Sonne, aber von Wärme ist im britischen Blick auf die amerikanische Westküstenwelt nichts zu spüren.

Wertung: 6 von 8 D-Mark
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