Kinoplakat: Independence Day
Großes Popcorn-Kino
von Roland Emmerich
Titel Independence Day
(Independence Day)
Drehbuch Dean Devlin + Roland Emmerich
Regie Roland Emmerich, USA 1996
Darsteller

Will Smith, Jeff Goldblum, Margaret Colin, Bill Pullman, Vivica A. Fox, Mary McDonnell, Judd Hirsch, Robert Loggia, Randy Quaid, James Rebhorn, Harvey Fierstein, Adam Baldwin, Brent Spiner, James Duval, Lisa Jakub u.a.

Genre Abenteuer
Filmlänge 138 / 145 (Extended Version) Minuten
Deutschlandstart
19. September 1996
Inhalt

Zuerst sind es nur ein paar versponnene Weltraumbeobachter, die aufschrecken. Aber dann sind die Objekte unüberseh-, die Folgen unabwendbar:

  • 2. Juli: Auf den Radarschirmen der Militärs tauchen Objekte auf, die sich aus der Tiefe des Raums auf die Erde zubewegen.
  • 3. Juli: Die Objekte – gigantische Raumschiffe – haben Großstädte überall in der Welt angegriffen und in wenigen Minuten zerstört. Ein Verteidigungsschlag der Erdbevölkerung verpufft wirkungslos.
  • 4. Juli, amerikanischer Unabhängigkeitstag: US-Präsident Whitmore schart die letzten Überlebenden um sich, um einen gewagten Plan in die Tat umzusetzen, in dessen Mittelpunkt ein junger Air Force Pilot und ein Computerfachmann die Fäden ziehen.

In New York hatte der Sendetechniker David Levinson erkannt, dass die Aliens geostationäre Satelliten für ihre Kommunikation nutzen. Während US-Präsident Thomas J. Whitmore in einer Fernsehansprache noch die Außerirdischen als „Freunde” begrüßte, errechnete Levinson anhand seiner Computerdaten schon, dass die Aliens zuschlagen würden. Er konnte sogar Tag und Minute vorausberechnen. Viel Zeit würde ihm nicht bleiben. So viel war ihm klar.

Mit seinem Vater auf dem Beifahrersitz kämpfte er sich raus aus New York nach Washington zum Weißen Haus. Dort arbeitet seine Ex-Frau als Stabschefin des US-Präsidenten. David konnte erst sie und schließlich Präsident Whitmore von den wahren Absichten der Außerirdischen überzeugen. Sie hatten das Weiße Haus kaum Richtung Andrews Air Force Base verlassen, als die Aliens zuschlugen – überall auf dem Globus. Die Zahl der Toten geht in die vielfachen Millionen.

Der einzige, der einen – kleinen, aber doch einen – Sieg gegen die Aliens vorweisen kann, ist Air-Force-Captain Steve Miller. Er hat eines ihrer Schiffe im Luftkampf abgeschossen und den halbtoten Kadaver zur nächsten Militärbasis geschleppt – der bislang geheim gehaltenen „Area 51”. Dort treffen er und ein Häuflein Überlebender auf Levinson und die Mannschaft des Präsidenten. Unter den Überlebenden ist auch Russell Casse, ein traumatisierter und alkoholabhängiger Vietnamveteran der U.S. Air Force, der mit seinen mexikanischen Stiefkindern gerade noch rechtzeitig der Katastrophe entkommen ist. Er hat mit den Aliens ein persönliches Hühnchen zu rupfen, da er anscheinend zehn Jahre zuvor von ihnen für Experimente entführt worden ist.

Anhand eines erbeuteten Raumschiffes macht Levinson die Schwachstelle in der Verteidigung der Aliens ausfindig: Er muss einen Virus in deren zentrales Computersystem schleusen. Dafür muss er allerdings an Bord des Mutterschiffes der Aliens gelangen, das im Orbit um die Erde kreist. Captain Steve Miller meldet sich freiwillig, Levinson dorthin zu fliegen …

Was zu sagen wäre

Und plötzlich macht Roland Emmerich alles richtig. „Independence Day” sieht aus, als sei das der Film, den Emmerich immer machen wollte: Perfektes Popcorn-Kino – groß, klar, einfach. Bombastisch.

Der lange Weg von Sindelfingens „Joey” nach Hollywood

Lange hatte es so ausgesehen, als sei dem Regisseur aus Sindelfingen nur wichtig, dass die Special Effects gut aussehen und deren Kosten sich im Rahmen halten; die Story schien unwichtig. In seinen frühen Filmen, Joey (1985), Hollywood Monster (1987) und auch Moon 44 verzichtete er nahezu vollständig auf Handlung, aber das umgeben von Blitz und Donner und – im letztgenannten Fall – imposanter SciFi-Kulisse. In „Independence Day” liefert Emmerich dazu im Vergleich geradezu komplexe Handlungsfäden an – gleich mehrere, die sich erst im Laufe der Katastrophen-Handlung finden und verknüpfen.

Zur Klasse seines Blockbusters – 75 Millionen Dollar Produktionskosten stehen einem weltweiten Box-Office von 817,5 Millionen Dollar gegenüber – gehört eine Schar lustvoll mitarbeitender Schauspieler. Hier laufen keine in ihrem Spiel limitierten Jean-Claude van Dammes und Dolph Lundgrens durchs Bild. Und fehlte Kurt Russel als bärbeißiger Colonel in Stargate (1994) noch jeder Anflug von Humor, tritt in „Independence Day” Will Smith auf, der bislang vor allem mit seiner sehr erfolgreichem Sitcom „Fresh Prince of Bel-Air” (1990 – 1996) aufgefallen war und in Michael Bays „Bad Boys – Harte Jungs” (1995) als kodderschnauziger Actionheld einen Erfolg hatte. Captain Hillers erster physischer Kontakt zu den Aliens: Er haut den gerade vom Himmel geschossenen Alien-Piloten K.O., sagt "Welcome to the United States!" und zündet sich eine Zigarre an. Die Szene schaffte es ohne Umwege in den ewigen Zitatenschatz Hollywoods. Smith versieht seinen Kampfpiloten mit unglaublichem Charme und sinn für verfolgte Minderheiten: Er liebt eine Striptease-Tänzerin, was verhindert, dass die NASA ihn in ihr Weltraumprogramm aufnimmt; dass er am ende trotzdem ins All kommt ist eine der schön kalkulierten kleinen Geschichten innerhalb des Films.

Jeff Goldblum und Will Smith spielen sich die One-Liner zu

Bill Pullman („Casper” – 1995; Während du schliefst – 1995; Malice – Eine Intrige – 1993; Schlaflos in Seattle – 1993) als juveniler Präsident mit Kratz-Stimme, der vor dem Showdown die in solchen Filmen unumgängliche Motivationsrede im Stile eines shakespearschen Henry V. hält und dann selbst in den Kampfjet steigt und die Aliens ins All zurückbläst, ist ein angenehm entscheidungsfreudiger Machtmensch, dem sein Amt nicht zu Kopf steigt – und der seine Frau verliert (was aber nur ein tragischer Moment von drei Minuten ist, damit es dem Popcorn-Publikum nicht zu langweilig wird). Jeff Goldblum scheint seine Rolle als vornehmlich schwarz tragender Zahlenmensch gefunden zu haben. Er wirkt, als sei er schnurstracks aus dem Jurassic Park nach New York gekommen. Er präsentiert den fröhlichen Spagat zwischen immer-noch-in-die-Ex-Frau-verliebt-und-genervt-vom-geliebten-und-klug-daher-schwätzenden-Papa (Judd Hirsch) und cool-Müll-trennend-die-Welt-retten; dabei spielt er sich mit Will Smith gut gelaunt die One-Liner dieses Films zu.

Auch eine wichtige Rolle für die gute Stimmung dieses Films spielt Randy Quaid als versoffener Ex-Air-Force-Pilot mit Alien-Vergangenheit – er kommt immer dann zum einsatz, wenn der ziselierte comic relief Goldblums nicht ausreicht. Quaid hat die lautesten Rülpser und bekommt die lautesten Lacher. Robert Loggia als knurriger Generalstabschef ist eine Bank – wie immer. Und so ist die erste und zweite reihe dieses Films perfekt besetzt. Dazu kommen die guten Effekte, die krachenden Explosionen – atemberaubend, wie Emmerich das Weiße Haus schon für den ersten Kinotrailer in die Luft jagen konnte, weil er wusste: Ich habe noch viel mehr – und die existenzielle, leicht verdauliche Geschichte über den Angiff von außen, der in der Weltgemeinschaft zur großen Völkerverständigung führt.

Rückblickend frage ich mich: „Was muss bei Joey und Hollywood Monster alles schief gegangen sein, dass die so furchtbar schlecht sind, wenn Emmerich kaum zehn Jahre später zeigt, dass er sehr wohl das Händchen für die große Leinwand hat.

Wertung: 9 von 11 D-Mark