IMDB
Kinoplakat: Gravity
Ein großes Abenteuer,
schwereloser Kracher.
Titel Gravity
(Gravity)
Drehbuch Alfonso Cuarón + Jonás Cuarón + George Clooney (uncredited)
Regie Alfonso Cuarón, USA, UK 2013
Darsteller

Sandra Bullock, George Clooney
sowie den Stimmen von Ed Harris, Orto Ignatiussen, Phaldut Sharma, Amy Warren, Basher Savage u.a.

Genre Drama
Filmlänge 91 Minuten
Deutschlandstart
3. Oktober 2013
Inhalt

Dr. Ryan Stone und Matt Kowalski schweben im Orbit. Die Ingenieurin ist mit der Wartung eines Satellitenmoduls befasst, Kowalski genießt die Aussicht, während er darafuf wartet, dass seine Passagierin fertig wird. Die Warnung über Funk über heranfliegende Trümmerteile kommt zu spät.

Ein Hagel aus Satellitentrümmern zerstört das Shuttle, tötet die beiden Bordingenieure und trennt Kowalski und Stone von dem Satellitenmodul. Haltlos – bis auf das Sicherheitsband, das beide verbindet – trudeln Stone und Kowalski in die Finsternis. Der Kontakt zur Erde ist abgerissen, der Sauerstoff knapp, niemand weiß, dass sie noch leben und da oben schweben. Kowalski fasst den Plan, beide mit dem letzten Rest Treibstoff in seinem Jetpack zu einer russischen Orbitalstation zu treiben und von dort Kontakt zur Kontrollstation auf der Erde aufzunehmen.

Sie haben 90 Minuten für ihr Vorhaben – dann rauschen die Satellitentrümmer auf ihrer Umlaufbahn wieder heran …

Was zu sagen wäre

„Houston, falls Sie mich hören können …“ Die stets ruhige, besonnene Stimme des erfahrenen Astronauten Kowalski gibt dem Zuschauer im ersten Drittel Halt. Da sind wir ganz bei Ryan Stone – ebenso unerfahren wie sie, ebenso verstört-fasziniert von der einmaligen Aussicht auf den blauen Planeten wie sie. Alfonso Cuarón („Children of Men“ – 2006; Harry Potter und der Gefangene von Askaban – 2004; „… mit deiner Mutter auch!“ – 2001; „Große Erwartungen“ – 1998; „Die Traumprinzessin“ – 1995) hat grandiose Bilder geschaffen, sein Film ist ein Hammer.

Achterbahn in der Schwerelosigkeit

Das Script folgt der Struktur des Dramas in drei Akten. Wir lernen Leben und Welt der Protagonisten kennen. Es kommt zur Herausforderung. Die Heldin muss all ihren Mut aufbringen, sie gibt auf, fasst neuen Mut und ist schließlich entschlossen, es zu schaffen. Im Schlussakt inszeniert Cuarón seiner Heldin eine im wahrsten Sinne des Wortes Wiedergeburt, die nochmal ein großartiges Bild ergibt. Matt Kowalski, der alte Fahrensmann übernimmt die Position des Mentors, eine Art Merlin im Raumanzug.

„Gravity“ funktioniert wie eine Achterbahn mit wahnsinnigen Gefällen, wenn die Trümmerteile neue Trümmer schaffen – wenn die ISS zerlegt wird (ohne Ton – im Weltall wird Schall nicht übertragen), muss sich „Gravity“ vor keiner der großen Weltraumopern verstecken – und irren Steigungen, wenn Cuarón auf der Cinemascope-Leinwand seine Orbit-Panoramen ausbreitet. Die Erdkugel ist dauernd präsent – Mutter Erde, so nah und doch so fern. Es liegt nahe, das kein Bild ein wirklich fotografiertes ist. Nur, weil sich die Protagonisten im Orbit unseres Heimatplaneten aufhalten, gelten ja nicht andere technische Gesetze; Dreharbeiten für einen Spielfilm sind im Orbit der Erde so unmöglich wie im Orbit Naboos. Und dennoch überrascht, wie viel CGI in jedem einzelnen Bild steckt. Nahezu alles, was nicht Schauspieler im Helm ist, ist im Computer entworfenes und geschaffenes Bild – das Innere der Raumstationen: nicht echt. Die Raumanzüge: nicht echt (größtenteils). Damit schwebt der Film bildtechnisch in der Avatar-Liga (und bei dem war immerhin klar, dass die blauen Na'vi nicht echt sind).

Über diese Illusion schafft Cuarón die glaubwürdige, spürbare Illusion der Schwerelosigkeit. In langen Einstellungen umschwebt er seine Protagonisten, die sich unablässig um sich selbst drehen – wenn sie nicht gerade auf Raumstationen krachen und dort verzweifel Halt suchen, um nicht endgültig ins All zu driften. Atemberaubend … buchstäblich. Sowas habe ich noch nicht gesehen.

Zwei Oscarpreisträger haben nur ihre Gesichter

Sandra Bullock und George Clooney haben wenig mehr, als ihre Gesichter unter dem Helm und kommen uns trotzdem sehr nahe. Clooney (The Descendants – 2011; The Ides of March – Tage des Verrats  – 2011; The American – 2010; Männer, die auf Ziegen starren – 2009; Up in the Air – 2009; „Burn After Reading“ – 2008; Michael Clayton – 2007) berührt uns über seine immer ruhige, gelassen sonore Stimme, Sandra Bullock (Taffe Mädels – 2013; Extrem laut und unglaublich nah – 2011; „Blind Side“ – 2009; L.A. Crash – 2004; Miss Undercover – 2000) über ihre riesigen braunen Augen, die ihr in dem engen Helm reichen, um das gesamte Gefühlsspektrum abzubilden. Bullock war für ihr Spiel für den Hauptrollen-Oscar nominiert (den allerdings – und erwartungsgemäß – Cate Blanchett für Blue Jasmine mit nach Hause nahm). Insgesamt war „Gravity“ für zehn Oscars nominiert und wurde ausgezeichnet für Regie, Schnitt, Soundtrack, Kamera (Emmanuel Lubezki hatte einen interessanten Job zu erfüllen zwischen wenigen physischen Elementen und viel digitalem Bild das Licht anzugleichen), Bilschnitt (Cuarón selbst), visuelle Effekte sowie Ton und Mischung (der nominierte Oscar für den besten Film ging an „12 Years a Slave“, den für das Produktionsdesign holte Baz Luhrmanns The Great Gatsby).

Die Produktion von „Gravity“ kostete etwa 100 Millionen US-Dollar, was angesichts zweier Oscarpreisträger (in den einzigen Rollen) sowie der aufwändigen Technik wie ein Schnäppchen erscheint.  Gerechnet hat sich das längst: Bis Mitte März meldet das Boxoffice ein weltweites Einspiel von 707,7 Millionen US-Dollar.

Wertung: 7 von 7 €uro
IMDB