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Plakatmotiv: Borsalino (1970)
Delon und Belmondo als Traumpaar
in einem eleganten Gangsterkrimi
Titel Bandolero – Die Losleger
(Borsalino)
Drehbuch Jean-Claude Carrière + Jean Cau + Jacques Deray + Claude Sautet
nach dem Roman „Bandits a Marseille“ von Eugène Saccomano
Regie Jacques Deray, Frankreich, Italien 1970
Darsteller Jean-Paul Belmondo, Alain Delon, Catherine Rouvel, Françoise Christophe, Corinne Marchand, Laura Adani, Nicole Calfan, Hélène Rémy, Odette Piquet, Mario David, Lionel Vitrant, Dennis Berry, Jean Aron, André Bollet, Pierre Koulak u.a.
Genre Crime, Drama
Filmlänge 125 Minuten
Deutschlandstart
15. August 1970
Inhalt

Im Marseille der 1930er-Jahre wird der Kleingangster Roch Siffredi aus dem Gefängnis entlassen und macht sich auf die Suche nach seiner Begleiterin Lola. Siffredi muss allerdings feststellen, dass Lola inzwischen mit dem Ganoven François Capella zusammen ist. Trotz – oder wegen – einer Schlägerei werden Siffredi und Capella rasch Freunde und schließen sich zusammen.

Die beiden übernehmen anfangs einige Aufträge für einen lokalen Gangster. Nachdem sie die Konkurrenz auf dem Fischmarkt ausgeschaltet haben, beschließen sie, gemeinsam die Stadt zu übernehmen. Ohne Skrupel greifen sie Poli, einen der beiden Marseiller Paten, außerdem Besitzer eines Restaurants und des Fleischmarktes der Stadt, an. Aufgrund eines Verräters misslingt die Vernichtung von Polis Fleischvorräten jedoch und der Pate hetzt seine Männer auf sie. Nach ihrer Flucht ziehen sich Capella und Siffredi vorerst aufs Land zurück, wo sie neue Mitglieder in ihre Bande aufnehmen, sich neue Waffen beschaffen und ihre Vergeltungsaktion vorbereiten. Bei ihrer Rückkehr töten sie Poli vor seinem Restaurant und sichern sich damit ihren Platz unter den Standespersonen von Marseille.

Als Maitre Rinaldi eines Tages seine Kandidatur für die Stelle des Abgeordneten verkündet, will Roch eingreifen, denn Rinaldi ist der Anwalt von Marello, einem Casinobesitzer, mit dem sie sich die Stadt teilen …

Was zu sagen wäre

Wenn ein Gangsterkrimi im Titel den Namen einer Hutmarke für den gehobenen Anspruch trägt, darf man annehmen, dass es zwar um Gangster geht, um Maschinenpistolen und seufzende Witwen. Aber auch um Stil. Die beiden Freunde, die sich an die Spitze der Unterwelt in Marseille schießen, tragen nur teures Tuch, der eine, Siffredi, dazu die titelgebenden Hüte, der andere, Capella, schiefe Fedoras à la Humphrey Bogart oder Schiebermützen – braune Nadelstreifen, Smoking und eng sitzende Dreiteiler runden die Kleidung ab. Die beiden Herren genießen ihren Stil, jeder seinem Image entsprechend.

Jacques Deray hat unter Mithilfe seines Produzenten Alain Delon die beiden Kerle des französischen Films aufeinander losgelassen – Alain Delon und Jean-Paul Belmondo, die schon in „Brennt Paris?“ 1966 mal gemeinsam vor der Kamera standen – und siehe da, die Chemie zwischen den beiden funktioniert prächtig. Kein Diventerror, kein Stellungskrieg männlicher Eitelkeuit, die Schauspieler ergänzen sich, der eine, Delon, ruhig, die Dinge auf sich zukommen lassend und und dann zielbewusst kalt in seinen Entschlüssen („Der Clan der Sizilianer“ – 1969; „Der Swimmingpool“ – 1969; Der eiskalte Engel – 1967; „Die Abenteurer“ – 1967; „Millionenraub in San Francisco“ – 1965; „Die Hölle von Algier“ – 1964; „Die schwarze Tulpe“ – 1964; „Der Leopard“ – 1963; „Rocco und seine Brüder“ – 1960; „Nur die Sonne war Zeuge“ – 1960), der andere, Belmondo, als der Draufgänger, der seine Chance im Angriff sieht, immer ein Lächeln um die Mundwinkel, dabei hart in der Sache.

Das Wort Traumpaar kommt mir in den Sinn, was im allgemeinen für (Liebes)Paare auf der Leinwand strapaziert wird; die beiden führen sowas auf wie eine homoerotische Liebe. Dass beide auf Frauen stehen, macht Deray schnell deutlich, wenn die auch nur als Staffage oder Spielbällchen durchs Bild laufen – man weiß nie so recht, mit wem Belmondos Capella gerade liiert ist. Aber als sich Siffredi und Capella nach einem Streit längere Zeit nicht sehen, sind beide kreuzunglücklich. Frauen in knappen Klamotten gibt es in diesem Film, in dem zahlreiche Huren vorsprechen, nicht. Dafür aber die definierten, enthaarten Körper Delons und Belmondos im Schwimmanzug.

Jacques Deray hat seinem Produzenten ordentlich Geld aus der Tasche gezogen, um ein elegantes, teures Dekor auf die Leinwand zu bringen. Das wird dem Produzenten recht gewesen sein, weil er ahnt, dass er in teurem Ambiente noch besser zur Geltung kommt. Alles an diesem Film, der in den 30er Jahren spielt, als man sich von der Weltwirtschaftskrise erholte und man Pfründe noch mit Maschinengewehren erobern konnte, wirkt teuer. Natürlich sind Delon und Belmondo („Das Geheimnis der falschen Braut“ – 1969; „Das Superhirn“ – 1969; Casino Royale – 1967; Der Dieb von Paris – 1967; „Der Schlaufuchs“ – 1966; „100.000 Dollar in der Sonne“ – 1964; „Abenteuer in Rio“ – 1964; „Die Millionen eines Gehetzten“ – 1963; „Der Teufel mit der weißen Weste“ – 1963; „Ein Affe im Winter“ – 1962; „Cartouche, der Bandit“ – 1962; „Der Panther wird gehetzt“ – 1960„Ausser Atem“ – 1960) die halbe Miete, sie tragen uns durch den Action- und Gangster-Thriller. Aber auch die Montage, der Rythmus, der lockerflockige Score tragen zum sehr gelungenen Gesamtbild bei.

Lose orientiert sich Deray in seinem Film an dem Roman „Bandits a Marseille“ von Eugène Saccomano, in dem er das Leben der beiden französischen Gangsterbosse François Spirito und Paul Carbone beschrieb. Der Thriller war in Frankreich ein so großer Kassenerfolg, dass Deray 1974 auch in die Fortsetzung Borsalino & Co. drehte – allerdings ohne Belmondo.

Wertung: 8 von 8 D-Mark
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