IMDB
Plakatmotiv: Die Nacht vor der Hochzeit (1940)
Fantastische Dialoge,
großartige Spieler
Titel Die Nacht vor der Hochzeit
(The Philadelphia Story)
Drehbuch Donald Ogden Stewart
nach der gleichnamigen Broadway-Komödie von Philip Barry
Regie George Cukor, USA 1940
Darsteller Cary Grant, Katharine Hepburn, James Stewart, Ruth Hussey, John Howard, Roland Young, John Halliday, Mary Nash, Virginia Weidler, Henry Daniell, Lionel Pape, Rex Evans u.a.
Genre Komödie, Drama
Filmlänge 112 Minuten
Deutschlandstart
7. Februar 1950
Inhalt

Die oberen Zehntausend von Philadelphia: Die reiche, unnahbare Tracy Lord bereitet sich auf die Hochzeit mit dem gesellschaftlichen Aufsteiger George Kittredge vor. Tracys Ex-Ehemann Dexter schleust die beiden Zeitungsreporter Mike Connor und Liz Imbrie als vermeintliche Freunde von Tracys abwesenden Bruder in ihr Haus ein, damit diese heimlich von der Feier berichten können. Dexter wurde zur Einschleusung von Sidney Kidd, dem skrupellosen Chefredakteur der Boulevardzeitung Spy Magazine, erpresst – sollte er nicht kooperieren, droht dieser eine schmutzige Story über Tracys Vater und dessen Verhältnis mit einem Showgirl zu veröffentlichen. Dexter hofft allerdings auch auf die Möglichkeit, Rache an Tracy zu nehmen, die ihn vor zwei Jahren einfach vor die Tür gesetzt hatte.

Als Mike und Liz mit Dexter am Tag vor der Hochzeit in Tracys Haus erscheinen, vermutet diese instinktiv, dass Dexters „Freunde“ in Wirklichkeit Reporter sind, und konfrontiert Dexter damit, der nach einem kurzen Wortgefecht mit der Wahrheit herausrückt und ihr von der Erpressung erzählt. Zerknirscht gibt Tracy nach und lässt die beiden gewähren.

Plakatmotiv: Die Nacht vor der Hochzeit (1940)Am Abend vor der Hochzeit wird ein großer Ball gefeiert, Tracy trinkt entgegen ihren Angewohnheiten Alkohol und entdeckt plötzlich Sympathien für den jungen Reporter Mike Connor, der – ebenso betrunken – Dexter offenbart, dass er in Tracy vernarrt ist. Zusammen hecken sie den Plan aus, den Zeitungsmacher Kidd mit einem Artikel über seine Machenschaften auszubooten, damit er die Geschichte über Tracys Vater fallen lässt und auf einen Artikel über die Hochzeit verzichtet.

Am Swimmingpool der Lords gesteht Mike daraufhin Tracy seine Liebe, verzichtet aber als Gentleman darauf, die heillos betrunkene Tracy zu verführen. Als die beiden am nächsten Morgen von George und Dexter aufgefunden werden, kommt es um ein Haar zu einer Schlägerei unter den drei Rivalen, und George wirft seiner Verlobten vor, ihn betrogen zu haben …

Was zu sagen wäre

Was macht eine Frau begehrenswert? Wenn sie fügsam sich kuschelt und ihn mit großen augen bestaunt? Oder wenn – umgekehrt – sie als Göttin sich inszeniert, nie fehlbar, stets perfekt, also immer herzeigbar? Das ist in etwa das Dilemma, in dem Tracy Lord steckt, der Katharine Hepburn hier so wunderbar ein Denkmal setzt, dass wir uns wundern dürfen, warum ihre Karriere zwischen ihrem ersten Oscar für „Morning Glory“ (1932) und jetzt ins Straucheln geraten war – weil in der Zwischenzeit Filme wie Bringing Up Baby oder „Die Schwester der Braut“ (beide 1938), was das reine Box Office betrifft, im Erscheinungszeitraum als Flops abgehandelt werden mussten. War die Zeit nicht reif für eine eigenständige Frau, wie Hepburn sie so häufig gespielt hat? In „Philadelphia Story“ spielt sie wieder die Perfekte, die personifizierte Eleganz, vergöttert von ihrem Verlobtem, einem etwas drögen Unternehmer: „Unnahbar wie eine Göttin, rätselhaft wie ein Sphinx, deshalb habe ich mich in Dich verliebt.

Zwei Jahre zuvor hatte Cary Grant sie deshalb verstoßen, oder – eleganter formuliert – als Gatte der Eleganten sich derart danebenbenommen, dass sie ihn aus Haus und Ehe warf. Da hatte sie noch nicht verstanden, dass Frauen, die bewundert werden, nicht unbedingt geliegt werden – also im romantischen Sinne der Liebe. Erst ihr Vater, in Sachen Perfektion in der Ehe selbst ein ausgewiesener Ignorant, durchbricht die Mauer der Tochter: „Du hast Verstand, bist hübsch und charmant. Wenn Du willst. Du wärst eine begehrenswerte Frau. Aber eines fehlt Dir, das allerwichtigste: Das Herz, Tracy, die Seele! Und ein Mensch ohne Herz ist wie ein Schiff ohne Mast!“ Die Metapher mit dem Mast ist da gleich eine schöne Anspielung auf Cary Grant, den Exgatten, der Schiffe baut und allseits als der bessere Ehemann an ihrer Seite erkannt wird. Nach der väterlichen Tirade immerhin haucht Tracy ihrem Zukünftigen „Aber ich möchte doch geliebt werden, George“ entgegen, was der gar nicht verstehen kann – „Aber ich verehre Dich doch!“.

Plakatmotiv: Die Nacht vor der Hochzeit (1940)Das Buch ist wunderbar geschrieben, bietet den Schauspielern geschliffene, anspielungsreiche Dialoge, mit denen sie sich austoben können. Der Hinweis auf das Schiff ohne Mast ist ein Beleg ebenso wie die trockene Bemerkung der viel jüngeren Schwester Tracys (großartig altklug, und vielseitig: die erst 13-jährige Virginia Weidler), die, als Tracy ihren Zukünftigen mit den Worten begrüßt „Du kommst zu früh, Darling.“ zu Protokoll gibt: „Er kommt doch immer zu früh!“ Es sind nicht nur gute Dialoge geschrieben worden, es sind auch gute Schauspieler am Werk: Lustvoll spielen die drei Haupt- und die großartigen supporting actors ihre Dialoge und Chancen aus. Ruth Hussey etwa, die die Fotografin Elizabeth Imbrie spielt und die der Film als Love Interest für James Stewart vorsieht (der das aber erst ganz am Ende kapiert), hat Geschliffenes in ihrem Script. Sie sitzt bei der maniküre, als draußen vor dem Fenster Stewart und Hepburn ins Gespräch vertieft vorbeigehen – sie zuckt dann kurz mit dem Kopf. „Hat es weh getan?“ fragt darauf die Maniküre und sie antwortet „Man gewöhnt sich dran.

Cary Grant spielt als C.K. Dexter Hagen seine ganze Klasse aus, die er sich im Laufe seiner Karriere antrainiert hat („Meine Lieblingsfrau“ – 1940; „His Girl Friday – Sein Mädchen für besondere Fälle“ – 1940; „SOS Feuer an Bord“ – 1939; „Die Schwester der Braut“ – 1938; Leoparden küsst man nicht – 1938) – er ist unverschämt, direkt, charmant und sieht natürlich finger lickin' gut aus. James Stewart (s.u.) hat die dankbarere Rolle. Er ist der Yellow Press Schreiber, den das Yellow-Press-Geschäft anekelt; der sich schamhaft zurückzieht, wenn Hepburn und Grant – Ex mit Ex – pikant aneinandergeraten, eigentlich also bestes Futter für einen Boulevard-Reporter liefern.

Ein Film, der es schafft, dass ich am Ende völlig aufgelöst in Tränen dasitze, hat etwas sehr richtig gemacht: Er hat schöne Texte mit romantischen Wendungen von passenden – also schönen, romantischen – Schauspielern spielen lassen, die sehr offensichtlich viel Spaß während der Dreharbeiten gehabt haben dürften; dafür spricht auch, dass die Drehzeit nicht ausgeschöpoft werden musste: Man wurde fünf Tage vor dem eigentlich geplanten Drehschluss fertig. Das Budget betrug 914.000 US-Dollar. Seine Premiere feierte der Film im Dezember 1940, in die meisten amerikanischen Kinos kam er aber erst einen Monat später, im Januar 1941 – Grund war die Rücksicht auf das Theaterstück „The Philadelphia Story“, welches noch durch Amerika tourte und mit dem man nicht konkurrieren wollte.

Im Falle eines Fehlschlages prophezeiten viele das Ende von Katharine Hepburns Karriere, doch der Film wurde einer der größten kommerziellen Erfolge des Jahres 1941 und Hepburn über Jahrzehnte eine der führenden Darstellerinnen in Hollywood.

Wertung: 6 von 6 D-Mark
IMDB