Kinoplakat: JFK – Tatort Dallas

Oliver Stones Verschwörunugsthriller
verwischt Fakten mit Fiction

Titel JFK – Tatort Dallas
(JFK)
Drehbuch Oliver Stone + Zachary Sklar
nach Informationen von Jim Garrison („On the Trail of the Assassins”) + Jim Marrs („Crossfire: The Plot That Killed Kennedy”)
Regie Oliver Stone, USA 1991
Darsteller Kevin Costner, Gary Oldman, Sissy Spacek, Tommy Lee Jones, Joe Pesci, Donald Sutherland, Jack Lemmon, Walter Matthau, Jim Garrison, Kevin Bacon, Laurie Metcalf, Beata Pozniak, Michael Rooker, Jay O. Sanders, Brian Doyle-Murray, Gary Grubbs, Wayne Knight, Jo Anderson, Vincent D'Onofrio, Pruitt Taylor Vince u.a.
Genre Drama, Biografie
Filmlänge 189 Minuten
Deutschlandstart
23. Januar 1992
Inhalt

22. November 1963 +++ Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, John Fitzgerald Kennedy, fällt einem Attentat zum Opfer +++ In der Innenstadt von Dallas +++ Die daraufhin eingesetzte Warren-Kommission stellt fest: Kennedy wurde von einem Einzeltäter erschossen +++ Lee Harvey Oswald. Oswald wird auf dem Weg zum Verhör von Jack Ruby erschossen +++ der Mordfall Kennedy wird zu den Akten gelegt.

Drei Jahre später: Der Staatsanwalt von New Orleans, Jim Garrison, geht Kontakten Oswalds in New Orleans nach. Er findet Spuren, die bis in die Spitzen des Weißen Hauses reichen. Eine Verschwörung?

Zeugen sterben +++ die Garrison-Familie wird bedroht +++ Aus Washington meldet sich ein Kronzeuge, der statt Antworten Fragen hat +++ ein SUPER-8-Film, der den getroffenen Kennedy zeigt, verdeutlicht den wundersamen Zick-Zack-Kurs einer der tödlichen Kugeln.

Für Garrison steht fest: Kennedy musste sterben, weil seine Politik der Öffnung einem „militärisch-industriellen Komplex” zuwider läuft, einer Gruppe einflussreicher Männer, die unter anderem deshalb gute Geschäfte machen, weil der Vietnam-Krieg begonnen hat. Selbst der Vize-Präsident gerät unter Verdacht …

Was zu sagen wäre

Ein Aufschrei ging durch die USA: Politik, Medien und Historiker schlachteten Stones Werk schon während der Drehbuchphase. Seine Verschwörungstheorie, die er im Film an zahllosen Indizien entlang knüpft, wollte niemand hören und tatsächlich machte Stone den Fehler, seinen Präsidenten Kennedy allzu kritiklos zu feiern. Daher fiel die Kritik seiner Gegner nicht schwer. Was nun tatsächlich wahr ist und was nicht, ist nach wie vor ungeklärt. Viele wichtige Akten zum Fall schlummern in den fest verschlossenen Kellern der Geheimdienste.

Was bei all dem Geschrei übersehen wird, ist, wie dynamisch Stone die Geschichte erzählt. Seine Technik der schnellen Schnitte, die er hier zur Perfektion treibt, ließ dem Zuschauer keine Denkpause. Wer nicht von Anfang an bei der Sache ist, verliert irgendwann den Faden und steigt entweder aus oder glaubt unhinterfragt alles, was Stone ihm vorsetzt. Rein filmtechnisch ein Meilenstein – Stones Kameramann Robert Richardson leistet wieder ganze Arbeit – aber im gesamthistorischen Kontext gesehen, bleibt „JFK“ ein fragwürdiger, weil den Zuschauer gnadenlos manipulierender Film.

Ungeachtet all der Kritik wurde der Film in acht Kategorien für den Oscar nominiert. Robert Richardson (Kamera) bekam ihn schließlich ebenso wie Joe Hutching und Pietro Scalia (Filmschnitt). Hutching darf sich bei Stone bedanken, zweimal den Oscar bekommen zu haben – auch für seinen Schnitt an Geboren am 4. Juli hatte Hutching den Goldjungen bereits bekommen.

Jim Garrison, der Staatswanwalt New Orleans, dessen Erinnerungen Stone in weiten Teilen folgt, und den Kevin Costner (Der mit dem Wolf tanzt – 1990; Feld der Träume – 1989; No way out – Es gibt kein Zurück – 1987; Die Unbestechlichen – 1987; „Silverado“ – 1985) im Film spielt, taucht selbst in einer kleinen Nebenrolle auf.

Wertung: 10 von 10 D-Mark