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Plakatmotiv: Die Hexen von Eastwick (1987)
Der Teufel gerät in die Hölle
unter drei großartige Frauen
Titel Die Hexen von Eastwick
(The Witches of Eastwick)
Drehbuch Michael Cristofer
nach dem gleichnamigen Roman von John Updike
Regie George Miller, USA 1987
Darsteller Jack Nicholson, Cher, Susan Sarandon, Michelle Pfeiffer, Veronica Cartwright, Richard Jenkins, Keith Jochim, Carel Struycken, Helen Lloyd Breed, Caroline Struzik, Michele Sincavage, Nicol Sincavage, Heather Coleman, Carolyn Ditmars, Cynthia Ditmars u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
29. Oktober 1987
Inhalt

Die Freundinnen Alexandra Medford, Jane Spofford und Sukie Ridgemont, alle um die vierzig, sind die misstrauisch beäugten Außenseiterinnen, welche ohne Mann in der von konservativen Bürgern bevölkerten Kleinstadt Eastwick in Neuengland leben. Alex ist Bildhauerin, die Musiklehrerin Jane ist gerade geschieden, und Sukie mit ihren vielen Kindern schreibt für die Lokalzeitung.

Einmal in der Woche treffen sie sich zum Kaffeeklatsch und um ihre Sehnsüchte auszutauschen. Bei einem dieser Treffen kommt ihnen eine fabelhafte Idee: Warum sich nicht einfach einen Traumprinzen, einen Wunschmann erfinden, der die Bedürfnisse aller drei zufriedenstellen kann? Gesagt, getan: Jede steuert ein paar „Zutaten“ bei, und nur so zum Spaß wird ein „geheimnisvoller Fremder“ heraufbeschworen. Und so betritt der mysteriöse „Daryl van Horne“ den Ort des Geschehens. Offiziell gibt sich der Käufer der alten, geheimnisumwitterten Lennox-Villa als Kunstsammler aus, doch in Wirklichkeit ist er niemand anderer als der Teufel selbst.

Plakatmotiv (US): The Witches of Eastwick – Die Hexen von Eastwick (1987)Und teuflisch sind auch die Kräfte, die er einsetzt, um seine Ziele zu erreichen: Jede der drei Frauen verführt er ganz speziell auf die von ihr persönlich bevorzugte Weise. Obwohl die Damen zunächst aufeinander eifersüchtig sind, erweist sich die Bindung der drei als dauerhaft, denn mittlerweile haben sie mithilfe von Daryl ihr magisches Potential erkannt und beginnen, auf ausschweifenden Festen ihr Dasein sinnlich zu genießen.

Allerdings hat noch jemand gemerkt, dass es in Eastwick nicht mehr mit rechten Dingen zugeht: Felicia, die Frau des Chefredakteurs der Lokalzeitung, für die Sukie arbeitet. Sie gilt als gottesfürchtiges Gemeindemitglied und hält es für ihre Pflicht, die Bevölkerung auf „das Böse“ aufmerksam zu machen. Daher initiiert sie einen Artikel, in dem sie auf dekadente Orgien in der alten Villa hinweist. Die empörten Einwohner des Städtchens reagieren wie erwartet und beginnen, die Freundinnen als Huren zu beschimpfen. So wird Felicia zu einem Störfaktor, der ausgeschaltet werden soll, und Daryl veranlasst mit Hilfe seiner Hexen erst einen Unfall, bei dem sie sich das Bein bricht, und später einen Zwischenfall, bei dem sie getötet wird.

Erschrocken über das Ausmaß ihrer Macht und voll ehrlicher Trauer um Felicia beschließen die drei, vorerst nicht mehr in der Villa zusammenzukommen, damit nicht noch mehr Schaden angerichtet wird. Daryl, seiner Gespielinnen beraubt, ist außer sich vor Zorn. Als er keine der Freundinnen zum Nachgeben bewegen kann, fügt er Sukie fürchterliche Leiden zu, die sie ins Krankenhaus bringen. Langsam wird den dreien klar, mit wem sie sich eingelassen haben …

Was zu sagen wäre

Wenn der Teufel dereinst in die Höle kommt, wird sie bevölkert sein mit selbstbewussten Frauen. Und diese Hölle könnte dann Eastwick heißen. In Eastwick jedenfalls verhebt sich Luzifer an der Frau und trägt einen Hexenschuss davon. „Männer sind nicht auf alles die Antwort“, sagt Alexandra „Nein!“, sekundiert Musiklehrerin Jane.Warum reden wir dann dauernd über sie?“, fragt Alexandra. Alle drei Frauen stehen seit einiger Zeit ohne Mann da, Alex' Gatte starb, Jane musste feststellen, dass sie nicht die einzige Frau im Leben ihres Mannes war und, Sukis Mann, mit dem sechs Kinder zur Welt brachte, ist aufgefallen, dass er Kinder gar nicht mag. Dafür interessiert sich jetzt der bigotte Schuldirektor für die drei attraktiven FFrauen, denen er gerne mal einen Klaps auf den Hintern gibt und anschließend vor der Stadtversammlung eine längliche Rede wider Heuchelei und Unmoral hält. Nicht verwunderlich also, wenn die drei Frauen auf Männer mit Sarkasmus und Zorn reagieren. Einer wie Daryl van Horn mit seinem rauen Charme und seinem teuflischen Selbstbewusstein kommt ihnen da nur recht – und bekommt ihnen gut.

Dieser Daryl van Horn ist eine Paraderolle für Jack Nicholson („Sodbrennen“ – 1986; „Zeit der Zärtlichkeit“ – 1983; Wenn der Postmann zweimal klingelt – 1981; Shining – 1980; Duell am Missouri – 1976; Einer flog über das Kuckucksnest – 1975; Chinatown – 1974; „Das letzte Kommando“ – 1973; Easy Rider – 1969; Psych-Out – 1968; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963). Er umschmeichelt, er umwirbt, setzt sein berühmtes – teuflisches – Grinsen auf, er wütet und tobt. Als sich die drei Frauen seinen Tricks entwunden haben, zetert er in die Gäste des Sonntagsgottesdienstes an: „Ich möchte Euch etwas fragen, Ihr geht alle in die Kirche: Glaubt Ihr, Gott wusste, was er tat, als er die Frau erschuf? Kein Scheiß, ich will das wissen! Oder glaubt Ihr, es war einer von seinen kleineren Irrtümern wie Sturmfluten, Erdbeben? Überschwemmungen?“ Der von einem Mann nach Vorlage eines von einem Mann geschriebenen Romans geschriebene und von einem Mann inszenierte Film feiert die Dekonstruktion des Mannes, die herrschenden Kerle, die noch nicht unter der Knute ihrer Gattin stehen, werden nach und nach der Lächerlichkeit preis gegeben.

Da gibt es zum Beispiel diese Szene, in der Alexandra Daryl zur Rede stellt (und diese Szene macht deutlich, warum Cher – die Alexandra spielt, als zweite auf dem Plakat steht; sie ist der wahre Gegenpart zu Nicholson): „Wir hatten einen Deal und Ihr habt mich fallen gelassen!“ zetert Daryl. „Was soll ich tun? Es wie ein Mann nehmen?? Ich habe Euch mehr gegeben als jeder andere! Und was habe ich bekommen? Ein kleines Dankeschön? Ein bisschen Dankbarkeit? Nein: Ich werde gefickt!“ „Hör mit der Scheiße auf. Was willst Du eigentlich?“ „ICH WILL, DASS JEMAND DIESE HEMDEN BÜGELT. ICH MÖCHTE JEMANDEN, der mich beachtet, mir etwas Respekt zeigt! Ich möchte jemanden, der zur Abwechslung mal auf mich aufpasst! Was willst Du? Jesus! Was will jeder Mann? Ein bisschen Zuneigung. Ein bisschen Vertrauen.“ Nicholson tobt sich lustvoll in dieser Szene, gibt den Teufel der Lächerlich preis. Da ist es gut, dass ihm Cher mit ihrem kühlen, unbeeindruckten Blick gegenübersteht.

Die eigentlich viel interessantere Figur für das anschließende Gespräch in der Kneipe nebenan ist die gottesfürchtige, moralisch aufrechte Felicia, die Veronica Cartwright („Der Stoff, aus dem die Helden sind“ – 1983; Alien – 1979; „Die Körperfresser kommen“ – 1978; Die Vögel – 1863) als Gift spritzende geiferne Zeigefinger-Megäre anlegt. Zunächst wirkt sie tatsächlich wie eine paranoiden Steinzeit-Moralistin, wie es sie in jedem Kleinstadt-Film als Feindbild gibt, die hinter jedem falsch gebakenen Kuchen eine Verschwörung des Teufels wittert. Hier aber entwickelt sich sich zu einem bemitleidenswerten, falsch verstandenen Opfer– „Ich habe nichts gegen einen guten Fick!“ muss sie ihren konsternierten, sexuell offenbar wenig inspirierten Gatten aufklären. Felicia ist die einzige, die spürt, was wirklich passiert – hier sind ihre stockkonservativen Warnungen jene Warnleuchten, die alle übersehen, weil diese alle doch lieber als liberal, modern und fortschrittlich gelten wollen, während der Teufel nebenan den Untergang vorbereitet.

Susan Sarandon ist Jane, die vertrocknet wirkende Musiklehrerin, die durch Daryl wieder Lebensfreude gewinnt und in der schönsten ihrer Szenen ihren drögen Musikkindern die Leidenschaft der Musik in die Finger bläst. Michelle Pfeiffer schließlich ist Suki (Kopfüber in die Nacht – 1985; Scarface – 1983), die an Kindern reiche und Lebensmut arme junge Frau. Pfeiffer pendelt sie zwischen umarmungswürdig Enttäuschter und – dann mit großer Brille – engagierter Lokaljournalistin ein.

Alles in allem ein ätzend sarkastischer Abgesang auf die Vormachtstellung des Mannes mit Charakteren, die over the edge sind – so großartig die Frauen sind, so richtig glaubhaft sind ihre Charaktere nicht – und einem Finale, das mehr laut und bombastisch als boshaft und smart.

 

Wertung: 8 von 10 D-Mark
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