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Kinoplakat: Haie der Großstadt
Ein großes Epos unter
den Spielerfilmen
Titel Haie der Großstadt
(The Hustler)
Drehbuch Sidney Carroll + Robert Rossen
nach einem Roman von Walter S. Tevis
Regie Robert Rossen, USA 1961
Darsteller
Paul Newman, Jackie Gleason, Piper Laurie, George C. Scott, Myron McCormick, Murray Hamilton, Michael Constantine, Stefan Gierasch, Clifford A. Pellow, Jake LaMotta, Gordon B. Clarke, Alexander Rose, Carolyn Coates, Carl York, Vincent Gardenia u.a.
Genre Drama, Spielerfilm
Filmlänge 134 Minuten
Deutschlandstart
5. Dezember 1961
Inhalt
Eddie Felson ist ein junger Poolbillardspieler, der unter dem Namen „Fast Eddie“ bekannt ist. Er lebt unter anderem davon, unbedarfte Spieler abzuzocken, indem er sie zunächst gewinnen lässt und sie dann richtig ausnimmt. Sein einziges Ziel ist, gegen den berühmten Veteranen Minnesota Fats anzutreten. Nach 25-stündiger Spielzeit unterliegt er jedoch kläglich und verliert mehrere tausend Dollar.

Der reiche, zynische und kriminelle Wetthai Bert Gordon macht ihn darauf aufmerksam, dass fehlender Charakter der Grund für seine Niederlage war, nicht fehlendes Talent. Ein Angebot Gordons ihn zu managen lehnt Eddie zu diesem Zeitpunkt noch ab, da Gordon einen Anteil von 75 Prozent an zukünftigen Gewinnen verlangt.

Kinoplakat (US): The HustlerNach der Niederlage gegen Minnesota Fats trennt sich Eddie von seinem langjährigen Freund und Partner Charlie und lernt am Busbahnhof die alkoholabhängige Sarah Packard kennen, bei der er bald einzieht. Die beiden versuchen eine Beziehung zueinander aufzubauen, was aber an Eddies Besessenheit vom Billard und Gordons Gier scheitert. Ohne die Unterstützung Bert Gordons versucht Fast Eddie bei kleineren Spielen gegen ihm klar unterlegene Spieler wieder auf die Beine zu kommen. Der Versuch endet dramatisch als ihm, wohl auf Anordnung von Gordon, von wütenden Verlierern beide Daumen gebrochen werden.

Daraufhin geht Eddie den Deal mit Gordon ein. Dieser organisiert ein Karambolagespiel für Eddie, bei dem dieser aber zunächst klar verliert. Sarah bittet Eddie mit dem Spielen aufzuhören, dieser lehnt es aber ab und überredet Gordon dazu ihn weiter zu finanzieren …

Was zu sagen wäre
Billard ist ein Spiel wie fürs Kino gemacht. Die Spieler sind dauernd in Bewegung, die Bälle auf dem Tisch vollführen kunstvolle Kurven, die Spieler rauchen, trinken, posen und das Klackern der Bälle gibt den Takt vor.

Robert Rossen hat einen der großen Spielerfilme inszeniert, der nicht zufällig für 9 Oscars nominiert war. Die Geschichte vom Gewinnen und Verlieren, vom Wettkampf und dem Drama des Verlierers ist klug geschrieben und Rossen widersteht der Versuchung, lange Ballwechsel am Stück zu zeigen. Seine drei großen Partien in diesem Film sind zweimal ein Ballett aus Überblendungen, zurückhaltend aufgelegter Musik, um den Tisch kreisender Männer, spektakulärer Stöße und … klackernder Bälle auf grünem Filz – und einmal sind es unsichtbare Partien, deren Verierer wir nur erleben. Die Stunden, die diese Partien dauern, vergehen im Fluge.

Die Athmosphäre ist jene professioneller Spielhallen mit Spieltischen, Stühlen Spielern und Kiebitzen; man riecht den Kreidestaub förmlich von der Leinwand herunter. Die Bilder Eugen Schüfftans und der Schnitt Dede Allens tun ein Übriges. Rossen zeigt Eddie zu Anfang, wie er in einer Bar ein paar Gelegenheitsspieler abzockt und wir lernen, dieser Eddie ist kein netter Mensch ist. Paul Newman („Exodus“ – 1960; „Der Mann aus Philadelphia“ – 1959; „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ – 1958; Der lange heiße Sommer – 1958) spielt ihn charmant lächelnd, kalt über den Tisch ziehend, verzweifelt nach dem Strohhalm greifend – eine große Vorstellung, die mich in ihren Bann zieht. Er ist eine Säule des Vier-Personen-Quartetts. Seinen Gegenspieler Minnesota Fats spielt der wuchtige Jackie Gleason, der hier ganz ohne seine TV-Show-Witzchen auskommt. Gleason spielt einen Buddha des Billards – ruhig, selbstbeherrscht, elegant in Anzug und Weste gekleidet. Vor jedem Spiel und nach jedem Spiel reibt er sich die Hände mit Puder ein. Gleason ist präsent, beherrscht den Raum, sobald er ihn betritt, er muss nicht auftreten. Dieser Minnesota kann verlieren und er kann siegen. Eddie nicht. Eddie muss gewinnen. Eine halbe Stunde Film dauert dieser erste Wettstreit zwischen Eddie und Minnesota, die 25 Stunden am Stück spielen. 18.000 Dollar gewinnt Eddie – und verliert sie wieder. Am Ende bleibt er mit 200 Dollar zurück. 

Kinoplakat (US): The Hustler

Diese wunderbar komponierte Anfangsszene ist die Ouvertüre zu dem Drama, das unweigerlich folgt. Noch andere sind im Raum. Charlie, Eddies Partner, der ihn stoppen will, der ihn fast schon bettelnd drängt aufzuhören. Schließlich habe Eddie genug Geld gewonnen. Charlie hat in diesem Drama die undankbare rolle, das abstoßende beispiel zu sein, das zeigt, wie es mit Eddie und einer aufkeimenden Liebesgeschichte enden könnte: Eddie serviert ihn mit zwei Hunderten ab und schmeißt ihn aus seinem leben.

Ein anderer schaut dem Treiben zu: Bert Gordon, dem George C. Scott mephistphelische Züge gibt (Anatomie eines Mordes – 1959), ein Teufel in dunklem Anzug mit dunkler sonnenbrille, die er auch beim Pokern nicht auszieht; wenn er lächelt, zeigt er Zähne, wenn sich ihm jemand widersetzt, schlägt seine Mimik in einem Augenblick in pures Gift um. George C. Scott spielt diese Rolle, als hätte er was anderes gespielt. Ein Mann, der nur eines kennt: Geld und Geldmachen. Die vierte im Quartett isr Sarah. Piper Laurie als einsame Alkoholokerin, die Wartesälen auf flüchtige Bekanntschaften hofft. Sie trifft auf Eddie, nach der Fattie-Partie, als sein Absturz erst beginnt. Diese Sarah ist unverschmt pragmatisch: „Ich stecke in Problemen und ich glaube du hast auch deine Schwierigkeiten. Vielleicht wäre es besser, wenn wir mit unseren Problemen allein bleiben.“

Rossen gelang mit „The Hustler“, also „Der Strichjunge“, ein Drama, in dem es nur vordergründig um Pool-Billard geht. Eddie geht tatsächlich auf dem Strich. Er verkauft sich, schon bevor er sich in das Spinnennetz Gordons begibt.

Newman musste übrigens kräftig Billard üben. Dabei half ihm der damalige Champion unter den amerikanischen Billardspielern, Willie Mosconi, der in einer Nebenrolle im Film zu sehen ist.

Wertung: 7 von 7 D-Mark
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