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Plakatmotiv: Der eiskalte Engel (1967)
Eine Parabel auf das Leben an sich
Titel Der eiskalte Engel
(Le samouraï)
Drehbuch Jean-Pierre Melville + Georges Pellegrin
Regie Jean-Pierre Melville, Frankreich, Italien 1967
Darsteller Alain Delon, François Périer, Nathalie Delon, Cathy Rosier, Jacques Leroy, Michel Boisrond, Robert Favart, Jean-Pierre Posier, Catherine Jourdan, Roger Fradet, Carlo Nell, Robert Rondo, André Salgues, André Thorent, Jacques Deschamps u.a.
Genre Crime
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
13. Juni 1968
Inhalt

Nach dem Mord an einem Jazzclubbesitzer wird der Auftragskiller Jef Costello bei einer Razzia von der Polizei festgenommen. Doch die Hauptzeugin des Mordes, die den Täter eindeutig erkannt hat, deckt Costello. Der wird freigelassen, aber weiterhin beschattet.

Durch die ungewollte Nähe zur Polizei stellt er eine Gefahr für den Auftraggeber des Mordes dar, der nun Costello selbst ans Leben will. Costello gerät zwischen die Fronten. Da er sich das Motiv der Pianistin nicht erklären kann, sucht er sie auf und stellt sie zur Rede.

Plakatmotiv: Der eiskalte Engel (1967)In seinem Appartement wird er von einem Killer seiner Auftraggeber überrascht. Diese wollen ihm noch eine Chance geben und bezahlen ihn für einen weiteren Mord, wobei die Identität des Opfers im Unklaren bleibt. Costello überwältigt den Killer und erfährt von ihm den Namen seines Auftraggebers. Diesen erschießt er in dessen Wohnung. Wohl wissend, dass er von der Polizei überwacht wird, sucht er den Nachtklub auf …

Was zu sagen wäre

Wenn sich im Kino das Paralleluniversum des Lebens manifestiert, manifestiert sich in diese Film das Paralleluniversum dieses Universums. Jean-Pierre MelvillesFilm spüielt in einem diesigen, nasskalten Paris abseits der Postkartenmotive. Eiffelturm, Arc de Triomphe suchen wir vergeblich, erst eine in ihrer Ruhe fulminanten Verfolgung diurch die Metrostationen der Stadt lassen die Lokalisierung zu.

Der Film ist reduziert auf das allernotwendigste. Dialoge kommen kaum vor, Frauen, die dem Auftragskiller ein Alibi verschaffen, sagen lediglich mal „Ich liebe es, wenn Du zu mir kommst. Weil Du mich dann brauchst.“ Wenn dann zwei Polizisten in Jefs Appartememnt eine Wanze installieren, ist nicht klar, was sie damit bezwecken. Der Mann lebt allein und mit seinem Dompfaff im Käfig spricht er nicht. Aber der offenbar mit ihm, denn Jef findet die Wanze, nachdem ihm an seinem Haustier etwas aufgefallen ist. Was das ist, bleibt unklar, wie so manches in diesem Film an der Nahtsteller zwischen nouvelle vague und film noir, der eine Parabel auf das Leben an sich ist, beschrieben – ausgerechnet – aus der Sicht eine Killers.

Die Polizeiarbeit im Film ist anders als die, die wir aus dem Kino sonst kennen. Die Beamten verschaffen sich ohne Durchsuchungsbefhel Zutritt zu Wohnungen, bringen ohne reichterlichen beschluss Wanzen an, haben auf die Schnelle 70 Beamte zur Verfügung, die einem Mann, der möglicherweise ein Killer ist, der aber zwei harte Alibis und eine Zeugin auf seiner Seite hat, durch die ganze Stadt jederzeit auf den Fersen bleiben. Die zunehmende Zahl von Polizisten, die Melville keine Polizeiarbeit vorführen lässt,  ist die Allegorie auf einen tödlichen Virus, der den Hauptdarsteller befällt und ihn schließlich in die Knie zwingt.

Plakatmotiv (Fr.): Le samouraï – Der eiskalte Engel (1967)Dieser Mann, den Melville zu Beginn mit einem einem fiktiven, aber eleganten Zitat aus dem „Buch der Samurai“ („Es gibt keine größere Einsamkeit als die eines Samurai, außer vielleicht die eines Tigers im Dschungel“) und einem leichten Vertigo-Effekt einführt, bei dem der Zuschauer sich nicht sicher ist, ob nicht vielleicht nur die Filmkopie einen Schaden an der Stelle hat, und den er später immer wieder durch verregnete Scheiben zeigt, wie er das Alltagsleben um sich herum teilnahmslos an sich vorbeiziehen lässt, nur fixiert auf seine eine Aufgabe, verliert den Sinn in seinem Leben, nachdem seine Auftraggeber ihn ausschalten wollen; gleichzeitig verliebt er sich in die Pianistin, ein Umstand, der sein bisherigen Leben unmöglich macht, denn – auch das zeigt Melville in beeindruckenden Bildern – das Leben eines Mannes, der für Geld tötet, ist ein einsames Leben, das sich nicht mit gesellschaftlichen Konventionen verbinden lässt. Als also Jef gleichzeitig Arbeitgeber und Einsamkeit verliert, verliert er sein Leben. Die Pianistin, die er am Ende des Films mit einer nicht geladenenen Waffe bedroht, wird sein Todesengel, in deren Arme er sich freiwillig begibt.

Wertung: 8 von 8 D-Mark
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