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Videocover: Kinjite – Tödliches Tabu (1989)
Miami Vice mit Charles
Bronson – nur schlechter
Titel Kinjite – Tödliches Tabu
(Forbidden Subjects)
Drehbuch Harold Nebenzal
Regie J. Lee Thompson, USA 1989
Darsteller Charles Bronson, Perry Lopez, Juan Fernández, James Pax, Peggy Lipton, Sy Richardson, Marion Yue, Bill McKinney, Gerald Castillo, Nicole Eggert, Amy Hathaway, Kumiko Hayakawa, Michelle Wong, Sam Chew Jr., Sumant u.a.
Genre Action, Crime
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
19. Oktober 1989 (Video-Premiere)
Inhalt

In Japan sind gewisse Themen tabu – Prostitution, Drogen, Gewalt. Mit genau diesen Dingen hat der L.A.-Cop Crowe jeden Tag zu tun – und er merkt, daß er inzwischen fast genauso brutal ist wie die Verbrecher, die er jagt.

Als seine hübsche Tochter von einem unbekannten Japaner im Bus sexuell belästigt wird, bekommt Crowe einen Haß auf sämtliche Asiaten. Und ausgerechnet er soll die spurlos verschwundene Tochter eines japanischen Geschäftsmannes wiederfinden.

Plakatmotiv (US): Kinjite – Forbidden Subjects (1989) (1989)Crowe ahnt, daß der fiese, gewissenlose Zuhälter Duke, der sich auf junge Mädchen “spezialisiert” hat, dahintersteckt. Crowe und Duke liefern sich einen gnadenlosen Kampf. Ihnen ist keine Methode tabu …

Was zu sagen wäre

Die größten Ängste des amerikanischen Mannes sind zum einen, dass ihre Töchter einen Freund mit nach Hause bringenb und zum anderen Der Japaner. Mit dem hatte Charles Bronson schon mal zu tun, 1971 in Rivalen unter Roter Sonne. Damals waren die Japaner Kämpfer voller Ehre, personifiziert in Toshiro Mifune, dem Fleisch gewordenen Edeljapaner.

Heute sind die Japaner sehr fokussierte, disziplinierte Invasoren, die Hotels kaufen, Aktien amerikanischer Unternehmen sammeln und minderjährigen Mädchen unter den Rock greifen. James Pax gibt diesen jungen Macho-Japaner. Ihm gegenüber steht Charles Bronson (Murphys Gesetz – 1986; Nevada Pass – 1975; Der Mann ohne Nerven – 1975; Ein Mann sieht rot – 1974; Chatos Land – 1972; Die Valachi-Papiere – 1972; Rivalen unter roter Sonne – 1971; Spiel mir das Lied vom Tod – 1968; Das dreckige Dutzend – 1967; Gesprengte Ketten – 1963; Die glorreichen Sieben – 1960). Ein Kerl der alten Schule, mit konservativem Anstand und guter väterlicher Moral.

Sein Captain bringt das Problem dieses Culture Clashs ganz gut auf den Punkt: „Erwarten Sie, dass ich die Fälle nach Rassen einteile? Dann klammern wir für Sie die Schwarzen, die Südamerikaner, die Iraner, die Vietnamesen und die Chinesen aus!Und Sie bekommen nur Angelsachsen. Wäre Ihnen das recht?

Videocover (US): Kinjite – Forbidden Subjects (1989)

Seit der TV-Serie „Miami Vice“ sind Filmschurken erst dann ernst zu nehmen, wenn sie Drogen nehmen, Kinder ficken und als Prostituierte verkaufen. Und die Kerle in diesem Film treiben es auf die Spitze. Regisseur J. Lee Thompson hat einen Sexploitation-Film mit gesellschaftskritischem Anstrich gedreht; allerdings ist dieser Anstrich eher plakativ. So naiv, wie die Teenagertochter des japanischen Geschäftsmannes Hiroshi Hada ist, können im US-Machokino nur Nicht-Amerikaner(innen) sein. Dagegen ist ja auch gar nichts einzuwenden. Wenn es sich um schnell konsumierbare TV-Ware handelt, kann man mit dem billigen Schwarz-Weiß-Muster git leben, fürs Kino aber fehlen die Zwischentöne, die den Guten ein bisschen fragwürdiger macht und die Bösen ein bisschen navchvollziehbarer. Aber für solche Zwischentöne ist bei J. Lee Thompson kein Platz.

Hier ist Charles Bronson eben doch wieder nur der Cop mit der gebrochenen Seele, der 28 Jahre nach Clint Eastwood als Dirty Harry immer noch zu juristisch fragwürdigen Methoden greift: „Wir sind alle von Dämonen besessen“, sagt der Schuldirektor mit dem Priesterkragen zu dem treusorgenden Familienvater, der bei der Sittenpolizei die Abgründe des Lebens kennenlernt. „Lernen Sie Ihren Feind kennen. Gehen Sie offen und ehrlich damit um.

J. Lee Thompson (Murphys Gesetz – 1986; „Quatermain – Auf der Suche nach dem Schatz der Könige“ – 1985; Die Schlacht um den Planet der Affen – 1973; Eroberung vom Planet der Affen – 1972; Mackenna's Gold – 1969; Die Kanonen von Navarone – 1961) inszeniert mit der Routine von 39 Jahren Regie-Handwerk, aber auch mit der Ernüchterung veränderter Kinozeiten. Thompsons Männerkino war das des Kriegsfilms. Wenn er heute Männer auf minderjährige Mädchen legen muss, kann der 75-Jährige damit augenscheinlich nicht so viel amnfangen.

Sein Film wirft ein Schlaglicht auf eine Profession, die von Mädchen lebt, die mit 12 Jahren von Stiefvätern vergewaltigt wurden und es daher gewöhnt sind, die erotischen Fantasien älterer Männer zu befriedigen. Aber dabei geriert er sich als Spanner, verfolgt junge Mädchen, die abgerichtet werden und delektiert sich an deren Verfügbarkeit.

Eigentlich ist es nur „Miami Vice“ auf Leinwandgröße aufgeblasen, mit Charles Bronson statt Don Johnson. Nicht mal der Showdown im Hafen mit seinen tonnenschweren Gerätschaften ist innovativ.

Wertung: 2 von 10 D-Mark
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