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Kinoplakat: Driver

Ryan O'Neils stoische Fahrkünste
und Walter Hills Regie – Stay Cool

Titel Driver
(The Driver)
Drehbuch Walter Hill
Regie Walter Hill, USA, UK 1978
Darsteller Ryan O'Neal, Bruce Dern, Isabelle Adjani, Ronee Blakley, Matt Clark, Felice Orlandi, Joseph Walsh, Rudy Ramos, Denny Macko, Frank Bruno, Will Walker, Sandy Brown Wyeth, Tara King, Richard Carey, Fidel Corona u.a.
Genre Action
Filmlänge 91 Minuten
Deutschlandstart
4. Januar 1979
Inhalt

Er ist Profi. Die Unterwelt kennt ihn nur als den Driver. Er lässt sich als Fluchtwagenfahrer anheuern – gegen einen festen Prozentsatz der Beute. Er ist der Beste in seinem Fach, arbeitet niemals zweimal für dieselben Auftraggeber.

Der Bulle jagt den Driver. Er respektiert dessen Professionalität. Aber er macht keinen Hehl daraus, dass ihm jedes Mittel recht ist, den Mann zu fassen. Er weiß, wer der Mann ist, er weiß, was dieser Mann ist – ihm fehlt nur der Beweis, ein Zeuge zum Beispiel. Hier kommt die Spielerin in die Gleichung.

Die Spielerin hat den Driver bei dessen letzten Job gesehen. Aber sie verrät ihn nicht. Der Driver zahlt besser. Auf ihre Annäherungsversuche geht er nicht ein. Sie wird ihrerseits vom Bullen bedroht, lässt sich aber nicht einschüchtern.

Der Bulle setzt einen Ganoven ein, den er gerade bei einem Supermarktüberfall gefasst hat und stellt ihn vor die Wahl: Entweder viele Jahre Gefängnis, oder der Ganove hilft dabei, den Driver zu fassen. Der Ganove soll den Driver für einen Job anheuern. Aber der Driver riecht den Braten.

Der Bulle fordert den Driver heraus - zu einem Katz-und-Maus-Spiel. Der Driver geht darauf ein …

Was zu sagen wäre

Ein Film Noir, den Walter Hill radikal auf seine Struktur zusammenstaucht. Zwei Männer, zwei Leidenschaften, dazwischen eine Frau. Die Motive der Männer sind klar.

Kinoplakat (US): DriverDie Frau bleibt rätselhaft. Isabel Adjani, in Frankreich ein Star („Der Mieter“ – 1976; „Die Geschichte der Adele H.“ – 1975; „Die Ohrfeige“ – 1974), spielt ihre erste Hollywood-Rolle. Sie bleibt blass, hat wenig mehr zu tun, als aus großen Klimper-Augen in die Männerwelt zu starren und sich dem Driver anzudienen. Allerdings ist die Adjani nur Mittel zum Zweck im Spiel zweier Männer - und vom dritten Mann, Walter Hill, entsprechen reduziertzurückhaltend geschrieben. Adjani kann dieser Rolle wenig Glanz geben. „Driver“ ist ein Männerfilm, auf das Wesentliche reduziert und meistens ist es Nacht.

In einer Schlüsselszene besucht der Bulle den Driver in seiner kargen Bude. Die beiden reden. Dem vollkommen ohne Annehmlichkeiten lebenden Driver geht es zu diesem Zeitpunkt offensichtlich ebenso wenig um Geld wie dem Bullen um Recht und Ordnung – beide sind Getriebene, getieben vom Verlangen, den anderen zu besiegen.

Zweimal explodiert der Film. Da inszeniert Walter Hill Autojagden durch die Stadt, die das genre bislang so nicht gesehen. Hill war beteiligt an der Autoverfolgung aus dem Steve-McQueen-Thriller „Bullit“. Darauf baut er auf, verlängert die Jagd und kürzt die Frequenz seiner Schnittfolgen. Und am Steuer Ryan O'Neal („Die Brücke von Arnheim“ – 1977; „Barry Lyndon“ – 1975; „Paper Moon“ – 1973; „Is' was, Doc?“ – 1972; „Love Story“ – 1970) mit stoischem Gesichtsausdruck - konzentriert, gelangweilt? Egal, es ist sein Job, er ist der Driver.

DVD-Cover (US): DriverÄhnlich der Cop. Bruce Dern („Schwarzer Sonntag“ – 1977; „Familiengrab“ – 1976; Der große Gatsby – 1974; Lautlos im Weltraum – 1972) porträtiert ihn mit hibbeligem Ich-bin-der-Größte-Habitus. Im Gegensatz zu seinem Jagdziel ist der Cop redselig, erklärt seinen zweifelnden Mitarbeitern unablässig die eigene Großartigkeit und dass er noch jeden gekriegt hat. Es ist die undankbarere der beiden Männerrollen, aber Bruce Dern hält souverän die Balance zum stoischen Driver.

Für Schauspieler ist ein Film wie „Driver“ nicht leicht; sie spielen keine Rollen, sie erfüllen Funktionen, die aber trotzdem menschlich echt wirken sollen. Walter Hill hat diesen Film konstruiert; jede Geste choreographiert, jeder Kamerawackler gesetzt, die Musik sparsam; hier passt mal der zähe Begriff des atmosphärisch dichten Thrillers. Nichts ist dem Zufall überlassen.

Der Film ruht in sich. Ein Meisterwerk.

 
Wertung: 9 von 9 D-Mark
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