Kinoplakat: EDtv
Eine beißende Komödie
über den Quotenwahn
Titel EDtv
(Edtv)
Drehbuch Lowell Ganz + Babaloo Mandel
nach dem Drehbuch zu dem französischen Film „Louis 19, le roi des ondes“ von Émile Gaudreault + Sylvie Bouchard
Regie Ron Howard, USA 1999
Darsteller Matthew McConaughey, Jenna Elfman, Woody Harrelson, Ellen DeGeneres, Sally Kirkland, Martin Landau, Rob Reiner, Dennis Hopper, Elizabeth Hurley, Adam Goldberg, Viveka Davis, Clint Howard, Geoffrey Blake, Gail Boggs, Jenna Byrne u.a.
Genre Komödie, Drama
Filmlänge 122 Minuten
Deutschlandstart
5. August 1999
Inhalt

Das Flaggschiff der NorthWest Broadcasting Company, „True TV“, hat einen schweren Einbruch den Zuschauerquoten zu verdauen. Für Programmchefin Cynthia Topping ist die Entlassung greifbar nahe.
Sie startet einen letzten Versuch, ihre Karriere und den Sender zu retten: Sie will das Leben eines völlig durchschnittlichen Typen im Fernsehen übertragen.

24 Stunden, rund um die Uhr. Live. Ohne Schnitt. Ohne Drehbuch. Ohne Schauspieler. Ohne Proben. Ohne Unterbrechung. Unvorhersehbar. Amerika soll vor der Glotze sitzen und dieser Person beim Leben zugucken. Nach diversen Castings haben sie ihre Hauptperson gefunden: der jungenhafte, etwas doofe Mit-Dreißiger Ed Pekurny.

Es braucht knapp eine Woche, da ist der lustlose Videotheken-Mitarbeiter der Fernseh-Hit der Saison. Die Quoten von „True TV“ steigen, Amerika hat nur noch Augen für „EDtv“. Bald gibt es Fanclubs, Groupies, Schlagzeilen und natürlich Fernseh-Imitatoren … kurz: die Nation ist von „EDtv“ besessen, „EDtv“ wird zu neuen Ikone der amerikanischen Seele.

Ed kann das nur recht sein. Er begrüßt es, dass dauernd das Drei-Mann-Kamera-Team um ihn rum ist. Sein Appartement ist mit Kameras bestückt, wenn er schläft, gibt's die Highlights des Tages und, um ihm sein Privatleben (manche würden sagen: seine Würde) zu lassen, bleibt Sex für die Kameras ausgeschlossen.

Und als Ed sich in Shari verliebt, sind die Zuschauer nicht so begeistert. Denn Shari war bis vor kurzem Rays Freundin – Ray ist Eds Bruder; und der muss live auf dem Bildschirm miterleben, wie sich Ed und Shari näher kommen. Als Ed versucht, Shari in einem guten Licht darstehen zu lassen, wird sie sauer. Sie werde hier nicht für die Rolle der Freundin vorsprechen.

Kinoplakat: EDtvNach weiteren Ereignissen reift in Ed immer mehr der Wunsch, die Sendung zu beenden, doch der Fernsehsender möchte ihn nicht aus seinem Vertrag entlassen. Ed findet sogar heraus, dass seine ganze Familie inzwischen Verträge unterschrieben hat und ebenfalls von Kameras begleitet wird. Schließlich verkündet Ed in der Sendung, er würde für die peinlichste Hintergrundinformation über das Management des Senders 10.000 US-Dollar Belohnung zahlen …

Was zu sagen wäre

Anleihen an der Truman Show (1998) sind nicht zu verleugnen. Das nimmt dem Film seine Wucht. Die große Idee verblasst hinter dem Original, es bleibt eine weitere sarkastische Abrechnung mit dem Quoten-Hype moderner Medien. Aber die ist böse gut geschrieben – und gespielt.

Matthew McConaughey (The Newton Boys – 1998; Amistad – Das Sklavenschiff – 1997; Contact – 1997; Die Jury – 19967) ist in doppelter Hinsicht das arme Schwein. Er spielt Ed, den tumben Tor, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wird. Aber außer zunehmendem Erschrecken gibt die rolle wenig her. Besser hat es da Woody Harrelson (Palmetto – 1998; Wag the Dog – 1997; Welcome to Sarajevo – 1997; Larry Flynt – Die nackte Wahrheit – 1996; Money Train – 1995; Natural Born Killers – 1994), der die Rolle der zwischenzeitlichen Übelkrähe übernehmen darf. Das lässt mehr Spielraum und Harrelson weiß ihn grandios zu nutzen; ebenso Ellen DeGeneres, die die andere Übelkrähe, die quotenabhängige Programmchefin spielt. Immer goldig – und in dieser Goldigkeit – wunderbar stimmig ist Jenna Elfman (Jagabongo - Eine schrecklich nette Urwaldfamilie – 1998; „Ein Mann, ein Mord“ – 1997).

Ron Howard führt gewohnt souverän Regie (Kopfgeld – 1996; „Schlagzeilen“ – 1994; „In einem fernen Land“ – 1992; Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen – 1991; „Willow“ – 1988; „Cocoon“ – 1985; Splash: Jungfrau am Haken – 1984; „Nightshift – Das Leichenhaus flippt völlig aus“ – 1982) in diesem Film, der einfach ein Jahr zu spät kommt, um zum Klassiker zu werden.

Wertung: 9 von 11 D-Mark