Kinoplakat: Jack Reacher – Kein Weg zurück
Abstruse Story,
unnterhaltsamer Film
Titel Jack Reacher – Kein Weg zurück
(Jack Reacher: Never Go Back)
Drehbuch Richard Wenk + Edward Zwick + Marshall Herskovitz
nach dem Roman „Jack Reacher: „Die Gejagten“ von Lee Child
Regie Edward Zwick, USA 2016
Darsteller Tom Cruise, Cobie Smulders, Aldis Hodge, Danika Yarosh, Patrick Heusinger; Holt McCallany, Robert Knepper, Judd Lormand,Christopher Berry, Hunter Burke, Jason Douglas, Lizeth Hutchings, Marisela Zumbado, Alexandra Lucchesi, Madalyn Horcher u.a.
Genre Thriller, Action
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
10. November 2016
Inhalt

Es war keine gute Idee, zurückzukommen: Als der ehemalige Militärpolizist Jack Reacher seine alte Wirkungsstätte in Washington, D.C. besucht, wo er die Frau treffen will, die seinen ehemaligen Job macht, ist die nicht in ihrem Büro, sondern im Knast.

Major Susan Turner wurde wegen angeblichen Verrats in ein Hochsicherheitsgefängnis gesteckt. Außerdem erfährt Reacher, dass eine Ex-Prostituierte Geld von ihm will – offenbar hat er eine Tochter, die 15-jährige Samantha. Reacher tut das, was er am besten kann: Er befreit Turner aus dem Gefängnis und macht sich mit ihr samt potentieller Tochter auf die Flucht, verfolgt von einem hocheffizienten Killer.

Dabei decken Reacher und Turner Stück für Stück eine Verschwörung auf, die etwas mit der Vergangenheit des Einzelkämpfers zu tun hat …

Was zu sagen wäre

Ich mag solche Filme, obwohl ihr Drehbuch offensichtlicher Scheiß ist. Würde ich die Story ernst nehmen, im englischen nennen sie das literally, müsste ich das Kino nach zwanzig Minuten verlassen; tue ich aber nicht, weil der Film Spaß macht.

Draußen an der friaschen Luft müsste ich mich nämlich dann fragen, „was ich denn im Kino erwarte“. Kino ist nicht nur Kunstform; und damit hehres Produkt geistig begnadeter Multimedia-Erzähler. Kino ist – und war das vor allem in seiner ganz ursprünglichen Form schon – ein Medium der Überrollung. Eines der allerersten Leindwandmotive überhaupt zeigte Ende des 19. Jahrhunderts eine Lokomotiove, die über eine Kamera, die im Gleisbett lag, hinwegrollte. Für die Zuschauer im Saal war das – Ende des 19. Jahrhunderts – eine ungewohnte, also sehr erschreckende Situation. Ende des 19. Jahrhunderts gab es noch keine Special Effects.

Heute gibt es Special Effects., wo niemand sie erwartet. Für das Genre des Hollywood(wannabe)-Blockbuster-Movie sind sie unerlässlich und auch in diesem zweiten Jack-Reacher-Abenteuer laufen Tom Cruise und – in dieser Folge – Cobie Smulders andauernd vor (nur sehr schlecht cachierten) Green Screens herum. Auf saubere Digital-Effekte also hat Edward Zwick („Bauernopfer – Spiel der Könige“ – 2014; Last Samurai – 2003; Ausnahmezustand – 1998; Mut zur Wahrheit – 1996; Legenden der Leidenschaft – 1994; Nochmal so wie letzte Nacht – 1986) offenbar keinen gesteigerten Wert gelegt. Er treibt statt dessen die Handlung voran, lässt den unbesiegbaren, immer einen Schritt schneller denkenden Titelhelden in immer abstruserer Situationen geraten – das kennen wir aus dem ersten Jack-Reacher-Film.

Und diesmal kommt uns der Superagent als eine Art Familienvater – inklusive Frau und Kind. Und alle sind highly concentrated on the Job to be done. Tom Cruise (Edge of Tomorrow – 2014;Oblivion – 2013; Knight and Day – 2010; Krieg der Welten – 2005; Collateral – 2004; Minority Report – 2002; Vanilla Sky – 2001; Magnolia – 1999; Eyes Wide Shut – 1999; Jerry Maguire: Spiel des Lebens – 1996; Mission: Impossible – 1996; Eine Frage der Ehre – 1992; Tage des Donners – 1990; Geboren am 4. Juli – 1989;Cocktail – 1988; Die Farbe des Geldes – 1986; Top Gun – 1986; Legende – 1985; Der richtige Dreh – 1983; Die Outsider – 1983) nimmt sich die Freiheit, in dieser Tom-Cruise-Production Cobie Smulders zu besetzen (The Avengers 2: Age of Ultron – 2015; Captain America – The Winter Soldier – 2014; Der Lieferheld – Unverhofft kommt oft – 2013; Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht – 2013; The Avengers – 2012). Die „Robin“ aus der früheren TV-Serie „How I met Your Mother“ ist so eine Art Love Interest, nur ohne Romance, dafür mit harten Faustschlägen; eine, die fast so clever ist wie Reacher. Dazu gesellt sich ein junges Mädchen, welches das Drehbuch irgendwie Reacher aus irgendeinem nebulösen Grund als leibliche Tochter nach einem One-Night-Stand andichten will. Die genauen Hintegründe spielen keine Rolle, Reacher übernimmt auch – ohne diesen One-Night-Stand je gehabt zu haben – die Vaterrolle. Das ist herzig und softet die sonst nahezu ausschließlich in Action und Gewalt badende Handlung ein wenig (und bietet natürlich Erpresdsungsmaterial à la Wir haben das Mädchen …).

Die Jack Reacher-Romane sind unterhaltsame, aber wenig realistische Actionromane und dabei ist die kritische Anmerkung des wenig realistischen schon spießig. Eine „Jack Reacher“-Story heißt nichts anderes als Entertainment. Natürlich ist die Story hanebüchen. Würde die US-Army so plump agieren, wie in diesen Geschichten, wäre das Image einer Großmacht USA kaum aufgekommen. Aber um die Realität und solche Sachen wie Wahrhaftigkeit sollen sich andere kümmern.

Spaß hat‘s gemacht!

Wertung: 5 von 8 €uro