IMDB
Kinoplakat: Extrem laut und unglaublich nah
Ein ganz gutes Drama, das
nicht gut fürs Kino taugt
Titel Extrem laut und unglaublich nah
(Extremely Loud & Incredibly Close)
Drehbuch Eric Roth
nach dem gleichnamigen Roman von Jonathan Safran Foer
Regie Stephen Daldry, USA 2011
Darsteller Thomas Horn, Sandra Bullock, Tom Hanks, Zoe Caldwell, Dennis Hearn, Paul Klementowicz, Julian Tepper, Caleb Reynolds, John Goodman, Max von Sydow, Stephen Henderson, Lorna Pruce, Viola Davis, Jeffrey Wright u.a.
Genre Drama
Filmlänge 129 Minuten
Deutschlandstart
16. Februar 2012
Inhalt

Der elfjährige Oskar verliert seinen Vater Thomas bei dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001. Mit ihm verbindet Oskar eine ungewöhnlich innige Beziehung. Immer wieder gibt Thomas seinem Sohn schwierige Aufgaben, die der in Form einer Schnitzeljagd lösen muss.Oskar liebt das Spiel. Er lernt viel.

Nach dem Tod seines Vaters beginnt Oskar, einem Hinweis zu folgen, den er in einer Vase im Schrank seines Vaters findet – ein Schlüssel, dessen Etui mit dem Wort „Black” beschriftet ist. Weil Oskar glaubt, der Schlüssel sei für ihn bestimmt, beschließt er, jeden Menschen namens Black, der im Telefonverzeichnis New Yorks gelistet ist, aufzusuchen, um herauszufinden, welches Schloss der Schlüssel öffnet.

Im Laufe der Suche freundet sich Oskar mit dem stummen Untermieter seiner Großmutter an, der ihn bei seiner Suche unterstützt und versucht, einige Ängste des Jungen zu nehmen. Oskar spielt dem Mann auch einige Nachrichten vor, die sein Vater kurz vor seinem Tod auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hat und von dessen Existenz nicht einmal Oskars Mutter etwas weiß. Oskar zieht den Schluss, dass der Untermieter sein Großvater sei.

Schließlich findet Oskar einen weiteren Hinweis seines Vaters, der ihn zu einem Black bringt, bei dem er vorher schon mal war …

Was zu sagen wäre

Ein europäisch anmutender Film mit einer für Europäer schwer zugänglichen Dramatik. Zu zäh entwickelt sich die Story, die vor allem über den Respekt für die Toten und die Trauernden funktioniert – am BoxOffice erreichte der Film ordentliche 55 Millionen Dollar.

„Extremely Loud & Incredibly Close” will einfach nicht zum Film reifen. Er bleibt eine – schöne – Erzählung. Die Beziehung von Oskar zu seinem Dad ist intensiv, er fehlt, kaum, dass er weg ist. Tom Hanks (Larry Crowne – 2011; Illuminati – 2009; „Der Krieg des Charlie Wilson” – 2007) tritt hier in einer kleinen Rolle auf, die aber ordentlich nachhallt. Wir spüren den Verlust. In die ängstliche Gedankenwelt des verhaltensauffälligen Oskar muss sich der Zuschauer allerdings erst einfinden.

Dass er (ausgerechnet) einen Schlüssel findet, der ihm helfen soll, sein Leben wiederzufinden, ist immerhin ein schönes Bild. Der Schlüssel schließt uns etliche Türen quer durch New York auf, ein schönes Panoptikum, das aber irgendwann an seinem schwachen Unterbau zerbricht. Je länger man hinschaut, fällt auf, dass die Story gar nicht passt. wo ist eigentlich die Mutter? Wer lässt denn ein Jahr lang sein Kind in so einer dramatischen Situation alleine, unbeaufsichtigt durch die Großstadt tigern? Geht der eigentlich auch mal zur Schule? Das zurückhaltende Porträt der Mutter – immerhin gespielt von Sandra Bullock („Blind Side” – 2009; L.A. Crash – 2004; Speed – 1994; Demolition Man – 1993) – klärt sich später als Twist für einen Drehbuch-Trick; ein ärgerliches Moment.

Und da taucht dann der unvermeidliche Alte Mann auf, der Mentor, der dem Jungen den Weg weisen soll, aber wenig mehr tut, als stumm zu sein, seine Ansichten auf Zettel zu schreiben und irgendwann wieder zu verschwinden. Max von Sydow gibt diesen Mentor beeindruckend. Überhaupt haben beide, der Junge und der Alte, eine Mordsausstrahlung. Der Junge mittels seiner knatschblauen Augen, der Alte mittels seines Maxvonsydowismus'.

Die Erwähnung der Türme, des Datums, des „schrecklichsten Tages” macht die Menschen weich. Das ist ein schöner Gegenentwurf zu dem hinlänglich bekannten Bild des so gefühlskalten New Yorkers – ein europäisch anmutender Film. Und die Musik von Alexandre Desplat unterstreicht das.

Der Film wurde 2012 für einen Oscar in der Kategorie Bester Film nominiert (der französisch-belgische Stummfilm „The Artist” wurde ausgezeichnet). Max von Sydow wurde für einen Oscar als bester Nebendarsteller nominiert (ausgezeichnet wurde Christopher Plummer für „Beginners”).

Wertung: 5 von 7 €uro
IMDB