Kinoplakat: J. Edgar

Ein bisschen nervtötend, all die großen
Namen, die ohne Back-Up agieren

Titel J. Edgar
(J. Edgar)
Drehbuch Dustin Lance Black
Regie Clint Eastwood, USA 2011
Darsteller Leonardo DiCaprio, Naomi Watts, Josh Hamilton, Judi Dench, Geoff Pierson, Armie Hammer, Cheryl Lawson, Kaitlyn Dever, Brady Matthews, Gunner Wright, David A. Cooper, Ed Westwick, Kelly Lester, Jack Donner, Dylan Burns, Jordan Bridges u.a.
Genre Drama, Biografie
Filmlänge 137 Minuten
Deutschlandstart
19. Januar 2012
Inhalt

J. Edgar Hoover ist Gründer und erster Leiter des FBI und ein schwieriger Typ. Auf der einen Seite wird er als mächtigster Mann der Welt gehandelt, auf der anderen Seite ist er korrupt, rassistisch und egozentrisch.

Als Leiter des FBI revolutioniert er die Spurensuche, hat aber gleichzeitig ein weitreichendes Aktenarsenal angesammelt, mit dem er die Mächtigen der Welt erpressen kann …

Was zu sagen wäre

Die Bilder sehen aus, wie sie sich gehören in einem BioPic über einer der großen Männer der Leder-Ohrensessel-Ära. Die Schauspieler sind mit solcher Selbstverständlichkeit dabei, dass man den Schweiß vermeint noch zu riechen, den es gekostet hat, in einem Film von Clint Eastwood spielen zu dürfen. Handwerklich ein großes Werk. Aber es ist eben auch ein BioPic.

BioPics leiden ganz oft – auch hier – an ihren lebenden Vorbildern. Der Kniff dieses handwerklich ordentlich gemachten Films ist es, die dämonische Figur des Gründers und langjährigen Chefs, Hoover, als schwules Muttersöhnchen hinzustellen, dem man erotische Neigungen zu seinem Beamtenapparat nachsagen mag. Historisch einen Rahmen gibt die Entführung des Kindes von Charles Lindbergh; aber ein Spannungsbogen … Fehlanzeige. Statt dessen werden uns Politiker-Typen vorgestellt: eitle Politiker, korrupte Politiker, skrupellose Politiker und dominante Mütter – Judi Dench (James Bond 007 – Ein Quantum Trost – 1995) ist auch so eine herausragende Schauspielerin, die in diesem seelenlosen Film keine Überraschung platzieren kann. Es ist die Geschichte, die fehlt.

Das Problem mit diesem BioPic ist, dass wir das, was da alles erzählt wird, längst wissen; und das, was wir nicht wissen, wissen wir nur deshalb nicht, weil wir an dem Tag gerade keine Nachrichten gelesen haben; das lockt auch keinen Hund hinterm Sitz im Zuschauerraum hervor. Es ist der Film eines alten Mannes über das Vermächtnis eines umstrittenen alten Mannes. Ohne die historischen Fakten zu vernachlässigen, fahndet Clint Eastwood nach dem Menschen hinter der äußeren Fassade. Er findet eine Figur, die er, Eastwood, faszinierend findet, über die er sich aber kein moralisches Urteil erlaubt. Und damit scheitert das ganze Filmprojekt.

Hervorragend in Fotografie und Darstellung. Aber brauche ich in meiner Kinolust einen Leonardo Di Caprio, der unter zentimeterdickem Gerontokraten-MakeUp verzweifelt „Pass me the Oscar!” ruft? Nein. Ja, Di Caprio ist okay, aber ich finde, er könnte seinen Huch-plötzlich-bin-ja-grässlich-populär-Titanic-Schock nun langsam mal ablegen und Rollen spielen, die sein Alter widerspiegeln.

Wertung: 4 von 7 €uro