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Plakatmotiv: Mackenna's Gold (1969)
Eine Schatzsuche aus dem Limbo des Kinos.
Aufregend, wild besetzt; und doch ganz egal.
Titel Mackenna's Gold
(Mackenna's Gold)
Drehbuch Carl Foreman
nach dem gleichnamigen Roman von Henry Wilson Allen (unter dem Pseudonym Will Henry)
Regie J. Lee Thompson, USA 1969
Darsteller Gregory Peck, Omar Sharif, Telly Savalas, Camilla Sparv, Keenan Wynn, Julie Newmar, Ted Cassidy, Lee J. Cobb, Raymond Massey, Burgess Meredith, Anthony Quayle, Edward G. Robinson, Eli Wallach, Eduardo Ciannelli, Dick Peabody, Rudy Diaz, Robert Phillips, Shelley Morrison, Robert Porter, David Garfield, Pepe Callahan, Madeleine Taylor Holmes, Duke Hobbie, Victor Jory, Robert Rietty, Trevor Bardette u.a.
Genre Western, Abenteuer
Filmlänge 128 Minuten
Deutschlandstart
18. März 1969
Inhalt

Einer alten Geschichte zufolge soll es im danach so benannten Cañyon del Oro eine Unmenge an Gold geben, das von den Geistern der Apachen bewacht wird. Ein Mann namens Adams entdeckte das Edelmetall einst, aber die Indianer fanden ihn, brachten ihn um sein Augenlicht und töteten seine Begleiter. Als etliche Jahre später der US-Marshal Sam MacKenna den alten Häuptling Prairie Dog in Notwehr erschießt, findet er bei ihm eine Karte, die anscheinend den Weg zu besagtem Gold zeigt. Der Träger des Blechsterns selbst glaubt nicht an die Existenz des sagenumwobenen Schatzes, prägt sich allerdings die Karte ein, bevor er sie verbrennt.

Der mexikanische Gesetzlose John Colorado und seine Bande hatten den Häuptling wegen der Karte verfolgt. Zu diesem Zweck drang Colorado in das Haus von Richter Bergerman ein, stahl Proviant sowie Mulis für seine Expedition, tötete den nach einem Gewehr greifenden alten Juristen und entführte dessen Tochter Inga, um sich vor eventuellen Verfolgern zu schützen. Als Colorado danach MacKenna in freier Wildnis begegnet, nimmt er an, dass dieser selbst hinter der Reichtum versprechenden Karte her war. Als aber klar wird, dass jenes Dokument des alten Prairie Dog verbrannt wurde, hofft er auf die erzwungene Mithilfe Ingas, um den Cañyon del Oro doch noch zu finden. Immerhin kennt Colorado den Marshal von früher: MacKenna ließ ihn damals aus dem Bundesstaat verweisen, als er mit einer Indianerin namens Hesh-ke liiert war. Sie gehört jetzt zur Bande Colorados und zeigt ihrerseits gleich wieder Interesse an dem attraktiven Weißen. Der großgewachsene Indianer Hachita, einer der zwei wichtigen Handlanger Colorados – der andere ist Sanchez –, beobachtet diese Konstellation mit berechtigtem Argwohn.

Colorado hält MacKenna und Inga in seinem mitten in der Felsenlandschaft gelegenen Versteck gefangen, wo er sich sicher fühlt. Doch einer seiner Spießgesellen, Laguna, ist seit längerer Zeit überfällig; es stellt sich heraus, dass er zur Bande von Ben Baker übergelaufen ist und das geschützte Colorado-Domizil verraten hat. Alsbald taucht Baker, der auch von der Karte weiß, vor dem Eingang auf und erpresst Colorado; dieser muss nachgeben. Doch Baker ist nicht nur mit seinen Getreuen gekommen, denn die Nachricht von der Goldkarte hat eine Menge anderer Bürger in helle Aufregung versetzt. So wohnen den Verhandlungen der beiden Schurken unter anderem bei: Ein Zeitungsherausgeber, ein Ladenbesitzer, zwei Engländer und sogar ein alter Priester. Und auch der ehemalige Entdecker des Goldschatzes, der blinde Adams, ist samt Sohn zugegen. Immer wieder versucht MacKenna, diesen Männern die Suche auszureden – doch vergebens, zumal er von Colorado immer wieder als Mörder von Prairie Dog hingestellt wird.

In der Gegend patrouilliert auch, alarmiert vom Tod Bergermans, eine Schwadron der Kavallerie unter dem Kommando eines Sergeant Tibbs, der – wie sich alsbald herausstellt – ebenfalls vom Goldfieber gepackt ist. Colorado will die Uniformierten umgehen, indem er eine völlig betrunkene Indianerin zu den Soldaten schickt. Die freilich wird von Tibbs schnell zur Preisgabe des Kartengeheimnisses gedrängt; danach legt er mit seinen Männern einen Hinterhalt, dem viele der zur Goldsuche Aufgebrochenen zum Opfer fallen; andere bevorzugen den Rückzug. Tibbs seinerseits ist nun nur noch daran interessiert, seine eigenen Mitreiter loszuwerden, schickt deshalb einen nach den anderen wegen vermeintlicher Meldungen zurück zum Fort; die letzten beiden Kavalleristen erschießt er, als gerade die dank MacKennas Zureden von Colorado freigelassene Geisel Inga zu den Soldaten gestoßen ist. Ungeachtet dieser Aktionen unter den Weißen haben auch die Apachen ein stets wachsames Auge auf das Geschehen …

Plakatmotiv: Mackenna's Gold (1969)

Was zu sagen wäre

Der Ruf des Goldes ist die Sehnsucht nach der Erlöung aus alltäglicher Belanglosigkeit. Der Traum auf die große goldene Freiheit treibt die Menschen um, seit sie Gold kennt. Auch in Literatur und Film nimmt die Obsession großen Raum ein; Geschichten über den sagenhaften Schatz der Atzteken, Geschichten aus dem Goldrausch um 1900 am Klondike sind Legion. Im Kino jagen Piraten, Abenteuer, Ritter, Schlitzohren und hin und wieder auch Cowboys große und kleine, sagenhafte und erdverbundene Schätze.

J. Lee Thompson (Immer mit einem anderen – 1964; „Taras Bulba“ – 1962; „Ein Köder für die Bestie“ – 1962; Die Kanonen von Navarone – 1961) ist mit seinem Western also in guter Gesellschaft. Und er tut alles, um diese Gesellschaft attraktiv zu erweitern, die Besetzungsliste liest sich zunächst wie ein Alles, was Rang und Namen hat. Zunächst erinnert die Ausgangssituation an drei andere Männer, die im Staub des Wilden Westens eine als Gerücht von Ohr zu Ohr weitererzählte Goldkiste suchen. Sergio Leone schloss mit Zwei glorreiche Halunken 1966 seine Dollar-Trilogie ab, da stritten sich vor allem Clint Eastwood und Eli Wallach um das Gold. Da ist es fast heimelig, dass Wallach auch bei der aktuellen Goldsuche wieder mit dabei ist. Aber was ist das für eine seltsame Goldsuche?

Erst ist da Gregory Peck alleine, der alles will, bloß eben nicht nach dem sagenhaften Gold suchen. Dazu wird er dann von Omar Sharif, der als Figur in einem Western eine Überraschung ist, genötigt, der droht, andernfalls Inga zu töten, was aus zwei Gründen nicht geht: Bildhübsch, wie sie ist, gilt sie als Partnerin für den obligatorischen Helden-Ritt in Sonnenuntergang neben A-Klasse-Star Gregory Peck (Die Kanonen von Navarone – 1961; Weites Land – 1958; Moby Dick – 1956; „Flammen über Fernost“ – 1954; Ein Herz und eine Krone – 1953; „Schnee am Kilimandscharo“ – 1952; Der Scharfschütze – 1950; Der Fall Paradin – 1947; „Duell in der Sonne“ – 1946; Ich kämpfe um dich – 1945). Außerdem ist sie neben einer wilden Indianerin mit furchterregender Libido und hässlicher Narbe die einzige Frau im Männertumult, zu dem sich alsbald eben Eli Wallach – überraschenderweise nicht als Mexikaner sondern als Ben Baker –, sowie Edward G. Robinson (Cheyenne – 1964; Die zehn Gebote – 1956; Gangster in Key Largo – 1948; Gefährliche Begegnung – 1944; „Frau ohne Gewissen“ – 1944; Orchid, der Gangsterbruder – 1940; Kid Galahad – Mit harten Fäusten – 1937; Wem gehört die Stadt? – 1936; Der kleine Caesar – 1931), Telly Savalas, Lee J. Cobb, Raymond Massey, Burgess Meredith, Keenan Wynn oder Anthony Quayle gesellen. Das große staraufgebot macht sich verkaufsfördernd gut auf dem Kinoplakat, ist im Kino nach einer großen gemeinsamen Szene aller mit allen aber schon so gut wie gesprengt. Die einen erschossen, die anderen einfach aus dem Film geschrieben.

Unterm Strich sehen wir sehen einer Gruppe harter und alter Männer zu, die dem Goldfieber erliegen und sich prompt benehmen wie unreife Teenager. „Mackenna's Gold“ ist ein Film aus der Zwischenzeit – die Zeit der großen Kino-Western ist Geschichte, gerade suchen Starensembles als harte Männer oder Dreckiges Dutzend in US- oder falschen Wehrmachts-Uniformen Gold und andere Schätze hinter feindlichen Linien. Beides will das Filmstudio verbinden. Den Rahmen dazu bildet eine Story, in der es um die Jagd auf einen sagenhaften Goldschatz geht, der mehr und mehr zum reinen Mythos gerinnt, beeinflusst von Sergio Leones großen Schweigern in Cinemascope-Landschaften, gewürzt mit der Aufbruchstimmung der 68er-Ära. Der Rest sind Bilder von gestrecktem Galopp, nackten Indianerinnen unter Wasser, wilden, sadistischen Indianern und … mehr Landschaften.

Dimitri Tiomkin variiert aus seinem Kompositionstechnik-Archiv und ist hier das erste und einzige Mal in seiner Karriere in den USA als Produzent tätig. Und zwischendurch streut J. Lee Thompson ein paar Kameraperspektiven ein – Subjektive; zwischen galoppierenden Hufen; auf Pecks Rücken, während der durch die Wüste geschleift wird – die sehr bemerkenswert sind. Es sind fantastische, monumentale Bilder, die Thompson von seiner VFX-Crew fordert. Bilder, die zu einem Finale anwachsen, das an die großen Pharao-Dramen der 50er Jahre erinnern – gewaltig, überirdisch, tödlich.

Aber irgendwie auch egal.

Wertung: 3 von 7 D-Mark
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