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Plakatmotiv(US): To Have and Have Not

Casablanca liegt
jetzt in der Karibik

Titel Haben und Nichthaben
(To Have and Have Not)
Drehbuch Jules Furthman + William Faulkner + Cleve F. Adams (uncredited) + Whitman Chambers (uncredited)
nach dem gleichnamigen Roman von Ernest Hemingway
Regie Howard Hawks, USA 1944
Darsteller
Humphrey Bogart, Walter Brennan, Lauren Bacall, Dolores Moran, Hoagy Carmichael, Sheldon Leonard, Walter Szurovy, Marcel Dalio, Walter Sande, Dan Seymour, Aldo Nadi u.a.
Genre Abenteuer, Drama
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
20. Mai 1967 (TV-Premiere)
Website humphreybogart.com
Inhalt
Auf Martinique trifft der Seemann Harry Morgan, der mit seinem Schiff unter Mithilfe des Säufers Eddie Touristen zum fischen vor der Küste herumfährt, auf die junge Amerikanerin Marie Browning. Sie ist gestrandet und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Als Browning von Morgan beim Diebstahl erwischt wird, stellt er sie und sie verlieben sich ineinander.

Morgan hat sich mit dem Krieg und den lokalen Vertretern des Vichy-Regimes arrangiert, wird aber durch seine Liebe aus dieser Lethargie herausgerissen. Er erklärt sich bereit, Nazi-Widerstandskämpfern zu helfen; allerdings nur, um Geld für die Rückkehr seiner Geliebten in die USA zu erhalten …

Was zu sagen wäre

Es waren nicht so die ganz großen Erfolge für Humphrey Bogart mit seinen jüngsten Filmen. Seit Casablanca gab es more of the Bogart‘shen way of being (Fahrkarte nach Marseille– 1944), aber ohne dessen Etwas. In dieser sehr freien Version einer der schlechteren Ernest-Hemingway-Stories springt der Funke wieder über. Auch hier liegen die Parallelen auf der Hand bis hin zu dem Umstand, das der korrupte Polizeipräfekt hier Renard heißt, wo er in Casablanca noch Renault hieß.

Howard Hawks. Ernest Hemingway. Humphrey Bogart (Die Spur des Falken – 1941; Entscheidung in der Sierra – 1941). Viel mehr Mann geht gerade nicht in Hollywood. Und da ist der beste Kerl noch gar nicht genannt: Lauren Bacall. Die gerade 19-Jährige, die es als Model über das Titelbild von Harper‘s Bazaar vor Hawks‘ Kamera geschafft hat, ist das Epizentrum dieses Films.

Bacall spielt in der Barbara-Stanwyck-Liga, bleibt sogar als Schwarze Witwe-Typ der beste Kumpel des main character. Kurzerhand definiert Bacall einen neuen Frauentyp … ein Küken noch, aber keines aus dem Nest gefallen, sondern eines aus dem Nest gesprungen: „You know you don't have to act with me, Steve. You don't have to say anything, and you don't have to do anything. Not a thing. Oh, maybe just whistle. You know how to whistle, don't you, Steve? You just put your lips together and... blow.“ Marie Browning, das Mädchen, das Harry stur „Slim“ nennt, gibt der Story das emotionale Rüstzeug.

Sie gibt auch dem Film den entscheidenden Impuls. Harry Morgan ist wie sein Darsteller, Humphrey Bogart, sicht- und spürbar beeindruckt von dieser selbstbewussten Präsenz, die Lauren Bacall als Marie da (mal eben) bei ihrem Leinwanddebut in den Zuschauerraum flutet. Die junge Schauspielerin behauptet sich von der ersten Szene an als jederzeit jeder Situation gewachsen und lässt mit einem Augenzwinkern daran keinen Zweifel. Bacall passt sich perfekt ein in das Männerkino der HustonHawksFord-Ära – sie sieht besser aus, sie zieht sich geschmackvoller an und genießt den Ausblick aus der ersten Reihe auf die Typen, die vor ihr den Affen machen.

Hawks‘ Verfilmung versandet genauso im Ungefähren wie Hemingways Vorlage. Schön, Walter Brennen als versoffenes Faktotum zu sehen. Aber dieses Faktotum gibt der Erzählung nichts außer Drama. Als Fan weiß man Bogarts unermüdliches Bemühen um die Beibehaltung gewisser Bogartismen zu würdigen – Zähne blecken, Ohrläppchen zupfen, Daumennagel kratzt Oberlippe – aber hier wirken diese Manierismen bereits ausgeleiert wie für eine Kopie. Aus dieser Haltung heraus überlassen Bogart und sein Regisseur Howard Hawks dann Lauren Bacall die Filmwiese, auf der sie sich als Newcomerin austoben soll. Bacall nutzt den Raum.

Und Bogart verknallt sich. Vor und hinter der Kamera.

Dass die beiden ein Jahr nach den Dreharbeiten geheiratet haben, mag den objektiven Blick auf die Filmpaarung verklären. Dennoch halte ich Humphrey Bogart und Lauren Bacall in Howard Hawks‘ „To Have an Have Not“ für eines der herausragenden Paare der Filmgeschichte: Zwischen beiden stimmt spürbar die Chemie – die mögen sich – und das hilft dieser im Drehbuch noch etwas flügellahm wirkenden Story auf der Leinwand sehr auf die Beine.

Wertung: 4 von 6 D-Mark
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