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Plakatmotiv: King Arthur – Legend of the Sword
Nichts Neues im
Spektakel-Kino
Titel King Arthur – Legend of the Sword
(King Arthur: Legend of the Sword)
Drehbuch Joby Harold + Guy Ritchie + Lionel Wigram + David Dobkin + Joby Harold
Regie Guy Ritchie, USA 2017
Darsteller Charlie Hunnam, Astrid Bergès-Frisbey, Jude Law, Djimon Hounsou, Eric Bana, Aidan Gillen, Freddie Fox, Craig McGinlay, Tom Wu, Kingsley Ben-Adir, Neil Maskell, Annabelle Wallis, Zac Barker, Oliver Barker, Geoff Bell u.a.
Genre Action, Adventure
Filmlänge 126 Minuten
Deutschlandstart
11. Mai 2017
Website kingarthurmovie.com
Inhalt

England im 5. Jahrhundert: Der Magier Mordred greift mit Feuerbällen, riesigen Kriegselefanten und einer Armee das reich Camelot an. König Uther Pendragon erledigt die Angreifer mit dem magischen Schwert Excalibur, wird danach allerdings von seinem Bruder Vortigern verraten, der mit schwarzer Magie im Bunde ist. Vortigern tötet Uther und dessen Frau, lediglich der gerade zweijährige entkommt, wird weggetrieben auf einem Boot. Das Schwert Excalibur bleibt im Körper des Königs stecken, welcher sich in einen Stein verwandelt und zum Grund des Sees sinkt.

Viele Jahre später. Aus Arthur, der von drei Prostituierten erzogen wurde, ist ein gerissener Mann und mit allen Wassern gewaschener Überlebenskünstler geworden. Arthur ahnt noch nicht, welches Schicksal ihm vorbestimmt ist, doch als er eines Tages das Schwert Excalibur aus einem Stein zieht, erfährt er von seiner königlichen Herkunft und hat in den folgenden Wochen Visionen von der Nacht in der seine Eltern starben.

Noch sitzt auf diesem allerdings der Tyrann Vortigern, der unerbittlich über das Volk herrscht. Um den Unterdrücker zu stürzen, schließt sich Arthur zunächst widerwillig der Rebellion an, zu der auch die schöne und mysteriöse Magierin Mage gehört. Gemeinsam versuchen diese, den Tyrannen in einem Attentat zu ermorden, was aber misslingt.

Arthur lernt die gewaltige Macht des Schwertes zu beherrschen und nutzt diese, das Volk Britanniens zu einen und seinen Onkel, den tyrannischen König, zu stürzen, der einst seine Eltern ermordet und seine Krone gestohlen hatte …

Was zu sagen wäre

Plakatmotiv: King Arthur – Legend of the SwordGuy Ritchie wird seinem Ruf schon in den ersten Filmminuten gerecht: Erstmal ordentlich Wumms, eine große Schlacht, monströse Mammuts, große Zerstörung, ein verräterischer Bruder, dem die Machtgier aus jeder Pore quillt, Mittelalter-Game-of-Thrones-Brutalitäten schon zum Vorspanntitel und schon ist die Artuslegende, wie wir sie so gemeinhin aus den zigtausend Verfilmungen kennen, na, sagen wir, dekonstruiert.

Kann man machen. es ist ja in der Tat etwas schräg, dass im mittelalterlichen Britannien jemand ein – wenn auch – sagenhaftes Schwert aus einem Felsen zieht und fortan von allen als König akzeptiert wird? Genau, weil? Weil sich ganz England wie selbstverständlich verneigt? Vor dem Jungen, der das Schwert aus dem Fels ziehen konnte? Und der Usurpator? Zuckt die Schultern, „Na, denn …“ und zieht in die Verbannung? Bei Guy Ritchie natürlich nicht (Codename U.N.C.L.E. – 2015; Sherlock Holmes – Spiel im Schatten – 2011; Sherlock Holmes – 2009; „Stürmische Liebe – Swept away“ – 2002; Snatch – Schweine und Diamanten – 2000; Bube Dame König grAS – 1998).

Ritchie verpoppt die Legende, wie er schon Sherlock Holmes verpoppt hat. Das hat viele Szenen, die sich unterhaltsam anschauen lassen. Da wird der junge König erstmal Moses-like in Londinium per Bötchen in ein Hurenhaus angetrieben. Jetzt muss der Junge Streetcredibility lernen. Die Mann-Werdung des späteren, legendären Königs wird als flotter Video-Clip serviert: Kampftraining, Niederlage, mehr Training, wieder Niederlage, noch eine Niederlage, dann Sieg, Prüfung bestanden; zwanzig Jahre später ist er ein gerissener Gauner mit Herz, der mit der Krone gar nichts im Sinn hat, aber jetzt  noch mit der Magie im magischen Schwert klarkommen muss. Eine schöne Idee, die für ein paar schöne Hui-Buh-Momente gut ist … und dann einfach verpufft.

Plakatmotiv: King Arthur – Legend of the SwordGuy Ritchie macht nichts anderes, als die anderen Wanna-be-Blockbuster-Produktionen dieses Sommers in diesem Jahr auch: einen Pixelgewaltigen ZerstörungsOverkill mit abschließendem Showdown. Dazwischen Videoclipästhetik. Ich kann gar nicht sagen, dass ich das nicht unterhaltsam finde. Es ist halt austauschbar mit den anderen Wanna-be-Blockbuster. Kann-man-muss-man-nicht-Kino, perfekt fürs Multiplex: Wenn der eine Overkill ausverkauft ist, gehe ich halt in den anderen. Ist eh alles das Gleiche. Und mit dem Schlusskampf kann ein Regisseur wie Ritchie, der sein visuelles Fach ernst nimmt, nicht zufrieden sein. Das ist beliebiges Geklirre und Gehämmer und Soundtrack-Gewummer, wie wir es Dutzendfach längst auf der Playstation haben.

Männer-Mythen. Da ist nichts originell, das ist nicht innovativ. Da gefällt sich ein Regisseur selbst am besten in seiner Machart. Sowas schauen wir Kunden/Zuschauer uns gerne an, wenn wir nachts, trunken voller Wein noch vor der Glotze hängen – da ist dann so eine digital aufgepeppte Schlachtplatte gerade richtig, um abzuschalten und ins Delirium zu gleiten. Muss man dafür 175 Millionen US-Dollar Produktionskosten ausgeben? Offenbar nicht: Im weltweiten Boxoffice hat diese müde Legende 143,5 Millionen geholt. Zu wenig.

Als dann König Arthur Pendragon diesen halbfertigen Tisch enthüllt, über den sich seine Gefolgsleute, die dann in schneller Bildfolge zu Rittern geschlagen werden, rätselnd lustig machen, und sagt „Es ist eine Tafel. Man sitzt daran!“ Und wenn sich im letzten Bild dann die Über-Magierin mit dem Schwert über die Lande erhebt (um in die – was weiß ich – ewigen Magiergründe zu ziehen?), da verstehe ich plötzlich, warum die (jetzt beginnende) Geschichte der Ritter der Tafelrunde in ihrer durch Langeweile erzeugten Dekadenz spannender ist als jene, was zwischen Schwert-aus-Felsen-ziehen und King-Arthur-Pendragon passiert: Die Dramen um die Ritter der Tafelrunde sind einfach nicht so ausgelutscht, wie diese ewig gleichen Schlachtplatten.

Wertung: 2 von 8 €uro
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