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Plakatmotiv: Frankie und Johnny (1991)
Eine etwas längliche Love-Story
mit zwei grandiosen Schauspielern
Titel Frankie und Johnny
(Frankie and Johnny)
Drehbuch Terrence McNally
nach dem Bühnenstück „Frankie and Johnny in the Clair de Lune“ von Terrence McNally
Regie Garry Marshall, USA 1991
Darsteller Al Pacino, Michelle Pfeiffer, Hector Elizondo, Nathan Lane, Kate Nelligan, Jane Morris, Greg Lewis, Al Fann, Ele Keats, Fernando López, Glenn Plummer, Tim Hopper, Harvey Miller, Sean O'Bryan, Goldie McLaughlin u.a.
Genre Romantik, Komödie
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
19. Dezember 1991
Inhalt

Johnny wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen und findet in New York City Arbeit als Koch im von Griechen geführten Lokal Apollo Cafe. In diesem arbeitet die alleinstehende Frankie als Bedienung. Johnny fragt sie eines Tages, ob sie mit ihm ausgehen will, Frankie lehnt jedoch ab.

Aufgrund schlechter Erfahrungen mit vorhergehenden Beziehungen zieht Frankie es vor, allein zu bleiben. Ihre einzige Bezugsperson ist ihr homosexueller Nachbar Tim. Johnny lässt aber nicht locker und zu einer Abschiedsfeier eines Kollegen holt er Frankie von zu Hause ab und sie gehen beide gemeinsam zur Feier. Im Laufe des Abends kommen sich beide näher und landen schließlich in Frankies Wohnung, wo sie miteinander schlafen.

Plakatmotiv: Frankie und Johnny (1991)Frankie fühlt sich in der Folgezeit immer mehr von Johnny eingeengt, da er ihr erklärt, dass er sie liebt und sie auch heiraten will. Frankie kann damit nicht umgehen und fühlt sich überfordert. Johnny findet heraus, dass beide in Altoona (Pennsylvania) aufgewachsen sind …

Was zu sagen wäre

Eine schmerzhaft romantische Liebesgeschichte in der Glitzermetropole New York – abseits des Glitzers in der Welt der Frittenrestaurants. Er hat im Gefängnis kochen gelernt und steht am Herd, sie hat nichts gelernt und bedient im Laden. In einer Stadt, in der Ambition, Karriere, Geld alles bedeuten, findet Garry Marshall („Freundinnen“ – 1988; Overboard – Ein Goldfisch fällt ins Wasser“ – 1987; Nothing in Common – 1986; „Flamingo Kid“ – 1984) eine Gesellschaft, in der das alles nichts bedeutet. Visuell ist der Film das Gegenstück zu Marshalls Pretty Woman aus dem vergangenen Jahr, der im mondänen Beverly Hills spielte, in dem die Liebe noch Klassenschranken einreißen musste.

In diesem Brioadway-Stück muss die Liebe andere Mauern einreißen – Schutzpanzer, die sich Menschen umgelegt haben, weil sie Verletzungen auf der Seele mit sich herumtragen, die nicht heilen können, weil, Zwickmühle, nur ein anderer Mensch diese Verletzungen behandeln und lindern kann, den die Einsamen aber lieber nicht nah kommen lassen wollen. Wenn Frankie, die seit drei Jahren Single ist und Single bleiben will, aus dem Fenster schaut sieht sie die Verrenkungen, die Menschen aus Angst vor der Einsamkeit Kompromisse machen – sie stehen stundenlang vor dem Spiegel und testen Reizwäsche, ondulieren sich Toupets aufs Haupthaar; gegenüber die Frau lässt sich lieber von ihrem Mann schlagen als ihn zu verlassen. Und das alte ehepaar im dritten Stock schweigt sich beim Essen beinhart an (Garry Marshall hat hier ein paar Szenen aus Hitchcocks Fenster zum Hof sehr schön neu interpretiert).

Man kann im Kinosessel schon verstehen, warum Frankie dann lieber einen Videorecorder kauft und eine Pizza bestellt, das sei wie Kino mit anschließendem Dinner „und ich muss mir von keinem Idioten die Zunge ins Ohr stecken lassen.“ Die einsame Frankie mit der vernarbten Seele spielt, ungeschminkt geschminkt blass und dünnhäutig Michelle Pfeiffer (Das Russland-Haus – 1990; „Die fabelhaften Baker Boys“ – 1989; Tequila Sunrise – 1988; Die Mafiosi-Braut – 1988; Die Hexen von Eastwick – 1987; Kopfüber in die Nacht – 1985). Ihr Spiel ist facettenreich und präzise; wenn ihr schwuler Nachbar, gespielt vom großartigen Nathan Lane, sie neckt, blüht sie etwas auf und plötzlich lächelt sie sogar. Die Wende von der waidwunden Seele zum strahlenden Engel mit angeknackstem Flügel macht Pfeiffer in zehn Sekunden. Diese Schauspielerin ist, was die Amerikaner One of a Kind nennen – einzigartig. Es mag anfangs Glück für sie gewesen sein, dass die schöne Michelle Pfeiffer unter – sicher – lauter schönen Schauspielerinnen für „Grease 2“ gewählt und dann von Brian DePalma als grandios genervte Elvira in Scarface (1983) besetzt wurde. Aber Pfeiffer beweist ein ums andere Mal, dass das Glück 1982 auf keine Blenderin hereingefallen ist

Nach acht Jahren trifft sie wieder auf Al Pacino, an dessen Seite sie in Scarface erstmals zeigen konnte, was in ihr steckt. Al Pacino in der Rolle des romantisch Werbenden – darauf muss man auch erst einmal kommen (Dick Tracy – 1990; Sea of Love – 1989; Scarface – 1983; „Cruising“ – 1980; Hundstage – 1975; Der Pate – 1972). Wieder spielt er mit vollem Körpereinsatz, hypnotisiert seine Amgebetete mit großen Augen und spielt gleichzeitig zurückgenommen – für seine Verhältnisse; den Berserker lässt er in der Garderobe, lediglich auf einer Party schaut er kurz zur Tür herein. Und es funktioniert. Im Zusammenspiel mit Pfeiffer funktioniert diese Romanze sehr gut und glaubwüürdig.

Das ist das Beste, was ich über den Film sagen kann, der sehr schöne New-York-Bilder zeigt, in dem der von Garry Marshall dauerbesetzte Hector Elizondo – nach dem Hotelmanager im Beverly Hills Hotel – diesmal als griechischer Patron unwiderstehlich ist und das Script von Terrence McNally manch schönen Gag bereit hält: Würde ich Michelle Pfeiffer und Al Pacino so gerne zuschauen, wären die ersten 40 Minuten eher zäh, in denen wir viele charmante Figuren und schönes Lokalkolorit bekommen, aber keine Geschichte. Bis Frankie und Johnny ihr dauerndes Hin und wieder Weg mal beginnen, passiert nicht viel. Und auch dann passiert vor allem, dass Frankie sich abrupt wieder abwendet, bis wir ganz am Schluss erfahren, was ihre Seele vernarbt hat – gut, dass wir in der Zwischenzeit Michelle Pfeiffer gerne zuschauen, andernfalls möchte man die Frau irgendwann zum Mond schießen. Dass Johnny sich in die vedrliebt, kann man glauben: Frankie ist eine Frau der Tat. Sowas imponiert. Dass er sich so geduldig an ihr Herz und ihre Seele heranrobbt, ohne auszuflippen, weil es doch Al Pacino ist, ist die Überraschung des Films.

Wertung: 6 von 10 D-Mark
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