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Kinoplakat (US): Flipped (Verliebt und ausgeflippt)
Ein Film für alle, die sich an die
Erste Liebe erinnern können
Titel Verliebt und ausgeflippt
(Flipped)
Drehbuch Rob Reiner + Andrew Scheinma
nach dem Roman von Wendelin Van Draanen
Regie Rob Reiner, USA 2010
Darsteller Madeline Carroll, Callan McAuliffe, Rebecca De Mornay, Anthony Edwards, John Mahoney, Penelope Ann Miller, Aidan Quinn, Kevin Weisman, Morgan Lily, Ryan Ketzner, Gillian Pfaff, Michael Boza, Beau Lerner, Jacquelyn Evola, Taylor Groothuis, Elly Bryant, Ashley Taylo, Israel Broussard, Cody Horn u.a.
Genre Drama, Komödie
Filmlänge 90 Minuten
Deutschlandstart
8. April 2011 (DVD-Release)
Inhalt

Als die Loskis Mitte der 1950er Jahre in das Haus gegenüber der Familie Baker ziehen, verliebt sich die Zweitklässlerin Juli Baker in ihren gleichaltrigen neuen Nachbarn Bryce Loski. Bryce hingegen versucht alles, diese ausgesprochen lebhafte und sehr direkte Nachbarin auf Distanz zu halten. Fünf Jahre geht das so.

Um sich Juli fern zu halten, nimmt Bryce sogar Dates mit Sherry Stalls in Kauf – die ist atemberaubend hübsch blond, redet aber ununterbrochen von Kosmetik, Kleidchen und ähnlichem Schmu. Als sie auch noch gesteckt bekommt, dass Bryce ihr nur zuhört, um Juli eins auszuwischen, wischt sie ihm eine und ist weg. Sehr zur Freude von Juli. Juli ist unterdessen einem anderen Loski ins Auge gesprungen: Bryce' Großvater Chet hatte in der Zeitung gelesen, wie Juli versucht hat, eine Platane in der Nachbarschaft zu retten und jetzt sieht er sie in ihrem kargen Vorgarten werkeln.

Chet freundet sich mit Juli an, hilft im Garten. Durch diese Ereignisse beginnt sich auch Bryce langsam für Juli zu interessieren. Doch nachdem Juli mithören kann, wie Bryce sich mit anderen Jungs über ihren behinderten Onkel Daniel lustig macht, will sie nichts mehr von Bryce wissen und fragt sich, ob nicht vielleicht doch weniger hinter diesen strahlend schönen Augen ist, als zu vermuten war.

Im Anschluss an eine Schulveranstaltung, bei der Bryce nicht aufhören kann, an Juli zu denken, will er sie unbeholfen und ohne Vorwarnung küssen …

Was zu sagen wäre

Nein, diesen deutschen Titel hat Rob Reiners Kindheitsromanze wahrlich nicht verdient. „Ausgeflippt” ist hier niemand. Verliebt schon, ein bisschen jedenfalls. So wie Teenager bei der ersten schüchternen Verknalltseinswallung. Das „Flipped” des Originaltitels bezieht sich auch eher auf die wechselnden Erzählperspektiven, wenn erst er, anschließend sie aus dem Off kommentieren, wie's gewesen ist, sowie auf die Schwankungen in den Gefühlen der der beiden Teenager füreinander.

Ein wärmender Zuckerguss fürs Gemüt

Rob Reiner („Das Beste kommt zum Schluss“ – 2007; An Deiner Seite – 1999; Harry und Sally – 1989; Die Braut des Prinzen – 1987) lässt keine Zweifel aufkommen. Nach wenigen Minuten ist die Marschrichtung klar: Mit Kandis-schweren Zuckerfingern greift diese Teenage-Lovestory nach dem Zuschauer. Entzieht sich der, ist der Film nach fünf Minuten abgehakt, entlarvt, verlogen. Lässt er sich aber drauf ein, wird er mit dem wunderbar warmen Gefühl belohnt, mit dem man an seine eigene, verklärte Kindheit und Jugend zurückdenkt – an jenes Urvertrauen in die Eltern und das Gute in der Welt; bevor die ersten Risse kamen.

Der Film hat's nicht in die deutschen Kinos geschafft. Der deutsche Titel deutet an, warum: Der Verleiher konnte mit der Thematik nichs anfangen, wusste nicht, wie und an wen er den Film verkaufen soll. Das ist auch in der Tat nicht einfach. Rob Reiner, der mit Stand by me - Das Geheimnis eines Sommers (1986) und mit Sure Thing – Der Volltreffer (1985) zwei eherne Pflöcke im seriösen Teenager-Kino gesetzt hat, erzählt zwar eine Kindergeschichte – die Geschichte einer ersten Liebe – aber er hat eben keinen Kinderfilm gedreht.

Das universelle Wesen der Liebe

Im Zentrum steht das universelle Wesen der Liebe – rätselhaft, zurückweisend, anziehend, Albtraum, Traum, Zorn, Enttäuschung, Sehnsucht, Hingebung und was sonst so dazu gehört, wenn jemand frisch verliebt ist. Zwei erwachsene Elternpaare, bei denen die romantische Liebe längst einem dem grauen Alltag geschuldeten Pragmatismus gewichen ist, spielen zentrale Rollen und werden mit 1A-Schauspielkunst geadelt: Rebecca DeMornay, die man eher als Vamp oder irren Killer kennt sowie Penelope Ann Miller, die im Kino der 90er-Jahre das schöne Beiwerk der Helden gab und später in TV-Serien ihre Kunst ausspielen konnte, geben hier zwei wunderbar spießige 1960ies-Mütter – überkandidelt, brav onduliert, grandios unauffällig.

Anthony Edwards und Aidan Quinn als die jeweiligen Ehemänner sind in ihren Träumen und Zwängen mitleidenswert gefangen. Interessanterweise werden die sicher vorhandenen hormonellen Schübe bei den jweils älteren Geschwistern unserer juvenilen Helden komplett ausgeklammert – wir erfahren, dass die Brüder von Juli Baker schön singen können und in der älteren Schwester von Bryce mit Cody Horn eine Schauspielerin steckt, die wunderbar in jeden High-School-Film passt – entweder als grundgüter Gwendolyn-Stacy-Verschnitt mit Haarreif oder als giftige blonde Natter – so oder so, ein schönes Gesicht.

Für ca. 14 Millionen US-Dollar produziert und nur in wenigen Kinos gestartet, spielte der Film in den Vereinigten Staaten 1,75 Mio. US-Dollar ein. Gedreht wurde im Sommer 2009 in Ann Arbor.
Die deutsche DVD ist seit dem 8. April 2011 erhältlich.

Wertung: 5 von 7 €uro
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