Kinoplakat: Inside Llewyn Davis

Ein Film wie ein Folksong.
Traurig, mit Herz. Speziell.

Titel Inside Llewyn Davis
(Inside Llewyn Davis)
Drehbuch Joel Coen + Ethan Coen
Regie Ethan Coen & Joel Coen, USA, UK, Frankreich 2013
Darsteller Oscar Isaac, Carey Mulligan, Justin Timberlake, Ethan Phillips, Robin Bartlett, F. Murray Abraham, Max Casella, Jerry Grayson, Jeanine Serralles, Adam Driver, Stark Sands, John Goodman, Garrett Hedlund, Alex Karpovsky, Helen Hong, Bradley Mott u.a.
Genre Drama
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
5. Dezember 2013
Inhalt

New York, 1961. Was macht ein erfolgloser New Yorker Musiker ohne ein Zuhause? Was passiert, wenn er fast jede Nacht auf einer anderen Couch schläft und dabei mal die Frau eines Freundes schwängert und mal die geliebte Katze eines anderen aussperrt? Und was, wenn er diese Katze dann einfach nicht mehr los wird?

Llewyn Davis lebt für die Folkmusik, doch der große Durchbruch lässt auf sich warten. Während sich in den Clubs von Greenwich Village aufstrebende Musiker die Klinke in die Hand geben, pendelt Llewyn zwischen kleinen Gigs und Songaufnahmen. Nacht für Nacht sucht er einen neuen Platz zum Schlafen und landet dann meist bei befreundeten Musikern wie Jim und Jane, mit denen ihn mehr als eine oberflächliche Freundschaft verbindet.

Doch Llewyn kann seine Gefühle nur in der Musik und nicht im echten Leben äußern, und so lässt er sich weitertreiben – von New York bis Chicago und wieder zurück, ganz wie die Figuren in den Folksongs …

Was zu sagen wäre

Der Film ist ein Gemälde. Jedes Bild eine Variation in Grün, Grau und Sepia. Die Oscar-Nominierung kam völlig zurecht (Kameramann Bruno Delbonnel ging aber gegen Emmanuel Lubezki für Gravity dann leer aus).

Ein bedauernswerter Schnorrer

Zusammen mit der rauchgeschwängerten Folk-Clubatmosphäre sind wir schnell tief drin im Milieu, an der Seite eines mittelsympathischen Künstlers, der sein Leben der Musik geopfert hat und allen – auch mir – auf die Nerven geht; einer, der sich durchs Leben schnorrt, den Ex-Liebschaften konsquent Arschloch nennen und dem Ex-Geliebte verschweigen, dass sie das gemeinsame Kind dann doch nicht abgetrieben haben. Er kann seine Kunst einfach nicht aufgeben. Nicht wie sein Partner, der sich, die Erfolglosigkeit vor Augen, von der Brücke in den Tod gestürzt hat – die Platte, die sie gemeinsam aufgenommen haben, hieß „If I had Wings“. Schon, um dem Spott, der sich daraus ergibt, zu begegnen, geht Llewyn störrisch seinen Weg, pennt auf den Besuchercaouch entfernter Bekannter und friert auf der Straße.

Und zwischendrin erleben wir eine Katze auf der Suche nach dem Weg heim. Aber wir werden nicht warm mit diesem Llewyn, der alle wirtschaftlichen Zwänge umschifft und lieber als „Künstler“ ohne Mantel auf winterlicher Straße hockt. Eine fremde Welt. Am Ende schließt sich die Woche, der wir Llewyn beim Frieren und Gig ablehnen zugesehen haben mit einer Szene vom Anfang des Films – es war also eine Rückblende. Und als Llewyn die Bühne verlässt, höflich beklatscht, betritt einer mit schräger Krächze-Stimme das Podest; Llewyn bekommt da gerade draußen im Hinterhof einen Faustschlag verpasst, daher verpasst er, wie drinnen der Stern Bob Dylans aufgeht.

Alles eine Frage des richtigen Tons

Glück und Pech, Erfolg und Vergessen liegen so nah beieinander, das machen die Coen-Brüder sehr schön deutlich. Die Kritiker lieben diesen Film, erkennen den versteckten Witz der Coen-Brüder: „Die Coens sind inzwischen zu einer Dimension des Humors vorgestoßen, die im Grunde unerklärlich ist. Man könnte genauso gut weinen, und man hat hinterher nicht die leiseste Ahnung, wie einem geschehen ist“, schreibt Tobias Kniebe in der Süddeutschen Zeitung. Dann liegt es vielleicht daran: Ich habe viele Filme der Coens gesehen, gehöre aber nicht zu den Fans of Coens, konnt nicht in jedem Film die Verklärung, den spaß, die Kunst, den Sinn finden; ich verstehe also vielleicht einfach die Insider-Szenen nicht.

„Dem Film mangelt es an Plot“, hat Joel Coen gesagt. „Deshalb haben wir die Katze reingeworfen.“ So wirkt sie. Ein unendlich trauriger Film, das Portrait einer musikalisch interessanten Zeit, pessimistisch, in dem eine Katze für die einzige Bewegung sorgt und F. Murray Abraham und John Goodman Eindruck hinterlassen mit je einem Kurzauftritt.

Wertung: 4 von 8 €uro