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Kinoplakat: Geständnisse – Confessions of a dangerous mind
George Clooney hinter der Kamera
Gewöhnungsbedürftig und Schräg
Titel Geständnisse – Confessions of a dangerous mind
(Confessions of a dangerous mind)
Drehbuch Charlie Kaufman
nach dem Buch von Chuck Barris
Regie George Clooney, USA 2002
Darsteller Sam Rockwell, Drew Barrymore, George Clooney, Julia Roberts, Michelle Sweeney, Chelsea Ceci, Michael Cera, Brad Pitt, Matt Damon, Aimee Rose Ambroziak, Isabelle Blais, Melissa Carter, Jennifer Hall, Ilona Elkin, Sean Tucker, Jaye P. Morgan, Maggie Gyllenhaal, David Julian Hirsh u.a.
Genre Komödie, Biografie
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
24. April 2003
Inhalt

Chuck Barris wäre beinah viel früher gescheitert. Aber als er so um die 30 war, kaufte ihm das TV-Network das Konzept für seine Sendung „The Dating Game” ab – wir kennen das bei uns als „Herzblatt”. Später kamen Flachbirnen-Shows wie „The Gong-Show” hinzu; hier durfte buchstäblich jedermann (und -frau) zeigen, was er/sie konnte – meistens konnte er/sie nichts und wurde hämisch johlend von der Bühne gegongt. Die Presse geiferte, Barris unterbiete leichtfüßig jedes bekannte Niveau.

Zu der Zeit hatte bereits der Mann vom CIA Kontakt zu Chuck aufgenommen und ihn zum professionellen Killer im Auftrag der Vereinigten Staaten ausgebildet. Eine Aufgabe, der sich Chuck eher widerwillig hingab – sie gab ihm halt einen gewissen Kick. Mit seinem TV-Erfolg wuchs seine Killerunlust, aber für solche Fälle hielt man Patricia bereit, eine glutäugige Kontaktfrau, die den Begriff „Kontakt” durchaus offen interpretierte. Daraufhin bekam Chuck Ärger mit seiner geliebten und liebevollen Penny und irgendwann hatte auch der Sender von seinen Shows die Nase voll – wie von jeder Show, bei der die Quote beginnt zu sinken.

Als wir Chuck kennen lernen, ist er ganz unten. Und bevor er sich dann wohl umbringen wird, will er noch aufschreiben, was es aus seinem Leben zu erzählen gibt: „Ich habe Popsongs geschrieben”, beginnt sein Text, „ich war Fernsehproduzent. Außerdem habe ich 33 Menschen getötet”.

Und die ganze Story soll sich auch tatsächlich so zugetragen haben …

Was zu sagen wäre

Charlie Kaufman („Adaption“ – 2002; Being John Malkovich – 1999) unterstreicht seinen Ruf als Autor schräger Geschichten. Die Form: Eine Rückblende auf ein offenbar verpfuschtes Leben, was man erst gar nicht glauben mag – hier TV-Shows, da weltreisender Killer. Der Ton: Lakonisch, nie larmoyant.

George Clooney zum ersten Mal auf dem Regiestuhl, auf dem er noch nichts zu verlieren hat, macht also das Naheliegende und Vieles ganz anders – er steigt in sein Schelmenstück bombasisch langweilig ein. Als Schauspieler zehrt er da von weit mehr Erfahrung (Solaris– 2002; „Safecrackers oder Diebe haben's schwer“ – 2002; Ocean's Eleven – 2001; Der Sturm – 2000; O Brother, Where Art Thou? – 2000; Three Kings – 1999; The Thin Red Line – 1998; Out of Sight – 1998; Projekt: Peacemaker – 1997; Batman & Robin – 1997; Tage wie dieser … – 1996; From Dusk Till Dawn – 1996) und überzeugt selbst als charming grinsender Schnauzbartträger mit scheußlichem Hut und großem Karo.

Clooney erzählt aus einem bizarren Leben zwischen Glitter und Mord – based on true events – und weiß damit kaum was anzufangen. Mit irren Kameraeinstellungen hetzt er uns durch eine Pleite nach der anderen, bis sich die CIA den erfolglosen Typen krallt, weil er „ins Profil passt“. Man fängt besser gar nicht an zu überlegen, ob oder wie viel Wahres an der Geschichte dran ist, das lenkt nur ab; im Kino ist Vieles erlaubt, da kann es ja auch mal einen Trash-Showmaster geben, der für die CIA in aller Welt Leute umbringt. Aber außer, dass er eben das tut und sich ziemlich cool dabei findet, passiert wenig, sind wir auf ein Gesellschaftsportrait angewiesen, das Clooney uns vielleicht als Alternative zur fehlenden Handlung anbietet. Da sehe ich ein bisschen TV-Leute mit Headset und den ein oder anderen Agenten – schöne Menschen, kluge Dialoge, porentiefe Bilder, dynamische Montage, fröhliches Gaststar-Rudel (Brad Pitt und Matt Damon sitzen bei „Herzblatt“).

Es fehlt die Dramaturgie, die Geschichte, das Portrait, irgendein Grund, warum ich aus dem bizarren Typen nicht eine Seite Drei in der Süddeutschen Zeitung schreibe, sondern einen zweistündigen, aufwändigen Filmstoff mache. Dieser Grund bleibt aus, er fehlt, die Bilder sind es jedenfalls nicht. Sam Rockwell holt aus seiner Rolle raus, was geht, aber es ist nicht so arg viel reingeschrieben.

Der Generationswechsel im Kino erreicht zusehends Hollywood. Spielberg, Lucas, Cameron, Scorsese … sie alle bringen wahlweise das Erprobte perfekt oder gleich gar nichts mehr. Die neuen Jungs auf dem Regiestuhl arbeiten mit Bildverfremdungen, verrückten Schnitten, erstaunlichen Kameraperspektiven und – siehe oben – gewöhnungsbedürftigen Autoren (Kino entwickelt sich wieder ein bisschen). Clooney montiert Anschlüsse, die von großer Freiheit im Geiste zeugen. Ja … das hat was von der gefürchteten MTV-Bildästhetik. Aber es ist wenigstens eine Ästhetik.

Julia Roberts tritt für eine Gage von – so schreibt‘s der Boulevard – nur 200.000 Dollar auf und ist gut wie selten. Brad Pitt und Matt Damon haben Kleinstrollen, die – sofern man sie in der Schnelle erkennt – ein schicker Brüller sind und die zudem manch gestandener Profi-Statist empört zurückweisen würde … „Is' ja nich' ma' Text!“ An solchen Kleinigkeiten im Star-besoffenen Tinseltown merkt man: Clooney arbeitet gerne und gut im Team, jeder arbeitet gerne mit ihm und das sieht man dann dem ganzen gut gelaunten Film an. Sam Rockwell („Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall“ – 1999; „The Green Mile“ – 1999; „Ein Sommernachtstraum“ – 1999) als Chuck ist eine echte Entdeckung für das breite Publikum – auch wenn ich mich frage, warum Clooney dauernd dessen nackten Hintern ins Bild zieht; soll vielleicht zeigen: Auch andere Männer haben schöne Hintern!

Wertung: 4 von 6 €uro
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