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Kinoplakat: In the Line of Fire – Die zweite Chance

Ein packender, dichter Thriller
mit Sahnehauben-Besetzung

Titel In the Line of Fire – Die zweite Chance
(In the Line of Fire)
Drehbuch Jeff Maguire
Regie Wolfgang Petersen, USA 1993
Darsteller

Clint Eastwood, John Malkovich, Rene Russo, Dylan McDermott, Gary Cole, Fred Dalton Thompson, John Mahoney, Gregory Alan Williams, Jim Curley, Sally Hughes, Clyde Kusatsu, Steve Hytner, Tobin Bell, Bob Schott, Juan A. Riojas u.a.

Genre Thriller
Filmlänge 128 Minuten
Deutschlandstart
28. Oktober 1993
Inhalt

Der Secret-Service-Agent Frank Horrigan gehörte beim Attentat auf John F. Kennedy am 22. November 1963 zum Personenschutz des Präsidenten. Dass er Kennedys Leben nicht retten konnte, empfindet er als persönliches Versagen.

Nach einigen Jahren Bekämpfung der Finanzkriminalität meldet sich bei Frank ein anonymer Anrufer, der ankündigt, den Präsidenten ermorden zu wollen. Er fragt, ob Frank bereit wäre, sein Leben zu opfern, um das des Präsidenten zu schützen. Dieser Anruf bringt ihn zurück ins Weiße Haus, ins Sicherheitsteam des Präsidenten. Hier wird der Alte eher belächelt. Wenn er neben der Präsidenten-Limousine laufen muss, stößt er an seine körperlichen Grenzen; zu den Spöttern zählt anfangs auch seine Kollegin Lilly Raines. Das allerdings ändert sich, als sie Franks Professionalität zu schätzen lernt.

Einmal gelingt es beinahe, den Anrufer, der zunächst Booth genannt wird, zu stellen. Frank stürzt während der Verfolgung auf den Hausdächern und wird vom Attentäter, den die CIA einst offenbar unter dem Namen Mitch Leary als Killer heuerte – „Er war wie ein Raubtier!“ –  festgehalten und am Sturz aus dem vierten Stock gehindert. Frank könnte ihn zwar erschießen, dann würde er aber selbst herunterfallen. Der Attentäter könnte allerdings auch Frank erschießen oder einfach fallenlassen. Schließlich rettet Leary Frank das Leben, kann aber entkommen.

Kinoplakat (US): In the Line of Fire – Die zweite ChanceLeary schwindelt sich auf eine Wahlveranstaltung und schießt mit einer Kunststoffpistole auf den Präsidenten …

Was zu sagen wäre

Würdest Du Dich für diesen Präsidenten in die Kugel werfen?“ fragt Mitch Leary den Secret–Service–Mann Horrigan. Aber für den ist die Frage falsch gestellt. Er konnte sich damals nicht in die Kugel Lee Harvey Oswalds werfen, die Kennedy den Kopf weg schoss. Das nagt an diesem grau gewordenen Leibwächter. Er würde sich für jeden Präsidenten in die Schussbahn werfen, weil es die Institution ist, die er schützt, nicht der Mensch dahinter. Es ist vor allem dieses Duell des Attentäters und des Leibwächters, um das es dem Film geht, das Attentat auf den Präsidenten schwebt lange Zeit wie ein MacGuffin durch die Handlung. Aber wenn es dann auf der Schiene sitzt und Präsident und Attentäter sich immer näher kommen, hält sich Regisseur Petersen nicht mehr mit langem Reden auf.

Das Script erzählt seine Geschichte ohne Hänger, Petersen inszeniert präzise und hat Schauspieler und Kamera gleichermaßen im Griff; sein Bildschnitt ist dynamisch. Ein dichter, düsterer Thriller, in dem Clint Eastwood unter dem sehr zurückhaltenden Score seines alten Freundes Ennio Morricone nochmal den verbissenen alten Profi spielt, der in seiner Freizeit mit sanften Fingern das Piano seiner Stammbar streichelt und tagsüber, wenn auch leicht außer Puste neben der Präsidenten Limousiner herläuft – ein Showjob, sagt er, weil die Limousine auch mit einer Bazooka nur angekrazt werden könnte. Wolfgang Petersen gibt Eastwood ausreichend Gelegenheit, seine immer noch beeindruckende Physis unter Bewesi zu stellen, Eastwood rennt und klettert und rennt wieder, als wäre er 43, nicht tatsächlich 63 Jahre alt; einmal steigt er mit Rene Russo ins Bett, die 24 Jahre jünger ist. Für Petersen drückt Eastwood vor laufender kamera auch ein paar Tränen weg, als er erzählt, wie das damals war mit Kennedy.

Mühelos schlüpft Eastwood in die Rolle des Mentors, der einem Rookie, einem Smart Ass zeigt, wie es so läuft und dabei jede Menge Narben vergangenen Schicksals verarbeiten muss. Dass der Alte immer noch gut vernetzt ist, zeigt Petersen in einer kurzen Szene, in der Horrigan einen Secret Service darauf aufmerksam macht, dass er ihm noch 20 Dollar vom viele Jahre zurückliegenden Super Bowl schuldet. Eastwood ist das gehaltvolle Sahnehäubchen auf einer Ensemble-Leistung, die im Hollywoodkino selten ist.

Die interessanteren Szenen hat John Malkovich als diabolischer Flüsterer („Jennifer 8“ – 1992; „Von Mäusen und Menschen“ – 1992; „Schatten und Nebel“ – 1991; „Gefährliche Liebschaften“ – 1988; Das Reich der Sonne – 1987). Sein Frank Leary ist ein Irrer, aber keiner, der wild die Augen verdreht und rumhampelt. Dieser Irre ist beängstigend professionell und planvoll. Ein Killer und ein Opfer; ein Getriebener. Ein Mann im Rollstuhl sagt über Leary, der habe ihm damals den Rollstuhl bezahlt, er selbst hätte sich den nie leisten können. Dann holt er eine Waffe hervor und sagt, „für den Fall, dass er eines Tages hier reinkommt!“ Ein mitleidender Mörder. Dieser Leary will nicht einfach einen Präsidenten töten. Er sucht das Duell mit Horrigan, dem mann, der sich in die Schussbahn werfen müsste, weil dessen Leben ebenso sinnentleert sei, wie seins, weil sie gleich seien: „Wir dachten beide einmal, dass dieses Land etwas ganz besonderes ist. Hast Du eine Ahnung, was ich für Gott und Vaterland getan habe, Frank?“ „Was sehen Sie, wenn nachts die Gespenster kommen?“, fragt Horrigan mit kenntnisweiser Miene zurück. Malkovich ist ein Bad Man, der lange über den Abspann hinaus im Kopf bleibt.

Der Film bekam drei Oscar-Nominierungen, darunter für supporting Actor John Malkovich und Jeff Maguire (Drehbuch). Der Komponist Ennio Morricone gewann den Filmpreis ASCAP Film and Television Music Award.

Wertung: 9 von 10 D-Mark
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