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Kinoplakat: Ein Chef zum Verlieben
Flaches Drehbuch
statt Frühlingsromanze
Titel Ein Chef zum Verlieben
(Two Weeks Notice)
Drehbuch Marc Lawrence
Regie Marc Lawrence, USA, Australien 2002
Darsteller Sandra Bullock, Hugh Grant, Alicia Witt, Dana Ivey, Robert Klein, Heather Burns, David Haig, Dorian Missick, Joseph Badalucco, Jonathan Dokuchitz u.a.
Genre Komödie, Romanze
Filmlänge 101 Minuten
Deutschlandstart
13. Februar 2003
Inhalt

Lucy Kelson gehört zu den – nach Volksmund – „hoffnungslosen Fällen”. Die Tochter eines brillanten Juristen und einer noch brillanteren Juristin hat sich dem sozialen Miteinander verschrieben, der Hilfe für die, die nichts haben, dem Bewahren des Alten, Guten und Schönen. Und nach Feierabend ruft sie beim chinesischen Lieferservice an, um sich – „Ja, für einen!” – den Frust wegzumampfen. Also, kurz gesagt: In Manhattan ist Lucy etwa so erfolgreich, wie ein Fisch auf dem Trockenen.

George Wade ist da anders. Er leitet die Wade-Corporation, ist dauernd auf Titelblättern von „GQ” bis „Forbes”, kann sich vor Frauen nicht retten und reißt dauernd alte, gute und schöne Häuser ab, um neue Glaspaläste hinzustellen.

Die beiden laufen sich über den Weg. Und weil Lucy als Juristin an sich ungefähr so brillant ist, wie die Kreuzung ihres Vaters und ihrer Mutter, hat sie bald einen Job bei Wade – sie leitet die Rechtsabteilung und kann sich jetzt „mit Macht im Rücken” für das Bewahren von Altem, Schönem und Gutem einsetzen. Glaubt sie.

Bald kann sich Wade ohne Lucy nicht mal mehr eine Krawatte aussuchen: Die Chefanwältin der Wade Corporation ist rund um die Uhr im Einsatz – Schlafmangel und Magengeschwüre gehören zum Berufsbild. Aber nicht die Arbeit raubt Lucy die Nachtruhe, sondern George. Denn der smarte, charmante und völlig egozentrische Chef behandelt die Harvard-Absolventin wie eine Hausangestellte. Monatelang hat Lucy ihm die Anzüge gekauft, Tennisunterricht gegeben und seine Scheidungsverhandlungen geführt – jetzt wirft sie das Handtuch.

George ist über ihre Kündigung gar nicht glücklich, lässt sie aber gehen – unter der Bedingung, dass sie selbst für Ersatz sorgt. Lucy sucht und findet die ehrgeizige junge Anwältin June Carter, die sofort ein Auge auf ihren reichen neuen Boss wirft. Nach dem Dauerstress freut sich Lucy, endlich wieder Aufgaben zu übernehmen, die ihrem sozialen Engagement entsprechen.

Und George? Als Lucy kündigt, muss er wieder eigene Entscheidungen treffen. Ist es schon zu spät für ein „Ich liebe dich” ..?

Was zu sagen wäre

Auf dem Plakat stehen Hugh Grant und Sandra Bullock Rücken an Rücken vor der Skyline Manhattans – oder vor einer Fototapete mit der Skyline Mannhattans. So künstlich ist auch der Film. Schlampig, oberflächlich, runtergekurbelt – so ist der Film zusammengefasst; etwas Charme sprüht von den beiden Hauptdarstellern Sandra Bullock und Hugh Grant („About a Boy” – 2002; „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück” – 2001; Schmalspurganoven – 2000; Notting Hill – 1999; „Sinn und Sinnlichkeit” – 1995; „Vier Hochzeiten und ein Todesfall” – 1994), weil die einfach charming sind.

Ein Kino-Drehbuch auf TV-Movie-Niveau

Ansonsten fehlt es an allem. Das Drehbuch tackert bekannte Platitüden zusammen – der reiche oberflächliche Schnösel, die arme aber brillante und sozial engagierte Schöne und ein Projekt, das beide zusammenbringt. Punkt. Offenbar hat Autor Marc Lawrence, der vorher das Script zu „Miss Undercover” geschrieben hat, sich gedacht, es reiche, Sandra Bullock eine von ihm geschriebene Figur spielen zu lassen und möglicherweise hat Executive Producer Sandra Bullock das auch geglaubt und Lawrence die Regie-Chance gegeben. Da ist schief gegangen – die Geschicht bewegt sich auf durchschnittlichem TV-Movie-Niveau und sie scheint den Beteiligten auch egal zu sein. Und Sandra Bullock, die für sich dringend einen Hit sucht („Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya Schwestern – 2002; Mord nach Plan – 2002; „Miss Undercover” – 2000; „28 Tage” – 2000; „Die Jury” – 1996; „Das Netz” – 1995; Während du schliefst – 1995; Speed – 1994; Demolition Man – 1993), war zu sehr mit ihrem Image als charming Kratzbürste beschäftigt, um sich tiefer in das Drehbuch einzuarbeiten und die Lücken zu spüren.

Es ist langweilig, 100 Minuten zwei Menschen zuzugucken, bei denen sich so gar nichts entwickelt. Weil es nämlich keinen Konflikt gibt. Da wird ein soziales Prestige-Bauprojekt eingeführt – über das sich beide kennenlernen – das der böse Bruder des Millionärs gegen alle Absprachen abreißen will, aber schon dieser Bruder wurde nicht richtig eingeführt, ist einfach immer mal da, ist ein kalter Geschäftsmann und irgendwann stellt sich nebenbei raus, dass er eigentlich der Macher ist, während sein Bruder nur hübscher in den Medien rüberkommt. Ach so … das muss der ganzen Firma inklusive Wirtschaftsmedien irgendwie entgangen sein. Aber auch daraus wird kein roter Faden, ebenso wenig, wie aus dem Hick-Hack um das Projekt. Warum sich Lucy und der Millionär verlieben, muss man eher raten.

Schlampige Arbeit

Die Macher haben schlampig gearbeitet. Ist die Story gut, fällt sowas nicht auf: Ungefähr jeder zehnte Bildschnitt hat einen Anschlussfehler. Fällt mir einer auf, fallen mir mehr auf und irgendwann stört es gewaltig. Dazu gibt es Bilder, die keinen Glamour versprühen. Da ist nichts Bigger-Than-Life-Romance.

Die Synchronisation ist bescheiden. Beide Stars haben ihre deutschen Stimmen, aber zumindest bei Hugh Grant merkt man, dass beide nicht mehr synchron laufen – seine Mimik ist völlig anders, als die deutsche Tonlage. Am Ende bleibt der Eindruck: „Hätte auch auf Video gelangt!” Nichts besonderes.

Wertung: 2 von 6 €uro
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