Kinoplakat: Gegen die Wand
An diesem Film knabbert
der Zuschauer etwas länger
Titel Gegen die Wand
Drehbuch Fatih Akin
Regie Fatih Akin, Deutschland, Türkei 2004
Darsteller

Sibel Kekilli, Birol Ünel, Catrin Striebeck, Meltem Cumbul, Stefan Gebelhoff, Francesco Fiannaca, Mona Mur, Ralph Misske, Philipp Baltus, Hermann Lause, Karin Niwiger, Demir Gökgöl, Cem Akin, Aysel Iscan u.a.

Genre Drama
Filmlänge 131 Minuten
Deutschlandstart
11. März 2004
Inhalt

Cahit, 40, der wegen eines Selbstmordversuchs in der geschlossenen Abteilung eines Krankenhauses liegt, weiß: Er muss ein neues Leben beginnen. Auch wenn die Wut, die immer noch tief in seiner Seele sitzt, weiter danach schreit, mit Alkohol und Drogen betäubt zu werden.

Sibel, 20, wie Cahit türkischer Herkunft, aber in Hamburg aufgewachsen, liebt das Leben zu sehr, um eine anständige Muslimin zu sein. Um aus dem Gefängnis auszubrechen, das ihre streng gläubige und traditionsbewusste Familie um sie herum aufbaut, versucht sie, sich umzubringen. Doch sie überlebt.

Ihre einzige Chance, der Familie zu entfliehen – „tanzen, ausgehen, ficken und nicht nur mit einem Mann” –, sieht Sibel darin, Cahit zu bitten, sie zu heiraten. Nach kurzem Zögern stimmt er zu. So teilen sich die beiden eine Wohnung, doch kaum mehr. Sibel kostet ihre neu gewonnene Freiheit voll aus, Cahit geht weiterhin mit seiner flüchtigen Bekanntschaft Maren ins Bett.

Bis sich die Liebe langsam in sein Leben einschleicht …

Was zu sagen wäre

Eine Geschichte aus meinem Land. Aus einer Stadt, in der ich irgendwann mal übernachtet habe. Aus einer Welt, in der ich mich definitiv nicht auskenne. Über Leute, deren Verhalten ich mitunter seltsam finde. Von einem Regisseur (Im Juli – 2000; Kurz und schmerzlos – 1998), der aus diesem Land, dieser Stadt, dieser Welt, diesen Personen kommt und Authentizität verspricht. Wenn ich mich endlich darauf einlasse – das hat einige Zeit gedauert, mich an die Fremdheit zu gewöhnen – dann gilt kurz und knapp: Wow!! Bei der Verleihung des Goldenen Bären für diesen Film sagte Berlinale-Jury-Präsidentin Frances McDormand, der Film sei „Rock'n'Roll“. Da hat sie Recht!

Der Film ist mit dem Nachspann nicht zu Ende. Ich habe noch Tage später an Sibel und Cahit und ihr Drama gedacht. Mich hat vor allem die Geschichte nach dem Zeitsprung fasziniert – im Film die letzten zehn Minuten, eine Art Epilog. Ich liebe so was. Das Epische hat mir schon bei „Solino“, Fatih Akins vorherigem Film, gut gefallen. Die Wandlung, die beide Figuren durchgemacht haben, ist plausibel, glaubhaft und dann auch längst in einer Welt, die mir alles andere als „fremd” oder anders ist – Akins Film ist im besten Sinne Völker verständigend. Er zeigt: So unterschiedlich die Menschen in ihrer Kultur sein mögen; in dem, was Leben ausmacht, sind sie alle ähnlich.

Die Hauptdarsteller: Birol Ünel – beeindruckend in der Selbstzerstörung und in seiner Präsenz. Sibel Kekilli – Ja, stimmt schon, in einigen Szenen fällt auf, dass die junge Schauspielerin Schwierigkeiten mit längeren Texten hat. Die kommen gekünstelt. Aber wen stört sowas. Sie ist bezaubernd, erfrischend, großartig, mitreißend, charmant, wunderbar, präsent, eine Entdeckung für das deutsche Kino.

Wertung: 6 von 6 €uro