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Kinoplakat: Hollow Man – Unsichtbare Gefahr
Großartige Einstiegssequenz in
einen durchschnittlichen Thriller
Titel Hollow Man – Unsichtbare Gefahr
(Hollow Man)
Drehbuch Gary Scott Thompson + Andrew W. Marlowe
Regie Paul Verhoeven, USA, Deutschland 2000
Darsteller

Elisabeth Shue, Kevin Bacon, Josh Brolin, Kim Dickens, Greg Grunberg, Joey Slotnick, Mary Randle, William Devane, Rhona Mitra, Pablo Espinosa, Margot Rose, Jimmie F. Skaggs, Jeffrey Scaperrotta, Sarah Bowles, Kelli Scott u.a.

Genre Horror
Filmlänge 112 Minuten
Deutschlandstart
12. Oktober 2000
Inhalt

Sebastian Caine arbeitet mit einem kleinen Team von Wissenschaftlern daran, lebende Wesen unsichtbar zu machen – sie injizieren ein Serum, das Phasen verschiebt. Die ersten Tests, die er mit Tieren ausführt, sind vielversprechend. Es gelingt ihnen schließlich sogar, einen „phasenverschobenen“ Gorilla wieder sichtbar zu machen. Gegenüber dem Verteidigungsministerium, in dessen Auftrag das Team arbeitet, verheimlichen sie dieses Ergebnis aus Furcht, das Projekt entzogen zu bekommen.

Sebastian behauptet, kurz vor dem entscheidenden Durchbruch zu stehen und nur noch ein wenig Zeit zu benötigen. Er testet das Serum im Selbstversuch und wird tatsächlich unsichtbar. Alle im Team sind begeistert, bis sie feststellen, dass sie nicht in der Lage sind, ihn wieder sichtbar zu machen. Caine wird zunehmend paranoid und feindselig und gestattet sich schließlich nachts einen ersten Freigang. Dabei schleicht er sich unbemerkt in das Appartement seiner hübschen Nachbarin. Zunächst jagt er ihr nur einige Schrecken ein, aber schließlich vergewaltigt er sie.

Als Linda und Matt das Verteidigungsministerium von dem gescheiterten Experiment unterrichten wollen, schlägt Sebastian mit brutalsten Mitteln zurück …

Was zu sagen wäre

Unter der Prämisse Kino kommt von Gucken ist ein Film über einen Menschen, den wir nicht sehen, ein Widerspruch. Im vorliegenden Fall immerhin aber einer mit brillanten Effekten. Die Einstiegssequenz mit einer Laborratte, die zunehend panisch durch ihren Käfig quiekt und mit einem Mal nach oben gezerrt und zerissen wird, wobei das triefende Blut den scharfzähnigen Kiefer einer offensichtlich unsichtbaren Katze umspielen, ist einzigartig, im laufenden Kinojahrgang sicher mit das beste, was Filmeinstiege zu bieten haben.

Der Titelheld ein sexistischer Mad-Scientist

Der Film, der folgt, die Geschichte, die erzählt wird, ist die platte Dramaturgie nach Jeckyl-&-Hyde-Muster: der Mad Scientist, der durch seine Forschung vereinsamt, den moralischen Kompass verliert und zum wahnsinnigen Killer wird. Das wird nur am Leben erhalten durch Paul Verhoevens zupackende Regie. Er nutzt Soundtrack und Schnitt für eine harte Gangart, der jede Sentimentalität ausgetrieben ist; die Zoologin im Team, die darauf achten soll, dass kein Tier im Labor gequält wird, ist der nervige Fremdkörper im Labor, der die Forschung als solche gar nicht versteht. Die Kollegen, die in aufklappbaren Männermagazinen blättern und sich virile Witze zuwerfen treten als dickliche, aber sympathische Personen in Erscheinung – Paul Verhoeven ist ein Kerl, der Kerle-Movies macht (Starship Troopers – 1997; Showgirls – 1995; Basic Instinct – 1992; Total Recall – Die totale Erinnerung – 1990; RoboCop – 1987). Hier unterfüttert er sie immerhin mit ein paar philosophischen Sentenzen fürs Kalenderblatt: „Es ist faszinierend, was Du alles tun kannst, wenn Du Dich nicht mehr im Spiegel ansehen musst!“

Selbst die ätherische Elisabeth Shue (Palmetto – 1998; „Harry außer sich“ – 1997; The Saint – 1997; Leaving Las Vegas – 1995; „Lieblingsfeinde – Eine Seifenoper“ – 1991; „Cocktail“ – 1988) spielt irgendwas zwischen Kerl und feuchtem Männertraum im Lauborkittel. Im Traum wird sie von Sebastian, ihrem Ex-Freund, fast vergewaltigt. Die Szene an sich ist völlig überflüssig – das unangenehme Gefühl, dass der unsichtbare Cole ungesehen mitten im Raum stehen könnte, hat der Film zu dem Zeitpunkt schon gesetzt – aber sie gibt Verhoeven Gelegenheit, nackte Haut zu zeigen und, dass seine toughe Wissenschaftlerin eben auch ein Mädchen ist, das knappe Seidenslips trägt. In der Tat vergewaltigt Sebastian dann aber seine Nachbarin, die sich gerade noch halb nackt Loreley-mäßig die frisch gewaschenen Haare kämmt. Je nach Schnittfassung des Films ist die Vergewaltigung nicht eindeutig erkennbar. In der weit verbreiteten Fernsehfassung (die auch auf DVD veröffentlicht wurde) wird die schreiende Frau nur auf das Bett geworfen, dann springt Verhoeven an einen anderen Schauplatz.

Vergewaltigung, das ultimative Verbrechen

Diese Vergewaltigungsszene ist der Point of no return im Drama. Sebastian wird nicht zurückkehren können in ein geordnetes Leben. Bis dahin stieg die Fieberkurve der Dramaturgie mit wohlgesetzten Schrecken und wunderbaren optischen Effekten – immerhin spielt Kevin Bacon diesen Unsichtbaren (Wild Things – 1998; Sleepers – 1996; Apollo 13 – 1995; Am wilden Fluss – 1994; Eine Frage der Ehre – 1992; JFK – Tatort Dallas – 1991; „Flatliners“ – 1990; Im Land der Raketen-Würmer – 1990; Ein Ticket für zwei – 1987; „Footloose“ – 1984; American Diner – 1982; Freitag, der 13. – 1980; Ich glaub', mich tritt ein Pferd – 1978) und der wird doch nicht ..? Nach dieser Szene ist nur noch Hauen, Stechen, Rennen und Töten. Die Vergewaltigung inszeniert Verhoeven als das ultimative Verbrechen, baut die Szene langsam auf, zieht die Spannung an, dreht noch eine kleine Runde über die nackten Brüste des Opfers und schlägt dann zu; im weiteren Verlauf spielt die Szene keine Rolle mehr. Die Toten, die folgen, handelt Verhoeven in klassischer Actionmontage ab.

Der Film funktioniert wegen seiner optischen Effekte. Lebewesen werden hier nicht einfach unsichtbar. „Hollow Man“ bemüht sich hier um Realismus im Phantastischen. Im Kino werden Menschen ja gerne mal komplett unsichtbar inklusive ihrer Kleidung. Das ist hier nicht so. Die Versuchstiere werden anatomisch – Muskel für Muskel, Ader für Ader – optisch wiederhergestellt, was bizarre Erscheinungen nach sich zieht.

Auch der Unsichtbare unter der Sprinkleranlage etwa ist optisch großartig gelungen. Wenn nur die Story nicht so flach wäre. Ein bisschen mehr als Gucken ist Kino nämlich schon.

Wertung: 5 von 11 D-Mark
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